Ist Amazon eine Bedrohung für Verlage?

Spätestens seit Amazon seine Verlagsaktivitäten in Deutschland gestartet hat, steht die Frage im Raum, wie die Verlage sich gegenüber dem mächtigen Online-Riesen positionieren. Peter Graf, neuer Programmleiter beim Aufbau-Verlag Metrolit, fürchtet die neue Konkurrent aus Seattle zwar nicht. Dennoch könnten die traditionellen Buchverlage viel von Amazon lernen.
Gerade durch die Möglichkeit, Kunden- und Verkaufsdaten genau analysieren zu können, sei ein großer Vorteil für Amazon gegenüber den traditionellen Verlagen, die nur auf die eigenen Verkaufszahlen zugreifen könnten und für die Konkurrenzanalyse auf die Informationen der Händler und Barsortimente angewiesen sind. 
Ein großer Wettbewerbsvorteil für Amazon Publishing sei die Möglichkeit, die eigenen Bücher im Online-Shop ins Rampenlicht zu rücken, während insbesondere die Bücher kleinerer Verlage oft unsichtbar blieben. Als Bedrohung für Verlage sieht Graf den neuen Konkurrenten aber nicht, zumal sich die Verlage auch untereinander intensiv austauschen könnten. 
Wie Metrolit seine Bücher in Szene setzt und warum eine starke Marke für einen Verlag „Segen und Fluch zugleich“ ist, erklärt Graf im Video-Interview mit buchreport-Redakteurin Lucy Mindnich.

Kommentare

1 Kommentar zu "Ist Amazon eine Bedrohung für Verlage?"

  1. Buchbetreuerin Dr. Klug | 29. April 2014 um 15:31 | Antworten

    In der Tat: der Datenvorteil von Amazon! Die klassischen Verlage haben sich früher niemals um ihre Leser gekümmert, die haben sie dem Handel überlassen (der aber auch weder Daten noch Kunden/Leser gepflegt hat). So kommt es, dass z.B. Amazon aufgrund seiner riesigen Datenmenge mühelos Marktumfragen oder Datenanalysen machen könnte, was Leser bevorzugt lesen möchten, und darauf z.B. seine Neuerscheinungen abstimmen könnte. Verlage können das bisher nicht. Sie versuchen gerade mühsam, sich eine solche Basis über Internet-Plattformen wie Neobooks aufzubauen.
    Seine Kunden und ihre Wünsche und Bedürfnisse zu kennen, hat riesige Vorteile: Man kann das eigene Angebot auf die Nachfrage abstimmen und daher seine Produkte viel besser verkaufen. Das vermeidet Flops und verhilft generell zu besseren Abverkäufen. In anderen Branchen ist es längst selbstverständlich, Produkte auf Kundenbedürfnisse abzustimmen – und die Buchbranche scheint das erst mühsam über den Mega-Konkurrenten Amazon lernen zu müssen.
    Für die Zukunft ist das wichtig. Wenn Verlage nicht noch mehr in die Amazon-Abhängigkeit hereinrutschen wollen, müssen sie unbedingt mehr über ihre Leser/Käufer und deren Wünsche in Erfahrung bringen. Dann müssen Entscheidungen über die Annahme oder Ablehnung von Buchprojekten nicht mehr „aus dem Bauch“ des Lektors getroffen werden. In Anbetracht unseres überquillenden Buchmarktes (ca. 2-3 Mio. Titel sind erhältlich, Neuerscheinungen und Backlists zusammengerechnet) ist es nötig, gezielter und kundenorientierter zu publizieren, um vorhandenes Verlagskapital sinnvoll zu investieren und mehr Käufer pro Titel zu bekommen, anstatt den Ramschhandel mit unverkäuflichen Überproduktionen zu füttern.

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