Murdoch auf Liebesmission

„Heiße Wachstumsfantasien“, „Sex sold“ – die Schlagzeilen sind programmiert bei einem der größten Verlags-Deals der vergangenen Jahre: HarperCollins-Mutter  News Corp, der Medienkonzern von Rupert Murdoch, übernimmt den kanadischen Romance-Verlag Harlequin. Die von den Kartellwächtern noch zu prüfende Übernahme hat auch Auswirkungen auf den deutschen Buchmarkt.

Der langjährige Eigentümer, Torstar Corp., erhält von News Corp 455 Mio Kanadische Dollar (rund 300 Mio Euro) in Cash, ein Teil der Summe soll für die Tilgung von Schulden eingesetzt werden. Torstar hatte 1975 die Mehrheit an Harlequin, Weltmarktführer im Bereich Romance, übernommen und den Verlag 1981 komplett geschluckt. Torstar-CEO David Holland erklärt in einer Pressemitteilung, dass News Corp-Tochter HarperCollins die Übernahme vorgeschlagen habe, dies sei eine „gute Gelegenheit“ sei, einen exzellenten Preis für Harlequin zu erhalten.
HarperCollins-Chef Brian Murray freut sich darüber, mit Harlequin gleich in elf neuen Ländern Fuß fassen zu können, mehrere Dutzend weiterer Ländern sollen künftig angesteuert werden. Robert Thomson, CEO von News Corp., will gerade in die Wachstumsmärkte mit Harlequin vorstoßen.  
Harlequin veröffentlicht rund 1300 Autoren und über 110 Titel pro Monat, in 34 Sprachen und über 100 internationalen Märkten auf sechs Kontinenten. 40% der Harlequin-Erlöse stammen aus dem Geschäft mit nicht-englischen Titeln – während HarperCollins 99% seiner Titel auf Englisch herausbringt.
Hierzulande ist Harlequin mit dem Verlag Cora aktiv, einem früheren Joint-Venture mit dem Axel Springer-Verlag, das 2010 von Harlequin komplett übernommen wurde.
Der vielleicht weltgrößte Anbieter von so genannter Frauenliteratur hat sich bei der Eroberung digitaler Geschäftsfelder einen exzellenten Ruf erarbeitet. Fast ein Viertel des Umsatzes macht Harlequin mit elektronischen Büchern. 
Im vergangenen Jahr schrumpften die Erlöse von Harlequin allerdings um 6,7% auf 397 Mio Kanadische Dollar (umgerechnet rund 262 Mio Euro). Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen sank um 27% auf 56 Mio Kanadische Dollar. 
Harlequin verlor sowohl in Nordamerika als auch jenseits des Heimatkontinents Umsatz. Als Begründung verwies das Unternehmen auf die abgeschwächte Dynamik des Digitalgeschäfts in Nordamerika, im Speziellen den wachsenden Preiswettbewerb u.a. durch die Angebote von Selfpublishern. International habe das Digitalgeschäft nicht die Rückgänge im Print-Geschäft ausgleichen können. Für 2014 rechnet das Unternehmen mit stabilen Erlösen.

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