Print hat Zukunft?

Hat Print Zukunft? Diese Frage wird seit den ersten Erfolgsmeldungen digitaler Produkte und Projekte regelmäßig gestellt. Der Bundesverband Druck und Medien trommelt auf einer Webseite in eigener Sache und auffällig selbstbewusst. Und will von den vielen Pleiten der Druckereien nichts wissen.
In den zwanzig Jahren der Internet-Revolution sei der preisbereinigte Output der Druckindustrie gewachsen, behauptet der Verband – „mit den üblichen konjunkturellen Schwankungen, aber auf hohem Niveau“. Deutsche Druckereien hätten mehr als die Hälfte der internationalen Awards eingesammelt. Auch auf den hohen Novitätenausstoß der Buchbranche verweist der Verband. Weitere Belege des Verbands für die „Print wächst“-These:
  • Der Umsatz der Onlinedruckereien habe sich seit 2009 auf 2,3 Mrd Euro verdreifacht.
  • 60% der Onlinebesteller hätten vorher in einem Katalog geblättert.
  • Mehr Deutsche seien bereit, für gedruckte Informationen zu bezahlen als für Online-Infos.
  • Fast jeder zweite Deutsche plane seine Einkäufe mit Hilfe von Anzeigenblättchen.
  • 8 der 10 meistzitierten Medien seien Print-Medien (allen voran der SPIEGEL).
Woran der Verband freilich nicht erinnert: Dass nicht nur der Medienkonzern Bertelsmann mit seinen Druckereien große Probleme hat: Der Prinovis-Standort in Itzehoe, wo einst SPIEGEL, „Stern“ und Ikea– und Otto-Kataloge gedruckt wurden, ist im April 2014 geschlossen worden, 1000 Mitarbeiter sind betroffen . Dass in der Buchbranche mit der Fuldaer Verlagsanstalt, Bercker und Stürtz (inzwischen von einem Investor fortgeführt worden) gleich mehrere Pleiten aufeinander folgten. „Die Buchhersteller werden von einem Trend erfasst, der schon seit 10 bis 15 Jahren in der grafischen Industrie zu beobachten ist: Die Kapazitäten sind immer weiter ausgebaut worden“, erklärte Andreas Selling, Geschäftsführer bei der auf kleine und mittlere Auflagen spezialisierten Buchdruckerei Hubert & Co. aus Göttingen, im Gespräch mit buchreport. „Aber der Kuchen, um den immer heftiger gerungen wird, schrumpft kontinuierlich, weil das Medium Print im Zuge der Digitalisierung an Bedeutung verloren hat.“

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