Piraten am Pranger

Durch Online-Piraterie soll der japanischen Manga- und Anime-Industrie ein jährlicher Schaden von mehr als 25 Mrd Euro entstehen, wie Branchenvertreter hochgerechnet haben. Um diesen Schaden einzudämmen, wurde jetzt das Manga-Anime Guardians Project, kurz M.A.G Project, vom japanischen Wirtschaftsministerium initiiert.

Beteiligt sind namhafte Manga- und Anime-Firmen aus Japan, darunter Verlagshäuser wie Kodansha („Sailor Moon“, „Billy Bat“), Shueisha („Naruto“, „One ?Piece“) oder Shogakukan („Detektiv Conan“, „Inu Yasha“). Ihnen macht vor allem zu schaffen, dass neue Manga-Episoden in kürzester Zeit nach der Veröffentlichung in den Magazinen ihren Weg als illegale Scans ins Internet finden.

Respektlosigkeit gegenüber den Künstlern
Und das nicht nur im japanischen Original. Insbesondere englischsprachige Übersetzungen durch Fans, die sogenannten „Scanlations“, sind bei Manga-Fans auch hierzulande sehr beliebt. Sie wissen, dass sie auf deutsche Ausgaben selbst im Idealfall viele Monate warten müssten.
Der Manga-Programmchef von Carlsen, Kai-Steffen Schwarz, erkennt zwar an, dass bei den Fans, „die Manga selbst übersetzen und diese verbreiten, in der Regel erst einmal die Liebe zum Medium und die Begeisterung für bestimmte, bislang oft unbekannte Geschichten zum Ausdruck kommt“. Gegenüber dem Online-Portal Dreimalalles.info stellte er aber auch klar, dass spätestens dann ein großes Problem entsteht, „wenn sogenannte Aggregatorenseiten die Scanlations klauen und gebündelt auf einer Seite präsentieren. Und dann via automatisierten Werbelinks auf den Seiten mit diesem Material mitunter Millionen verdienen, ohne dass auch nur ein einziger Cent davon an die Urheber geht.“
Abgesehen von dem wirtschaftlichen Schaden würden die Scanlations deshalb auch von einer „beispiellosen Respektlosigkeit gegenüber den Autoren und Zeichnern“ zeugen, die schließlich in der Mehrheit alles andere als reich durch ihre Arbeit würden.
Positiv bewertet Schwarz auf Dreimalalles.info, dass „die Promo für den legalen Erwerb von Manga und Anime in den Vordergrund gestellt“ wird. Etwa auch durch attraktive Digitalangebote von Manga-Inhalten. Hier ist Carlsen auf dem deutschen Markt auch ein Vorreiter. Gleichzeitig werden laut Schwarz aber auch auf Betreiben von Carlsen hin regelmäßig „Tausende von Scanlation-Links gelöscht, die Material enthalten, für deren exklusive Verwertung wir die Rechte bezahlen“.
Entscheidend dürfte aber sein, wie viele Scanlationseiten dauerhaft aus dem Netz genommen werden können. Ganz gleich, ob die entsprechenden Seiten in Japan, Amerika oder Deutschland ins Internet gestellt werden. 
Vorbildliches Projekt in Deutschland

Dass durchaus Erfolge möglich sind, zeigt eine deutsche Initiative. Bereits im September 2010 wurde die Anime Copyright Allianz (ACA) gestartet, die sich der Wahrung des Urheberrechts in der deutschsprachigen Manga- und Anime-Szene verschrieben hat. Hier sind neben großen Verlagen und Anime-Labels wie Kazé oder Universum Anime auch Fan-Organisationen wie der Animexx-Verein beteiligt, denn gerade die aktive Einbeziehung der Fans steht im Fokus von ACA. Auf der Website www.anime-copyright-allianz.de gibt es auch ein Online-Formular, auf dem die für die rechtliche Situation sensibilisierten Fans selbst Links zu Raubkopien melden können.

Erleichtert wird ihnen dieser Schritt durch die Zusage, dass gegen die oftmals fahrlässig handelnden Jugendlichen in der Regel nicht mit Rechtsmitteln vorgegangen wird. Trotz oder gerade wegen dieser „weichen Strategie“ ist der Erfolg durchschlagend: Allein der für die ACA tätige Dienstleister Comeso konnte – auch dank der Mitarbeit der Fans – in den zurückliegenden zweieinhalb Jahren über zwei Millionen Links zu illegalen Kopien auf sogenannten Sharehostern entfernen lassen.
Gleichzeitig kommt etwa Kazé den Fans mit attraktiven Online-Inhalten entgegen, indem man brandneue Anime-Folgen kurz nach der TV-Ausstrahlung in Japan auf der Plattform www.anime-on-demand.de als deutschuntertitelte Fassung bereitstellt. Hierbei arbeitet man teilweise auch mit „Subbern“ aus der Fanszene zusammen. So gelingt es, die lange Wartezeit zu überbrücken, die aufgrund von Lizenz- und Produktionsabläufen anfällt, bis deutsche DVD-Veröffentlichungen der entsprechenden Folgen auf den Markt kommen.
Aufgrund dieses mehrgleisigen Vorgehens stabilisierte sich die deutsche Anime-Branche nach schweren Einbrüchen vor etwa zehn Jahren zuletzt wieder. Im deutschsprachigen Markt werden inzwischen sogar die Umsatzzahlen übertroffen, die vor dem Aufkommen der Internet-Sharehoster erzielt wurden.
Das wurde auch in Japan aufmerksam registriert. Im Vorfeld des Manga-Anime Guardians Project erkundeten die Verantwortlichen von Shogakukan und Shueisha, den japanischen Mutterverlagen von Kazé, gezielt die deutschen Erfahrungen. Michael Wache, Head of New Media bei Kazé, erläuterte ausführlich die Arbeitsweise und den Erfolg der Anime-Copyright-Allianz. So ist es wohl kein Zufall, dass Elemente des M.A.G Project an die ACA erinnern.
Text: Martin Jurgeit

Kommentare

1 Kommentar zu "Piraten am Pranger"

  1. „Entscheidend dürfte aber sein, wie viele Scanlationseiten dauerhaft aus dem Netz genommen werden können.“ – Behauptet Schwarz/Carlsen oder der Buchreport? Ich wäre da nicht so sicher. Mal jenseits der Frage nach der praktischen Realisierung, rennt man da oft in ein Hydra-Problem: eine Seite ist weg, drei neue sind wenige Tage später da. Siehe seinerzeit kino.to oder aktuell b***.bz

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