Profitable Nischen im Einzelhandel finden

Der Einstieg von Paragon bei Weltbild gilt, verglichen mit Insolvenzen solchen Kalibers, als unorthodox. Gregor Enderle, seit 2010 Partner des Düsseldorfer Beratungsunternehmens OC&C Strategy Consultants, ordnet den Deal im Interview mit buchreport ein.
Profitgier und Missmanagement – täuscht der schlechte Ruf vieler Private-Equity-Unternehmen?
Es gibt sicherlich Fälle, in denen eine Investition nicht gut läuft und das dann auch in den Medien besprochen wird, es gibt aber auch genügend Fälle, in denen die betroffenen Unternehmen durchaus prosperieren. 
Ist das Weltbild-Modell, bei dem der Insolvenzverwalter mit den Gläubigern an Bord bleibt, üblich und sinnvoll?
Es ist zumindest keine vollkommen ungewöhnliche Konstruktion, dass nicht 100% übernommen werden, sondern lediglich einfache Mehrheitsbeteiligungen erfolgen. In der Regel geht es den Finanzinvestoren darum, Entscheidungen zur Geschäftspolitik durchsetzen zu können, dazu reichen auch 51%. Mittlerweile gibt es sogar Modelle, die Minderheitsbeteiligungen vorsehen.
Passt Private Equity zum Einzelhandel?
Die Konstellation ist keineswegs unüblich. Einem Investor ist es grundsätzlich natürlich lieber, in einen dynamisch wachsenden Markt einzusteigen, was so für den unter Druck geratenen Handel in Deutschland insgesamt nicht gilt. Da aber in einem so großen Feld wie dem Handel immer bestimmte Teilmärkte wie zum Beispiel der E-Commerce durchaus wachsen, ist es aus Investorensicht denkbar, in diesen Feldern anzugreifen und eine gute Position aufzubauen. Aber auch abseits des Online-Geschäfts ist es in diesem sehr großen Markt sehr wohl noch möglich, eine profitable Nische zu finden.
Der Buchhandel gilt derzeit nicht als profitabel.
Der Markt ist für den stationären Buchhandel gerade alles andere als einfach. Er hat traditionell einen Kostenapparat mit vielen Filialen. Der Absatz in den Geschäften sinkt, weil viele Bücher online bestellt werden. Hinzu kommt, dass die meisten Online-Käufer ihren stationären Buchhändlern nicht treu geblieben sind. Das heißt, der Umsatz wandert nicht nur von der stationären Fläche Richtung Internet, sondern auch an andere Händler, allen voran Amazon. So geraten die stationären Buchhändler zwangsläufig in eine Kostenschieflage. Das ist eine Situation, die den ganzen Buchhandel betrifft und mit der sich Paragon nun auseinandersetzen muss.
Finanzinvestoren verabschieden sich nach drei bis fünf Jahren. Ist so eine nachhaltige strategische Ausrichtung möglich?
Wenn wir von einem mittleren Zeithorizont von fünf Jahren ausgehen, ist dies eine erkleckliche Dauer. In diesem Zeitraum können die Investoren durchaus Weichen stellen und versuchen, das Unternehmen wertsteigernd neu auszurichten. Wie nachhaltig die gewählte Strategie ist, ist aber tatsächlich von Fall zu Fall verschieden.

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