Offline gräbt Online das Wasser ab

Trotz eines schwachen ersten Jahresdrittels im Buchhandel (nach buchreport-Zahlen –3,4%) verteilt der Börsenverein im Vorfeld der Buchtage statistische Stimmungsaufheller.  Für das vergangene Jahr hat der Verband, nach zwei Minus-Jahren in Folge, für die Branche ein leichtes Umsatzplus von 0,2% auf 9,54 Mrd Euro ermittelt – von einem „neuen Selbstbewusstsein“ besonders im Buchhandel ist sogar in Frankfurt die Rede.
Was beim Verband für gute Stimmung sorgt: Erstmals sei die Umsatzentwicklung im stationären Buchhandel besser als im Online-Buchhandel verlaufen. Während der stationäre Buchhandel den Umsatz um 0,9% auf 4,64 Mrd Euro habe steigern können, habe der E-Commerce 0,5% Umsatz auf 1,56 Mrd Euro verloren. „Der Ausbau des Online-Geschäfts, die Konzentration auf Beratung und Empfehlungen und die Erweiterung der Kompetenzen im E-Book-Geschäft machen sich bemerkbar“, sucht  Vorsteher Heinrich Riethmüller nach Gründen für die (vermeintliche) Vorzeichen-Umkehr. Und ergänzt: „Die Verbindung von sofortiger Lieferbarkeit, gebundenem Preis und individueller Beratung im Buchhandel ist einzigartig und kaum zu verbessern. Das merken die Kunden. Zudem setzt der stationäre Buchhandel seine ‚Multichannel‘-Strategie um und bewegt sich mittlerweile auf vielen Kanälen“.
Damit stehen die Erkenntnisse des Verbands im deutlichen Gegensatz zu den Zahlen des Bundesverbands der deutschen Versandbuchhändler, der kürzlich einen Umsatzzuwachs der Online-Buchhändler (inklusive der Marktplätze) um 7% auf 2,3 Mrd Euro bilanzierte und allein für Amazon den Buchumsatz auf 1,9 Mrd Euro (+19%) taxierte.
Weitere Zahlen aus der Branchenbilanz des Börsenvereins:
  • Vertriebswege: Die stärksten Zuwächse verzeichneten neben den „Sonstigen Verkaufsstellen“ die Verlage mit ihrem Direktgeschäft: +1,5% auf 1,88 Mrd Euro. Größte Verlierer sind neben den Buchgemeinschaften (–10,4% auf 0,16 Mrd Euro) und den Warenhäusern (–10,7% auf 0,14 Mrd Euro) die klassischen Versandbuchhändler (z.B. über Kataloge), die 12,4% Umsatz (auf 218 Mio Euro) einbüßten.
  • Warengruppen: Auf der Sonnenseite standen 2013 die Ratgeber mit einem Umsatzplus von 5,5%, außerdem die Warengruppe Reisen (+3,5%); deutlich nach unten zeigt – nach dem „Fifty Shades“-Boom – dagegen der Trend für die Belletristik: –3,5%.
  • Titelproduktion: Nach zwei Jahren mit rückläufigem Bücherausstoß stieg das Volumen wieder an, um 2,6% auf 81.919. Das Plus stammt hier vorwiegend aus der Belletristik und dem Kinder- und Jugendbuch.
  • Lizenzen:  Sind seit 2010 stark rückläufig, im vergangenen Jahr sank die Zahl noch einmal um fast 6% auf 6466. Im Vergleich zum Jahr 2007 wurden fast ein Drittel weniger Rechte verkauft.
  • E-Book: Die Dynamik auf dem E-Book-Markt flacht laut Börsenverein ab, der Umsatzanteil am Publikumsmarkt (ohne Schul- und Fachbücher) stieg 2013 lediglich von 2,4% auf 3,9%. Kommentar von Matthias Heinrich, Vorstandsmitglied des Börsenvereins: „Das E-Book wird zu einer festen Größe in Deutschland. Wer allerdings damit gerechnet hat, dass sich der Markt mit einer ähnlichen Dynamik wie in den USA entwickeln wird, sieht sich getäuscht. E-Books werden aber immer selbstverständlicher genutzt.“ Eine Detailauswertung zum E-Book-Markt folgt.
Hauptgeschäftsführer Alexander Skipis nutze die Präsentation der Zahlen einmal mehr für die Forderung,  beim Freihandelsabkommen eine Ausnahme für den Kulturbereich (u.a. die Buchpreisbindung) zu erzielen und sich „gegen die zerstörerischen Vorstöße von Quasi-Monopolisten auf dem Buchmarkt“ einzusetzen.

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