Zerschlagen und getrennt marschieren

Barnes & Noble hat sich dem Druck von Analysten gebeugt: Das Unternehmen soll aufgetrennt werden, um neue Investoren anzulocken – oder einen Teilverkauf einzuleiten? Der größte US-Buchfilialist hat im abgelaufenen Geschäftsjahr massiv Umsatz verloren, unter dem Strich aber zugelegt.
Wie das Unternehmen mitteilt, hat der Verwaltungsrat zugestimmt, B&N in zwei Firmen aufzusplitten: einerseits das Geschäft des stationären Buchhandels (rund 660 Geschäfte plus den Shop bn.com), andererseits die Nook-Sparte plus Hochschulgeschäft. Der Schritt soll bis zum 1. Quartal 2015 abgeschlossen werden.
Die Zerschlagung des Unternehmens war in den vergangenen Monaten von vielen Analysten und Aktionären gefordert worden. Hintergrund: Die Erfolge im klassischen Retail-Geschäft sollen künftig nicht mehr von der schwächelnden Digitaltochter getrübt werden. Entsprechend deutlich stieg die Aktie des Unternehmens nach der Ankündigung gestern (um 10%, zum Schlussgong an der Börse lag das Plus bei 5%).
Und doch bleiben bei Branchenbeobachtern Zweifel. „Mir scheint es, als ob die Firma entschieden hat, dass sie nicht mehr Teil der digitalen Revolution ist“, erklärte James L. McQuivey, Analyst bei Forrester Research. Beim Retail-Geschäft gehe es B&N nur noch darum, zu managen, wie schnell es schrumpfen werde.
Unklar sind die Perspektiven beider Sparten nach der Trennung. Wird eine der beiden Sparten anschließend verkauft? – CEO Michael P. Huseby schwieg sich bislang zu dieser Frage aus.
B&N hat auch Zahlen für das abgeschlossene Geschäftsjahr 2013/14 (3. Mai 2014) vorgelegt, die Licht und Schatten beinhalten:
  • Der Gesamtumsatz sank um fast 7% auf 6,4 Mrd Dollar.
  • Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) stieg von 7 auf 251 Mio Dollar – den höchsten Wert seit vier Jahren.
  • In der Nook-Sparte konnte B&N den Verlust stark reduzieren, von –480 Mio Dollar auf –218 Mio Dollar. Der Umsatz sank um 35% auf 505 Mio Dollar. Sowohl bei der Hardware (–45%) als auch im Inhaltegeschäft (–21%) verlor Nook deutlich Umsatz.
Die Nook-Sparte verzeichnete anfangs Erfolge, besonders die Etablierung des Agency-Modells (und die damit verbundene Schwächung von Amazon) sorgte dafür, dass der US-Marktanteil von Nook am E-Reader-Markt auf über 25% stieg, was Investoren wie Microsoft und Pearson bei Nook anlockte. Doch spätestens 2013 wurde deutlich, dass der Nook im Sinkflug ist und hohe Verluste einfuhr. Reaktion: Die hauseigene Nook-Abteilung wurde ausgedünnt, die Entwicklung eigener Tablets aufgegeben (stattdessen wird mit Samsung kooperiert). Geschäftsführer William Lynch, Mastermind des Nook-Geschäfts, nahm den Hut, seit Januar 2014 ist Huseby neuer CEO. Die Nervosität auf Investorenseite stieg, im April 2014 zog sich der Medienkonzern Liberty Media – einst daran interessiert, den größten stationären Buchhändler der USA komplett zu übernehmen – größtenteils heraus.

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