Mehr Wettbewerb, weniger Marge

Amazon profitierte bislang vom niedrigen Mehrwertsteuersatz in Luxemburg. Das Foto zeigt den unscheinbaren europäischen Firmensitz in Luxemburg.  

In wenigen Monaten wird ein Akteur das Feld für den E-Book-Markt neu abstecken: Der Fiskus. Die Einführung des Bestimmungslandprinzips für die anfallende Mehrwertsteuer verändert die Wettbewerbssituation von Händlern, Verlagen und Autoren.

Der Bundesrat hat am Freitag einer Neuregelung zugestimmt, nach der sich die Besteuerung von E-Books ändert: Kauft ein Kunde aus Deutschland bei einem Händler im europäischen Ausland ein E-Book, dann fällt künftig die Umsatzsteuer in Deutschland an und nicht mehr im Heimatstaat des Anbieters. 
Mit der Neuregelung verlieren Amazon und Apple, die ihren europäischen Sitz in Luxemburg haben und bisher z.B. auf E-Books den dort geltenden niedrigen Steuersatz von 3% abführen, ihren Wettbewerbsvorteil gegenüber deutschen Händlern. Die zahlen nämlich jetzt schon den deutschen Satz von 19%.

Auswirkungen besonders für Verlage und Autoren

Die Folgen der Neuregelung treffen aber nicht nur die beiden internationalen Online- und Technologie-Riesen:
  • Verlage/Autoren: Apple und Amazon sind für die deutschen E-Book-Verlage wichtigste Verkaufsplattformen, und weil beide die Verkäufe digitaler Bücher mit deren Lieferanten auf Basis der Netto-Einnahmen abrechnen, schlägt der mehrwertsteuerbedingte Rückgang um 16% auch bei den Verlagen zu Buche. Und somit auch bei den Autoren, deren Erlöse sich am Kuchenstück der Verlage bemessen.
  • Distributoren: Kleinere Zwischenbuchhändler und ihre Softwaredienstleister stellt die Umstellung auf die anderen Steuersätze vor ein gewaltiges organisatorisches Problem. Weil EU-Kommission und deutsche Finanzverwaltung noch keine Details über die praktische Umsetzung der neuen Steuerregeln herausgegeben haben, droht ihnen für die aufwendigen Implementierungsprozesse schlicht die Zeit davonzulaufen.
  • Selfpublisher: Matthias Matting zeigt, inwiefern auch die meisten Selfpublisher betroffen sind, die einen großen Teil ihrer Umsätze über Amazon erwirtschaften. Entweder müssten diese ihre Verkaufspreise erhöhen oder Einbußen beim Honorar akzeptieren.
Die steuerliche Umstellung führt beispielsweise bei Bastei Lübbe dazu, dass der Verlag niedrigere Umsatzsteigerungen im Digitalbereich einplant, „weil wir nicht die Preise erhöhen können“, berichtete CEO Thomas Schierack kürzlich gegenüber buchreport. „Wir müssen uns bei der Mehrwertsteuer immerhin auf eine Differenz von 16% einstellen, was Umsatz und Ergebnis belastet. es sei denn, wir bekommen rasch den verminderten Mehrwertsteuersatz von 7% für E-Books.“
Reduzierung des E-Book-Steuersatzes in weiter Ferne

Doch damit ist aus heutiger Sicht nicht zu rechnen. Der Grund: Die Änderung des E-Book-Satzes erfordert eine Änderung der EU-Mehrwertsteuersystemrichtlinie, und das Verfahren zu deren Änderung ist genauso furchterregend lang und kompliziert wie der Name. Das Bundesfinanzministerium deutete in der vergangenen Woche gegenüber dem Börsenverein an, dass die Umsetzung des reduzierten Mehrwertsteuersatzes für E-Books durch die EU noch in weiter Ferne sei. Ein Richtlinienänderungsverfahren sei seitens der EU-Kommission nicht einmal begonnen worden. Ein Widerstand in der EU-Kommission und einzelnen Mitgliedsstaaten – auf die es wegen des Einstimmigkeitsprinzips ankomme – sei nicht zu ignorieren. Ergo sei es fraglich, ob der reduzierte Mehrwertsteuersatz für E-Books überhaupt in absehbarer Zeit komme.

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