Geschlossene Gesellschaft an der Spitze

Verlage wie Droemer, Carlsen, Egmont und zuletzt Rowohlt verstärken ihre Aktivitäten im Bereich Selfpublishing (s. dazu auch den Aufmacherartikel im buchreport.express 18/2014). Und Sie tun auch gut daran, wie kürzlich ein Blick auf die Kindle-Bestsellerliste zeigte. Am 2. Mai 2014 stammten die 20 meistverkauften E-Books bei Amazon erstmals ausschließlich von Selfpublishern und dem Amazon Verlag, wie der Blog selfpublisherbibel.de (der systematisch die Kindle-Top-1000 analysiert) meldet.
Im Detail: 17 E-Book-Titel seien von deutschen Selfpublishern, 3 von Amazon Crossing, der erste Verlagstitel komme auf Platz 22.
Auch aktuell, am 4. Mai 2014, regieren die Selfpublisher in der Bestsellerliste: Unter den Top-10 ist nur ein Verlagstitel, „Nicht die Bohne!“ von Kristina Steffan (Diana Verlag) auf Platz 10. An der Spitze mit (laut Selfpublisherbibel) etwa 1000 Verkäufen pro Tag: „Honigtot“ von Hanni Münzer.
Selfpublisher verrät Erfolgsrezept in der „FAZ“

Einen der erfolgreichen Selfpublisher, der von seinem stärksten Titel fast 30.000 Exemplare verkauft habe, porträtiert die „FAZ“: Michael Meisheit, der unter dem Pseudonym Vanessa Mansini sogar Dan BrownsInferno“ von der Kindle-Bestsellerliste verdrängte. Meisheits Erfolgsrezepte: 

  • Ein wohlklingender Frauenname als Pseudonym, 
  • ein Buch (Liebestagebuch, „Nicht von dieser Welt“), das „gezielt ausgerichtet auf den Kindle-Markt“ sei,
  • viel Erfahrung als Autor (17 Jahre Erfahrung als Journalist und Drehbuchschreiber), 
  • gezielter Ausbau der Anhängerschaft (per Blog und Mailing-Liste),
  • Experimente bei der Vermarktung (Serialisierung, Preisaktionen).

Herr Münzers Seelenfisch

Meisheits Selfpublishing-Kollegin Hanni Münzer – aktuell, wie geschrieben, auf Platz 1 der Kindle-Charts –  erklärte im vergangenen Jahr in einem Interview mit e-book-news.de auf die Frage, ob sie ein klassischer Verlag locken könne:

„Die größere Verbreitung ist das Argument schlechthin. Jeder Autor will gelesen werden. Als Selfpublisher schöpft man bei Amazon höchstens 10-15% der Möglichkeiten ab. Der Rest ist immer noch Holzbuch. Aber zur Qualität habe ich eine feine Anekdote. Als ich 2002 die ,Seelenfischer’ zum ersten Mal Verlagen angeboten habe, tendierte die Resonanz fast zu null. Zwei Antworten verdienen Erwähnung: In dem einen Anschreiben wurde ich mit Herr Münzer angeredet. O.k., kann ja mal passieren, aber im Betreff stand: Ihr Buch ,Der Seelenfisch’. Fisch! Also, das hat mir dann schon gestunken … Dem zweiten Rückschreiben lag ein tolles Exposé bei. Leider war es nicht meines. ,Der verlorene Bruder.’ Ich habe es dann mit einer kurzen Erklärung zurück an den Verlag gesandt. Prompt, drei Monate später, kam es wieder zurück: ,Leider passt Ihr Buch nicht in unser Verlagsprogramm …’ Doppelte Ablehnung. Armer Bruder. Falls der Verfasser von ,Der verlorene Bruder’ dies liest, weiß er jetzt immerhin, was 2002 aus seinem Exposé geworden ist. Der Bruder ging verloren …“

Mehr zum Thema Selfpublishing in unserem Dossier

Kommentare

1 Kommentar zu "Geschlossene Gesellschaft an der Spitze"

  1. Die Überschrift „… ohne Verlagstitel“ ist irreführend. Im Abschnitt darunter wird erwähnt, dass zum gegebenen Zeitpunkt drei Titel von AmazonCrossing unter den Top 20 waren. Das ist auch ein Verlag, und zwar offensichtlich einer, der viele Bücher verkauft. Oder?

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