Teure Expansion

Amazon macht weiterhin Verluste. Für das 2. Quartal 2014 meldet das weltgrößte E-Commerce-Unternehmen ein Minus von 126 Mio Dollar. Zum Vergleich: Im Vorjahreszeitraum lag der Verlust bei 7 Mio Dollar. Die Anleger reagierten auf die neuesten Zahlen mit dem Verkauf von Aktien, sodass der Kurs um 10% absackte. Den starken Anstieg der Verluste begründet Firmenschef Jeff Bezos mit Investitionen in Service und Produkte.

Diese Expansionsstrategie lässt den Umsatz weiter anwachsen. Im zweiten Quartal stiegen die Einnamen weltweit um 23% auf 19,3 Mrd Dollar. Für das laufende Quartal ist eine erneute Steigerung von 15 bis 26% geplant.

Für die Buchbranche interessant ist die Entwicklung des Medienumsatzes: Weltweit stiegen die Erlöse in diesem Segment zwar auf 4,8 Mrd Dollar (im Vorjahreszeitraum lag der Wert bei 4,4 Mrd Dollar). Im ersten Quartal hatte Amazon mit Medien jedoch noch 5,5 Mrd Dollar eingenommen. Ein ähnliches Bild ergibt sich für die Teilmärkte:

  • In Nordamerika wuchsen die Erlöse auf 2,5 Mrd Dollar. 2013 waren es zwar 2,2 Mrd Dollar, im 1. Quartal jedoch noch 2,8 Mrd Dollar.
  • International (dazu zählt auch der deutsche Markt) wurden 2,4 Mrd Dollar eingenommen. Vor einem Jahr waren es 2,2 Mrd Dollar.

Amazon wächst bei elektronischen Geräten und sonstigen Waren überproportional (+27%), das Mediensegment hat aber im 2. Quartal immer noch zweistellig zugelegt (+10%) – vor allem im Nordamerika. „International“, also über alle andere Märkte hat das Mediensegment dagegen bereinigt um Währungseffekte nur noch um 4% zugelegt, die anderen Produkte um 20%. Direkte Schlüsse auf den deutschen Teilmarkt sind daraus nicht abzuleiten, allerdings dürften sich international jene Märkte dynamischer entwickeln, in denen Amazon noch nicht so lange aktiv ist wie z.B. Indien oder Spanien.  

In den gestrigen ARD-„Tagesthemen“ (24.7.) war bereits über schwache Quartalszahlen spekuliert worden, vor allem wurde die marktveränderne Macht Amazons für den Buchmarkt thematisiert. Die erklärte in dem „Tagesthemen“-Beitrag Daniel Lenz, stellv. Chefredakteur von buchreport:  „Amazon weiß seine Marktmacht am Verhandlungstisch einzusetzen.“ Es gebe kein Unternehmen, dass die Medienbranche derart vor sich her treibe.“ Lenz spricht auch über die „perfekte Einkaufsmaschine“ des kürzlich auf den Markt gebrachten Amazon-Smartphones „Fire Phone“. Weitere Aspekte des Beitrags sind die Datenprofile, die der Kunde bei Amazon hinterlässt, und der „nicht zimperliche“ Umgang mit Geschäftspartnern und Mitarbeitern. Börsenvereins-Hauptgeschäftsführer Alexander Skipis kritisiert, dass Amazon Bücher nicht als Kultur-, sondern als reines Wirtschaftsgut betrachte: „Das ist beim Buchmarkt völlig fehl am Platze“.

Der Beitrag ist in der ARD-Mediathek zu finden (ab Minute 24).

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