Ende der Fahnenstange

Im Digitalverkauf sehen Hörbuchverlage noch großes Potenzial. Aber dieser Vertriebsweg birgt Konfliktstoff, denn beim Geschäft etwa mit Hörbuch-Downloads gewinnt das Abo-Geschäftsmodell weiter an Bedeutung, wobei die Amazon-Tochter Audible als Marktführer den Ton angibt.

Das buchreport.spezial Hörbuch, als Supplement des buchreport.magazins Juli erschienen, gibt einen Überblick über die aktuellen Entwicklungen und Trends auf dem Hörbuchmarkt und widmet sich auch dem Thema Digitalgeschäft (hier zu bestellen).

Dass das Abo-Vertriebsmodell kein Selbstläufer ist, zeigt eine Debatte über die Konditionen von Audible, die bereits 2010 geführt wurde. Damals hatten die Hörbuchverlage unisono die aus ihrer Sicht zu niedrigen Anteile kritisiert, die Audible beim Abo-Vertrieb von Hörbüchern ausschüttet.

Mittlerweile gehen die Meinungen stärker auseinander:

  • Zu den Befürwortern des Abo-Modells zählt Matthias Mundt (Lübbe Audio), der folgende Rechnung aufmacht: „Abo-Kunden zahlen im Schnitt knapp 120 Euro pro Jahr für Medieninhalte und damit deutlich mehr als der klassische Konsument.“
  • Kilian Kissling (Argon) bewertet Abo-Modelle in Download-Portalen ebenfalls positiv, weil sie zeigen, „dass es ausreichend viele Menschen gibt, die ein Medium regelmäßig nutzen“.
  •  Matthäus Cygan (Random House Audio) stellt die Frage nach dem Ertrag: „Wir müssen dafür sorgen, dass unsere Rechtegeber, also Autoren, Sprecher, Komponisten, an ihrem kreativen Schaffen noch verdienen. Hier ist momentan eigentlich das Ende der Fahnenstange erreicht.“
  • Recht deutlich wird Markus Langer (Oetinger Media): „Autoren und Verlage machen zähneknirschend mit. Die Erlöse werden durch ein Abo-Modell naturgemäß drastisch vermindert. Dass das für uns kein Quell der Freude ist, kann man wohl nachvollziehen.“
  • Amadeus Gerlach (Der Audio Verlag) sieht Gefahren für das Preisbewusstsein, auch durch Streaming-Modelle: „Mit Audible haben Download-Flatrate-Abo-Modelle Einzug in den Markt erhalten, die die Preise drücken. Alle Produkte über einen Kamm zu scheren, wie es auch Spotify und Napster machen, und via Streaming zig Millionen von Titeln zu einem Preis von 9,90 Euro im Monat abzugeben, ist die Vernichtung von Qualität im Preis.“

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