Wir können mehr als Datenbanken

Die Schweizer Wissenschaftsverlage sind alarmiert: Der Schweizerische Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (SNF) will ab 1. Juli 2014 die Veröffentlichung von Büchern in Papierform nicht mehr zu unterstützen. Die Verlage protestieren per Petition gegen die Änderungen.
Während der SNF bislang eine große finanzielle Stütze beim Verlegen gedruckter wissenschaftlicher Bücher war, deren Auflage zu klein ist, um  die Finanzierung allein über den Verkauf sicherzustellen, will der Nationalfonds jetzt nur noch digitale Bücher fördern, die den Open-Access-Zugang ermöglichen. Die Maßnahmen in der Zusammenfassung (hier im Detail):
Ausweitung von Open Access:
Der SNF verlangt bei von ihm mitfinanzierten Buchpublikationen, dass diese nach einer Sperrfrist von längstens 24 Monaten frei zugänglich im Internet sind. Ausnahmen von der OA-Verpflichtung sieht der SNF nur „bei unüberwindbaren rechtlichen und/oder technischen Hindernissen vor“.

Ausschließliche Finanzierung  digitaler Buchveröffentlichungen:

Da eine digitale Buchveröffentlichung im Vergleich zum gedruckten Buch rascher zugänglich sei und sich stärker verbreiten lasse, beschränkt sich die Publikationsförderung des SNF künftig auf die Finanzierung digitaler Publikationen.

Vergabe von Pauschalbeiträgen:    

Der SNF will künftig Pauschalbeiträge ausschütten, mit denen die Herstellungskosten für eine digitale Version unterstützt werden sollen, zwischen 3000 Franken (wissenschaftlicher Artikel von 15 bis 20 Seiten, 6000 Franken (Dissertationen) und 20.000 Franken (angereicherte OA-Publikationen). Die Verlage kritisieren, dass die Summen gekürzt worden seien.
Und machen per Petition gegen die Änderungen mobil. Darin monieren sie, dass sie nur sehr kurzfristig informiert worden seien. Und regen an, sich zunächst am Verhandlungstisch zu treffen, bevor die Entscheidungen umgesetzt werden.
„Die Verlage sind der Ansicht, dass sich das neue Unterstützungsmodell des SNF an Publikationen in Fachzeitschriften orientiert und für Bücher nicht geeignet ist. Die Publikation eines Buches (elektronisch oder auf Papier) erfordert auch vielfältige verlegerische Arbeit: Lektorat und Korrektorat, typografische Gestaltung und Bildauswahl, damit der Buchinhalt optimal verbreitet werden kann.
Das neue Unterstützungsmodell des SNF berücksichtigt die Funktion der Verlage bei der Verbreitung von Werken in Gesellschaft und Wissenschaft nicht bzw. unzureichend“, heißt es weiter in der Petition.
Die Verbreitung der Ergebnisse von wissenschaftlichen Arbeiten open access sei nicht mit der Publikation durch einen Verlag zu vergleichen.  Denn die Rolle der Verlage bestehe im Bereich der Geistes- und Sozialwissenschaften  darin, Werke einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen, um gesellschaftliche Phänomene, soziale Prozesse und Debatten zu beleuchten bzw. anzustoßen. „Ohne diese von den Verlagen geförderte Verbreitung würden die genannten Bücher auf Datenbanken liegen, die einer breiteren Öffentlichkeit kaum bekannt sind.“ Deshalb solle die Publikation von Büchern in Papierform „auch und gerade im Interesse der Forscherinnen und Forscher“ weiterhin möglich sein.

Kommentare

1 Kommentar zu "Wir können mehr als Datenbanken"

  1. Christian Gutknecht | 9. Mai 2014 um 21:31 | Antworten

    Um welche „Schweizer Verlage“ handelt es sich denn konkret? Offenbar bevorzugen es die Urheber der Petition anonym zu bleiben!
    Ebenfalls sind einige Darstellung der Petition nicht korrekt: http://goo.gl/qAcC5S

    Open Access ist natürlich auch in den Humanities möglich:
    http://www.doabooks.org/doab?f

    Zudem: „Open Access is a saviour – not a threat – for HSS“
    https://indico.cern.ch/event/2

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