Ausgeprägter Gestaltungswille

Niemand hat Campus als farblos bezeichnet. Aber so bunt und eigenwillig, wie der auf Wirtschafts- und Gesellschaftsthemen spezialisierte Fach- und Sachbuchverlag in letzter Zeit daherkommt, wirkt die Programmvergangenheit dann doch recht graublau-dezent. Beispiele:

  • Das im Februar erschienene Buch über den Wiederaufstieg von Lego („Das Imperium der Steine“), im amerikanischen Original beim Random House-Imprint Crown als unauffälliges Wirtschaftsbuch aufgelegt, hat Campus von der Frankfurter Agentur Hauser Lacour als roten Legostein formen und auch die Grafiken im Innenteil mit Spielsteinen gestalten lassen.
  • Das neue Managementbuch von Fredmund Malik („Wenn Grenzen keine sind“) unterscheidet mit Fotooptik auf Leinen und einem stilisierten Bergsteigerseil auf dem Buchrücken entschieden von den Malik-Vorläufern im silbergrauen Fachbuchlook.
  • Das Denkanstoßbuch „Work is not a Job“, von Autorin Catharina Bruns als gelernter Gestalterin durchgehend zweifarbig angelegt, hat der Verlag in mehreren Schmuckfarben produzieren lassen.
Fürs Herbstprogramm soll ein BacklistFachbuch in ein magazingeprägtes Buchformat überführt werden, bei dem auch der durchgeschriebene Text aufgebrochen wird.
Kreativitätsschub mit System
Als Initialzündung für die Experimentierfreude hat der amerikanische Lizenztitel „Business Model Generation“ (im Original bei Wiley) mit seinem spielerisch-visuellen Ansatz gewirkt, erinnert sich Campus-Werbeleiter Steve Mancini, der aus der Mediengestaltung kommt und den Kreativitätsschub des Verlags steuert. Der Ansatz ist aber, wie sich das für einen Wirtschaftsfachverlag gehört, auch systematisch fundiert durch grundlegende Marktbetrachtungen und strategische Überlegungen.
Der Frankfurter Verlag hat sich vor drei Jahren, unterstützt von Berater Andreas Meyer (Verlagsconsult), intensiv mit seinen Zielgruppen beschäftigt, aber auch mit den Veränderungen im medialen Umfeld und im Handel. Entsprechend breit begründen Mancini und Buchhandels-Verkaufsleiter Silvio Mohr-Schaaff den frischen und farbenfroheren Auftritt ihrer Wirtschaftstitel:
  • Die inspiriertere Presse: Wirtschafts?themen werden in anderen Medien „intelligent popularisiert und visualisiert“, die Wirtschaftsteile von „FAZ“ und „SZ“ versuchten Leser weit über das übliche Wirtschaftsklientel hinaus zu erreichen. Mancini weist auf die Magazine „Brandeins“ und „Business Punk“: „So unterhaltsam kann Wirtschaft sein.“
  • Die veränderte Mediensozialisation der Fachzielgruppe: Junge Führungskräfte Mitte 30 seien aus den Hochschulen vor allem Skripte gewohnt und fänden so nicht recht den Sprung zu den allzu gediegenen Businessfachbüchern, die Campus über Jahre klassisch in silbergraue Umschläge gepackt hat: Der Auftritt sollte mithin leichter sein.
  • Das breitere Interesse für Wirtschaftsthemen: Dass Wirtschaft in fast allen Bereichen der Gesellschaft eine zentrale Rolle spielt, dämmert zwar auch Menschen ohne betriebs- und volkswirtschaftlichen Hintergrund, die aber kaum auf die Idee kommen, zu einem klassischen Wirtschaftsbuch zu greifen, mag es auch noch so brillant geschrieben sein. Hier kann die Inszenierung türöffnend wirken.
  • Der fachbuch-fremdelnde Buchhandel: Allgemeinsortimente haben ihre Fachbuchabteilungen in den vergangenen Jahren immer kleiner gefahren, weil Umsätze zurückgingen, aber auch „weil viele Buchhändler keine rechte Affinität zu den Themen entwickeln und sich deshalb auch vor Kundennachfragen fürchteten“, weiß Verkaufsleiter Mohr-Schaaff auch aus eigener Buchhändler-Erfahrung: Die populärere Verpackung soll so auch beim Handel die Schwellenangst reduzieren.
  • Die einzufangenden Autoren: Die gestalterischen Signale gelten schließlich den Autoren, die gar nicht erst auf Selbstvermarktungsideen kommen sollen. Der Verlag akzentuiert seine Rolle, indem er sich als Marketingdienstleister positioniert, der Inhalte attraktiv verpackt und damit Mehrwert schafft.
Das alles kostet. Die Designagentur, die Hand ans Lego-Buch gelegt hat, sei schon sehr teuer gewesen, sagt Mancini. Anderes sei dagegen vergleichsweise günstig. Und: Es zahle sich aus.

Vertriebsmann Mohr-Schaaf, der lange an der schwindenden Akzeptanz und der ausgemachten Fachbuch-Ängstlichkeit des Handels litt, behauptet heute, dass das neue Konzept im Handel wirke und Türen öffne. Die Sortimenterkollegen entdeckten in der explizit gestalteten und auf Haptik getrimmten Aufmachung die Chance des stationären Handels und präsentierten die Titel anders als bei den klassischen Reihen offensiver, frontaler und auch nicht nur in der Wirtschaftsecke. Auch müsse der Campus-Außendienst weniger Diskussionen führen, ob die Bücher nicht zu teuer seien. 

Das Glück komplettiert aktuell der Filialist Thalia, der Fremdwerbemittel in der Regel ablehnt, aber jetzt 20?000 Exemplare des Campus-Kundenmagazins „Change“ ab?nimmt; der größte Teil der 200?000er Auflage wurde mit der April-Ausgabe des „manager magazin“ gestreut.

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