Amazon will E-Book-Geschäft der Verlage zerstören

Der Zoff um E-Book-Tantiemen erhitzt nicht nur die Gemüter in der US-Branche. Auch hierzulande liegt eine Verlagsgruppe mit Amazon im Clinch.   
Nach einem Bericht der „FAZ“ (Ausgabe vom 16. Mai 2014) fordert Amazon von dem schwedischen Verlagskonzern Bonnier (hierzulande u.a. mit Piper, Ullstein und Carlsen unterwegs) einen höheren Anteil beim Verkauf von E-Books. Statt der üblichen 30% wolle Amazon 40 bis 50%.
Analog zum Beispiel von Hachette in den USA würden seit Anfang Mai zahlreiche Bonnier-Titel – allerdings nur aus der Backlist – mit langen Lieferfristen verkauft, obwohl die jeweiligen Titel problemlos vorrätig wären.

Literaturagent Matthias Landwehr glaubt, wie die „FAZ“ berichtet, dass Amazon auf einen Domino-Effekt hofft: Wenn Bonnier fällt, dann fallen auch die anderen Verlage, große wie kleine.“ Und warnt: „Der Streit um die Rabatte in diesem Segment ist nur vordergründig. Im Hintergrund steht das Ziel, das E-Book-Geschäft der Buchverlage zu zerstören, es allein zu betreiben und dann den Autoren die Bedingungen zu diktieren.“

Börsenverein kritisiert einmal mehr Amazon-Marktmacht

Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins, erklärte in einer Stellungnahme, dass sich jetzt bestätige, was der Börsenverein seit langem befürchte: Die wachsende Marktdominanz von Amazon stelle in wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht eine Gefahr für den Buchmarkt dar. „Faktisch ist Amazon auf dem Weg, weltweit auf dem E-Book-Markt und mittelfristig möglicherweise auch im deutschen Buchmarkt eine marktbeherrschende Stellung einzunehmen. Insbesondere im E-Book-Sektor entfaltet sich bereits jetzt die Marktmacht von Amazon gegenüber den Verlagen verheerend.“ Dadurch würden Strukturen zerstört, die Qualität und Vielfalt gewährleisteten. „Die fortgeschrittenen Anfänge erleben wir in Deutschland; und wer die Preispolitik von Amazon in den USA betrachtet, kann sehen, was auf uns zukommt.“ 

Das Beispiel zeige zudem einmal mehr, wie wichtig die Buchpreisbindung für einen funktionierenden Buchmarkt sei – weil die E-Books auf dem Kindle oder auf anderen Readern nicht billiger seien, habe sich die Tolino-Allianz in Deutschland mit ihrem Reader kurzfristig erhebliche Marktanteile verschaffen können.

Doch die Buchpreisbindung als Voraussetzung dafür, dass der E-Book-Markt „nicht komplett zum Oligopol wird“, reiche nicht aus. Es sei politisch über weitere Maßnahmen nachzudenken, z.B. die Verpflichtung von Amazon zur Öffnung der bislang proprietären Kindle-Formate für andere Händler bzw. Verlage..

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