Langer Anlauf zum Ausstieg

Überraschend kommt die offizielle Beerdigung des Clubgeschäfts – der Keimzelle des Medienkonzerns – nicht.  Der Rückbau des Bertelsmann-Club-Geschäfts begann schon vor sechs Jahren, unter der Regie des damaligen Konzernchefs Hartmut Ostrowski: 

Die Trennung von den deutschen Club-Aktivitäten galt lange Jahre als No-Go im Konzern, so hatte Fernando Carro noch 2011 einen Verkauf ausgeschlossen. Begründung: „Bertelsmann verdient mit der Direct Group nicht nur über das Club-Geschäft Geld: Beispielsweise partizipieren Random House oder Arvato vom Club-Geschäft. Daher darf man sich nicht nur die Zahlen des deutschen Clubs anschauen. Auch vor diesem Hintergrund kann man sagen, dass Bertelsmann, Nostalgie beiseite, mit dem Club Geld verdient.“

Zeilenreich als letzter Rettungsversuch

Gleichwohl wurde an allen Ecken und Enden umgebaut. Zu den Versuchen, das Ruder herumzureißen, gehörte die 2010 eingeleitete Öffnung in Richtung normalem Buchhandel. Club-Filialen wurden in Zeilenreich-Minibuchhandlungen umgebaut. Bei dem offenen Modell sollten sowohl Club-Mitglieder (Club-Ausgaben zum reduzierten, andere Bücher zum vollen Preis), als auch ungebundene Kunden bedient werden, die auch für Club-Titel den entsprechenden Buchhandelspreis zahlen müssen. Doch der Versuch misslang, auch Zeilenreich wurde später geschrumpft. 

Und spätestens Anfang 2014 zeichnete sich ab, dass der 2013 beschleunigte Rückbau beim Bertelsmann Club auf einen Exit hinausläuft: Verstärkter Personalabbau sowohl in den Filialen als auch den Verwaltungszentralen in Rheda und Berlin.  Seinerzeit hieß es, dass alle Club-Filialen, die zumindest keine schwarze Null schrieben, geschlossen werden sollen. Die Frage, ob am Ende das komplette stationäre Club-Geschäft aufgegeben werden solle, wurde seinerzeit  kommentiert. Jetzt liegt die Antwort vor. 

Wer hat den Club beerdigt?

Und wer hat dem Club den Todesstoß gegeben? Vermutlich Konzernchef Thomas Rabe höchstpersönlich. Der hatte sich im April 2014 gegenüber der „Financial Times“ gebrüstet: „Früher haben mir Leute gesagt: Thomas, rühr’ nie das deutsche Club-Geschäft an. Oder: Verkaufe nie das chinesische Club-Geschäft. Oder: Du kannst nicht Personal in Gütersloh einsparen. Wir sind aber dabei, das deutsche Clubgeschäft zu schließen, große Teile davon. Ich habe den chinesischen Club während der Olympischen Spiele 2008 liquidiert, als dies kaum Aufmerksamkeit erzeugte.“

Aktuell ist Deutschland im WM-Fieber.

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