Kampf der Titanen

Wie wirkt sich der Konditionenzoff konkret aus? Der Science-Fiction-Autor Michael Sullivan (Foto)  schildert auf Digital Book World ausführlich, wie stark der Absatz seiner bei Hachette erschienenen Bücher gesunken ist. Sullivans Ärger richtet sich wider Erwarten weniger gegen Amazon als gegen seinen eigenen Verlag.
Sullivan gilt laut Digital Book World als Veteran unter den Autoren, Bücher von ihm seien sowohl bei den fünf größten US-Verlagen als auch auf dem Selfpublishing-Weg und per Crowdfunding (Kickstarter) erschienen. Seine Serie „The Riyria Revelations“ (beim Hachette-Imprint Orbit erschienen) sei ein Millionenseller und in 15 Sprachen übersetzt worden; hierzulande bringt Klett-Cotta die Serie heraus.
Wie wurde Sullivan auf den Amazon-Hachette-Streit aufmerksam? – Wie der Autor bei Digital Book World berichtet, sei ihm schon im Februar 2014 klar  gewesen, dass es Konditionenverhandlungen von Amazon und Hachette gebe: Im Februar sei ihm aufgefallen, dass Amazon die Preise seiner „Riyria“-Bücher – und die von Titeln seiner Hachette-Autorenkollegen – deutlich erhöht habe. Anfang März habe sich abgezeichnet, dass Bestellungen seiner Bücher mit großer Verzögerung ausgeliefert werden, wobei unklar gewesen sei, ob Amazon oder Hachette schuld waren. 
Wie schlägt sich der Streit nieder? – Da er nur zwei Mal im Jahr Abrechnungen erhalte, sei es schwierig, dies mit Zahlen des Verlags zu beziffern, so Sullivan; erst im Oktober werde die Abrechnung für die Monate Januar bis Juni erfolgen. Nach Zahlen von Nielsen Bookscan aber, die einen Großteil des Marktes abdeckten, sei der Absatz seiner gedruckten Bücher inzwischen auf 54% des Niveaus vor dem Streit gesunken. Bei den E-Book-Ausgaben, die Nielsen nicht erfasst, hat Sullivan den Amazon-Salesrank analysiert: Der habe Anfang Februar bei seinen Titeln zwischen 5000 und 8000 gelegen, aktuell nur noch bei 10.000 bis 23.000, was auf Absatzeinbrüche auch im E-Book-Bereich hinweise.
Welche Schlussfolgerungen zieht Sullivan? – Sullivan verweist darauf, dass seine Selfpublishing-Titel bei allen früheren Konditionen-Streitereien natürlich weiterhin lieferbar gewesen seien. Als Hybrid-Autor werde er womöglich seine nächsten Bücher auf eigene Faust veröffentlichen. Er gehe davon aus, dass Amazon auch bei der Tantiemenstaffelung im Kindle Direct Publishing-Programm (70% Autor, 30% Autor) Veränderungen vornehmen werde. „Aber selbst wenn Amazon meinen Anteil halbiert, bekomme ich immer noch doppelt so viel wie bei meinem aktuellen Hachette-Vertrag, nach dem Amazon 30% erhält, der Verlag 52,5% und der Autor 17,5%.“ Verlage müssten erkennen, dass es nicht fair sei, dass sie drei Mal so viel bekämen wie die Autoren selbst. „Ich bin sicher, dass sowohl Autoren als auch Amazon auf den 52,5%-Anteil der Verlage schauen und sich denken, dass davon mehr an sie fließen muss, aber anders als Amazon sind wir Autoren machtlos.“ Die Top-5-US-Verlage zahlten einheitlich 25% der Nettoerlöse an die Autoren aus, die müssten das entweder akzeptieren oder den Weg zum Selfpublishing einschlagen. Sullivan selbst schlägt eine Verteilung 30% Amazon, 35% Verlag und 35% Autor vor.
Sullivan will nicht nur seine Selfpublishing-Aktivitäten verstärken, sondern auch den Direktvertrieb über seine Webseite ausbauen. Mit Hachette habe er sich seinerzeit darauf geeinigt, dass er signierte Exemplare seiner Bücher auch über seine Webseite verkaufen dürfe. Bei seinem jüngsten Roman „Hollow World“ besitze er außerdem die E-Book-Rechte, weshalb er die digitalen und Print-Ausgaben über seinen eigenen Kanal verkaufen könne. Das Problem bestehe zwar weiter darin, dass die meisten Leser nicht wüssten, dass er direkt verkaufe, dies müsse sich aber ändern, um die „Disruptionen“ zu lösen, wenn Verlage und Händler sich bekämpfen. Schließlich seien die einzigen beiden zentralen Akteure im Verlags-Ökosystem die Autoren und die Leser – und diese beiden würden jedes Mal übersehen, wenn die „Titanen“ kämpften.

Kommentare

2 Kommentare zu "Kampf der Titanen"

  1. Interessanter Einwand des Autors: „Sullivan selbst schlägt eine Verteilung 30% Amazon, 35% Verlag und 35% Autor vor.“

    Der Autor soll also fürs Schreiben genausoviel Gewinn bekommen wie der Verlag, der Mitarbeiter, die Lagerkosten und den Vertrieb bezahlen muss? Von Werbung ganz zu schweigen… Halte ich für ein wenig utopisch. Aber er hat ja den Ausweg bereits selbst dargestellt: Einfach per Selfpublishing veröffentlichen.

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