Bonnier, der Ausreißer

Im Anschluss an den offenen Brief von Autoren rund um Nina George an die Amazon-Chefetage (das Foto zeigt Deutschland-Chef Ralf Kleber, © Amazon) hat sich Amazon Deutschland erneut zum Streit mit Verlagen über Konditionen und E-Book-Preise geäußert. Tenor: Bonnier verlange ungewöhnliche Konditionen.

In einer Stellungnahme heißt es, Bonnier biete Amazon die Mehrheit seiner Titel zu Konditionen an, „die es für uns wesentlich teurer machen, eine digitale Ausgabe als die gedruckte Ausgabe desselben Titels einzukaufen.“ Dies sei eine nicht nachvollziehbare Entscheidung, denn ein E-Book verursache keine Druckkosten, keine Überbestände, keine Retouren, keine Lagerkosten und keine Transportkosten. Es bedürfe keiner Auflagenplanung, und es gehe kein Umsatz verloren, weil E-Books nie ausverkauft seien. Schlussfolgerung des Münchner Unternehmens: „E-Books können und sollten günstiger als gedruckte Bücher angeboten werden – und dies sollte auch für die Preise gelten, zu denen Buchhändler bei Verlagen einkaufen.“ 
Tatsache sei jedoch, dass Bonnier mit seinen Konditionen deutlich von denen anderer führender Verlagshäuser abweiche. Man arbeite intensiv mit Bonnier daran, Vereinbarungen zu schließen, „die mehr im Einklang mit branchentypischen Konditionen in Deutschland sind“.

Bonnier: Verlage könnten sich Preissturz bei E-Books nicht leisten

Bonnier wollte dies aktuell gegenüber buchreport nicht kommentieren.

Christian Schumacher-Gebler, seit Jahresbeginn CEO von Bonnier Media Deutschland, hatte sich aber erst kürzlich zur Pricing- bzw. Konditionendebatte geäußert. Laut Amazon Deutschland dürfe ein E-Book analog zu den Forderungen für die USA generell einen Preis von 9,99 Euro in Deutschland nicht überschreiten. Zudem müsse ein Preisabstand von 40 bis 50% zwischen gedruckte und digitaler Version bestehen. „Auf Basis dieser Preisvorstellung von Amazon können seriös arbeitende Verlage ihr Geschäft nicht betreiben“, so Schumacher-Gebler.

Für Amazon selbst wäre der Preissturz kein Problem, denn der E-Book-Markt würde vermutlich in dem von Amazon prognostizierten Verhältnis wachsen. Das Wachstum im E-Book-Markt wäre aber eben kein zusätzliches Wachstum – und das verschweige Amazon. Das Wachstum entstünde nahezu ausschließlich durch das sich verändernde Leserverhalten von Print zu Digital. „Amazon dominiert in Deutschland den Markt mit E-Books und würde von diesem veränderten Leserverhalten stark profitieren.“

Mehr zum Thema im Dossier von buchreport.de

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