Weltbild-neu auf der Zielgeraden

Das Bundeskartellamt hat das Engagement der Private-Equity-Firma Paragon beim insolventen Weltbild-Verlag abgenickt: Das Placet der Kartellwächter macht endgültig den Weg frei für die Neustrukturierung, nach der Weltbild mit sämtlichen Betriebsteilen inklusive Filialgeschäft und Auslandsgesellschaften in Österreich und der Schweiz in eine neue Gesellschaft überführt wird. An der werden auch Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz und die Gläubigerbanken beteiligt bleiben.

Als 51%-Mehrheitsgesellschafter wird Paragon in der neuen Weltbild-Struktur die Fäden in der Hand halten und es wird mit Spannung erwartet, wie der Investor den Medien-Vertriebsdino neu ausrichtet. Die Vertragsverhandlungen stehen vor dem Abschluss, meldet buchreport.express:

  •  Die Übernahmeverträge mit Paragon sollen am 30. Juni unterzeichnet werden, dann erfolge der Neustart.
  •  Das Unternehmen soll schuldenfrei und mit 100 Mio Euro Eigenkapital ausgestattet sein, 20 Mio Euro davon als Barmittel.
Derzeit werden hinsichtlich des Mitarbeiterstamms noch Ausgleichsverhandlungen geführt, in denen dem Vernehmen nach auch mögliche weitere Entlassungen auf der Agenda stehen. 

Insolvenzverwalter bedauert zwischenzeitliche Informationssperre

Am Mittwoch hatten sich Betriebsrat und Insolvenzverwalter mit einem gemeinsamen Schreiben an die Weltbild-Mitarbeiter gewandt und sich zu den langwierigen Verhandlungen mit Paragon geäußert – also dazu, dass es immer noch keinen unterschriebenen Vertrag zum Einstieg des Investors gibt. Das Private-Equity-Unternehmen sei derzeit als Investor „alternativlos“. Andere Interessenten hätten entweder kein Konzept für das Unternehmen als Ganzes oder könnten keine gesicherte Finanzierung vorlegen. „Ein Finanzierungskonzept kann noch nachgereicht werden, allerdings warten wir seit Monaten vergeblich auf schriftliche Zusagen!“

Es habe in den vergangenen Wochen „hochsensible Verhandlungen“ zwischen Insolvenzverwaltung und potentiellen Erwerbern gegeben. Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz bedauerte, dass es im Zuge dieses schwierigen Prozesses nicht möglich gewesen sei, Zwischenstände an den Betriebsrat, die Belegschaft oder die Öffentlichkeit zu geben. 

Betriebsrat will über Interessenausgleich verhandeln

Der Betriebsrat habe inzwischen beschlossen, ab heute Verhandlungen um einen Interessenausgleich aufzunehmen, um den Weg für den Einstieg von Paragon freizumachen. Die Ziele der Arbeitnehmervertreter:

  • Sicherung der vorhandenen Arbeitsplätze entlang dem gemeinsam erarbeiteten Konzept „Weltbild 2.0“.
  • Das Unternehmen soll auch gesellschaftsrechtlich als Ganzes erhalten bleiben – eine Herauslösung der Logistik sei strikt abzulehnen.
  • In der neuen Gesellschaft soll ein Tarifvertrag existenzsichernde Arbeitsbedingungen absichern.
  • Besitzstandssicherung für die verbliebenen Mitarbeiter.

Geschäftsjahr 2012/13 tiefstrot

Die „Süddeutsche Zeitung“ (18.6.2014) beruft sich auf Arbeitnehmervertreter, die von einer zweistelligen Zahl an zusätzlichen Entlassungen ausgehen „Eine dreistellige Zahl wird es mit uns im Leben nicht geben“, zitiert das Blatt Klaus Warbruck, Berater und Verhandlungsteilnehmer des Betriebsrats. „Jede einzelne weitere Entlassung muss einzeln geprüft und betriebswirtschaftlich begründet sein“, fordert Warbruck.

Die „FAZ“ (20.6.2014) nennt Zahlen, die auf einer Gläubigerversammlung am Dienstag dieser Woche vorgelegt worden seien. Demnach gab es im Geschäftsjahr 2012/13 (30. Juni) einen Umsatzrückgang in den Filialen von 20%. Auf 100 Millionen Euro werde der operative Verlust des Geschäftsjahres 2012/13 taxiert. Die Forderungen der Gläubiger an den insolventen Konzern seien mit 234 Mio Euro angegeben worden.

Mehr zum Thema im buchreport.express 25/2014 (hier zu bestellen)

Mehr zu Thema Weltbild im Dossier von buchreport.de

Kommentare

1 Kommentar zu "Weltbild-neu auf der Zielgeraden"

  1. Es ist etwas eigenartig, dass dieser Vertragsabschluss von Paragon auch mit dem Insolvenzverwalter von Weltbild, Herrn Geiwitz, abgeschlossen wird.
    Es könnte sein, dass Herr Geiwitz so lange im Boot bei Paragon bleibt, bis letztendlich Weltbild wieder voll und ganz aus der Krise ist.
    Mit dabei sind auch die Gläubigerbanken, die im Insolvenzverfahren bereits eingebunden waren.
    Paragon hat angekündigt, dass noch mehr Personal von Weltbild durch die ganze Neustrukturierung demnächst wegfallen wird.
    Die hier in diesem Bericht angegebenen Forderungen mit 234 Millionen Euro von Weltbild an die Gläubiger, die also noch voll im Raum stehen, bedeuten für Paragon einen hohen Betrag.
    Eine Neuaufstellung von Weltbild bedeutet jetzt auch eine konsequente Überarbeitung des Programms und auch ein Ja oder Nein zum bisherigen Katalog.
    Gespannt wird man in der Verlags- und Buchbranche sein, wie sich der Aufsichtsrat gestalten wird und wie der gesamte Aufbau bei Weltbild in naher Zukunft (also von den Mitarbeiter/innen bis zur
    Führungsspitze) aussehen wird.
    Paragon ist zudem jetzt auf eine Vorlaufzeit angewiesen, um einfach noch die Unternehmensabläufe auch besser im Detail zu überprüfen.
    Man kann hoffen, dass der neue Start der Weltbild Gruppe auch mit guten Vorzeichen klappen wird.
    Prognosen lassen sich jetzt nicht stellen, weil man die gesamte Entwicklung nicht genau voraussehen kann.
    Möge der Neubeginn von Weltbild gelingen.
    H. Kraft

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