Eilige Deutsche, ängstliche Schweizer

Wer hat sich nicht schon einmal gefragt, was das Land, in dem man lebt, über die eigenen Lesegewohnheiten und Vorlieben aussagt? Die Online-Bibliothek Scribd hat einen Blick auf das Leseverhalten ihrer internationalen Community geworfen und einige interessante Fakten zusammengetragen.
Besonders eilig haben es demnach die Europäer. Niederländer, Spanier und Schweden belegen bei der durchschnittlichen Lesegeschwindigkeit die Plätze zwei bis vier. Platz eins? – Natürlich die eiligen Deutschen. Dafür nehmen wir es mit der Gründlichkeit nicht so genau. Dort liegen die Kanadier auf Rang eins, auch bei jamaikanischen Lesern ist es wahrscheinlicher, dass sie ein Buch bis zum bitteren Ende durchlesen.
Im Vereinigten Königreich ist laut Scribd „The Story of Sushi“ das beliebteste Buch auf Scribd – ohne dass die Engländer zuvor durch eine sonderliche Affinität zur traditionellen japanischen Küche aufgefallen wären, aber vielleicht möchten sie gerade das ändern. 
In der Schweiz liegt „State of Fear“ („Welt in Angst“) hoch im Kurs, wobei keine Informationen darüber vorliegen, ob das Buch auch schon vor Per Steinbrücks Warnung, die „Kavallerie ausreiten zu lassen“, ein Bestseller war.
Klar gegen jedes Klischee sprechen hingegen die beliebtesten Genres. So gilt bei den oft als Kulturbanausen verschrienen US-Amerikanern „Kunst und Musik“ als beliebtestes Genre. Die vermeintlich rassigen Spanier interessieren sich hingegen nicht für „romantische Literatur“ – das tun die Leser in Uruguay –, sondern für „Business“-Wälzer. Vielleicht war zuvor der aktuelle indonesische Bestseller auch in Spanien der Hit: „The Power of Now“, diese „Kraft des Jetzt“ hat man sich zu Herzen genommen, und zurzeit ist nunmal Wirtschaftskrise.

Kommentare

1 Kommentar zu "Eilige Deutsche, ängstliche Schweizer"

  1. Über das Leseverhalten sind in diesem Bericht verschiedene Fakten zusammengetragen.
    Es ist aber sicher auch so, dass in einer Familie, wo die Generation der Eltern und Großeltern schon Bücher gelesen hat, auch die Kinder zu Bücher greifen werden.
    Und E-Books und andere Medien müssen nicht das Gelbe vom Ei sein.
    Man sollte auch einmal aufräumen mit diesen Klischeebildern, die auf das Lesen einwirken oder es negativ beeinflussen können.
    Das letze Wort im Beitrag ,Eilige Deutsche, ängstliche Schweizer` heißt ,Wirtschaftskrise`.
    Und es darf da über alles nicht hinwegtäuschen, dass sich diese Krise auch im Handel und auch in der Buchbranche bemerkbar macht.
    Diverse Vergleiche über das Leseverhalten können auch Zahlen beschönigen oder hervorheben. Es sind doch aber auch die gesamten Zusammenhänge zu sehen. Und manche Leser/innen warten eben auch darauf bis von einer gebundenen Ausgabe eines Buches die billigere Taschenbuchausgabe erscheint.
    In diesem Leseverhalten sind zudem auch die vielen Bibliotheken zu sehen, die sehr gute Ausleihzahlen und einen großen Benutzerkreis ausweisen.
    Nur sollte man nicht nur die angeführten Fakten in diesem Bericht über das Leseverhalten zu streng sehen, sondern es sind immer auch die großen Anstrengungen einzubeziehen, die gerade in erster Linie auf die Leser/innen überzeugend wirken, sich weiterhin Bücher auszuleihen oder Bücher in den Buchhandlungen zu erwerben.
    Eine Art von Lesemüdigkeit ist also nicht vorhanden, sondern es ist immer die Bereitschaft der Leser/innen da, sich neu auf Bücher in Bibliotheken und Buchhandlungen einzulassen.
    Also E-Books, Digitalisierung und andere Medien weiten sich zwar mehr aus, doch das Buch bleibt auch in seiner haptischen Form (in den Händen halten) auf dem Markt der Kommunikation und Information.
    Das Buch ist also als ein Bindeglied in der Vermittlung von Wissen sichtbar vorhanden. Und besonders die Bibliotheken und die Buchbranche setzen sich für das Medium Buch in hervorragender Weise ein.
    Es wäre fatal, das Leseverhalten nur ausschließlich an diversen Fakten und Zahlen in Ländervergleichen festmachen zu wollen.
    Das Spektrum Lesen ist viel mehr als Vergleiche von Land zu Land. Vielmehr wird im Kauf und in der Benutzung von Büchern auch die Kultur eines Landes deutlich.
    Nach wie vor sind deshalb auch Schulen aufgerufen, sich für das Lesen und den Umgang mit dem Buch für junge Menschen stark zu machen. Außerdem sollte die Kulturhoheit der Länder positiv auf den jeweiligen Buchhandel einwirken und besonders sollte die Preisbindung für Bücher erhalten bleiben.
    H. Kraft

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