Wettbewerbshüter, bitte kommen

Schon in der vergangenen Woche hatte Alexander Skipis in der Konditionendebatte schwere Geschütze gegen Amazon aufgefahren. Jetzt legt der Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins nach. Das deutsche Kartellrecht müsse „an die Gegebenheiten eines digitalen Marktes“ angepasst werden. Heißt konkret: Verlagen solle ermöglicht werden, Absprachen zu treffen, um sich gegen die Konditionenforderungen zu wehren.
Denn faktisch sei Amazon auf dem Weg, „weltweit auf dem E-Book-Markt und mittelfristig möglicherweise auch im deutschen Buchmarkt eine marktbeherrschende Stellung einzunehmen.“ Insbesondere im E-Book-Sektor entfalte sich bereits jetzt die Marktmacht von Amazon gegenüber den Verlagen verheerend. „Auch wenn Amazon vielleicht noch kein Monopol im klassischen Sinne hat, so hat es doch die Macht, den Markt komplett zu verwüsten. Dadurch werden auf dem Buchmarkt Strukturen zerstört, die Qualität und Vielfalt gewährleisten“, so Skipis.
Die jüngsten Auseinandersetzungen mit Verlagen überschreiten nach Skipis‘ Ansicht eine weitere Grenze: „Amazon lässt seine Maske fallen und missbraucht mittlerweile seine Marktstellung derartig, dass man von Erpressung der Verlage sprechen kann.“ Doch die Wirkung sei weitaus grundsätzlicher. „Diese Erpressung findet auf dem Rücken von Kunden und Autoren statt. Das alleinige Ziel ist es, weitere Marktanteile zu gewinnen und so die Verhandlungsmacht weiter auszubauen, dabei sind Autoren und Kunden dem Unternehmen letztlich gleichgültig“, so Skipis. „Wer vorsätzlich Bücher zurückhält, der schadet finanziell auch dem, der sie verfasst hat. Doch die Autoren werden sich das langfristig nicht gefallen lassen. Schließlich geht es um ihre Inhalte und schließlich entscheiden sie selbst darüber, welche Vertriebswege sie nutzen.“

Buchhändler machen per Facebook mobil 

Auch eine Buchhändler-Gruppe auf Facebook macht Front gegen Amazon. „Das Ausnutzen von Marktmacht, die bewusste Lieferverzögerung von Titeln ausgewählter Verlage, um Druck aufzubauen, um Konditionenforderungen durchsetzen zu können“, so die Mitglieder der über 820 Mitglieder zählenden Facebook-Fachgruppe „Buchhandelstreff“ „ist nicht nur ein bedrohliches Zeichen für die Buchbranche, sondern auch ein klarer Affront gegenüber dem Buchleser und -käufer.“

Gerade die schnelle Beschaffung des Kulturguts Buch sei die Grundaufgabe des Buchhandels. „Wer diese torpediert, um geschäftliche Vorteile zu erzwingen, macht deutlich, wie er mit wachsender Marktmacht umzugehen gedenkt.“

Der Buchkäufer habe aber die Wahl und könne ein Zeichen setzen, indem er im Laden kaufe und (über Nacht) bestelle.

Kommentare

1 Kommentar zu "Wettbewerbshüter, bitte kommen"

  1. Selbstverständlich hat Amazon eine marktbeherrschende Stellung im Versandhandel mit Büchern und Ebooks! Da reichen schon 40%, wenn ich recht informiert bin. Es hat auch nichts damit zu tun, dass Amazon seine Stellung ausnützt und Verlage erpresst. Marktbeherrschende Stellung ist ab 40% im Guten und Bösen, so oder so gegeben.

    Die Frage ist nur, ob es ein deutsches Gericht wagt, einen amerikanischen Multi zu verurteilen. Da werden aus laut tönenden Politikern ruckzuck sehr leise Politiker. Es ist eine Frage des Mutes, nicht des deutschen Kartellrechts!

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