Monatspass

E-Book-Geschäftsmodelle gefährdet

© Stadtbibliothek Erlangen

Der Streit um den Verleih von E-Books geht in die nächste Runde: Die Bibliotheken gehen zum Welttag des Urheberrechts (und des Buches) am 23. April in die Offensive, um für ihr „gutes Recht“ auf E-Books zu kämpfen. Der Börsenverein reagiert mit einem Positionspapier.

Mit der vom Europäischen Verband der Bibliotheksverbände EBLIDA initiierten und hierzulande vom Deutschen Bibliotheksverband (DBV) koordinierten europaweiten Kampagne wollen die Bibliotheken EU-Parlamentarier, nationale Abgeordnete und die Öffentlichkeit darauf aufmerksam machen, dass sie – anders als bei gedruckten – bei digitalen Büchern für den Verleih auf die Zustimmung des Rechteinhabers angewiesen sind. Dies laufe, so die Sicht der Bibliotheken, darauf hinaus, dass die Verlage ihren Bestand kontrollieren. Sie fordern deshalb eine Änderung im Urheberrecht, durch die sie E-Books auch ohne Zustimmung der Verlage verleihen dürfen – in Anlehnung an die Schrankenregelung für gedruckte Bücher. 
Einen ersten Höhepunkt setzt die Kampagne mit einer Pressekonferenz am 22. April, um das Thema zum Welttag in den Medien zu lancieren. Der Verband bietet Plakate, Buttons und Postkarten an sowie Musterschreiben für Abgeordnete, mit denen Bibliotheken auf das Thema aufmerksam machen können. Im Laufe des Jahres sollen weitere Aktionen folgen, auch eine Petition ist geplant.

Börsenverein: „Lizenzen statt Regulierung“

Der Verleger-Ausschuss des Börsenvereins bezieht anlässlich der Kampagne in einem Positionspapier Stellung: Die von den Bibliotheken geforderte Schrankenregelung hätte „gravierende Konsequenzen für Urheber, Verleger und die gesamte Literaturversorgung“, heißt es darin. „Wir gehen davon aus, dass dann keine nachhaltigen E-Book-Geschäftsmodelle mehr entstehen“. Man sei durchaus bereit, zu angemessenen Bedingungen Lizenzverträge über die Nutzung von E-Book- und Audiodateien mit den Bibliotheken abzuschließen. Dass das System funktioniere, zeige das breite Angebot der „Onleihe“ mit ihren rund 160.000 Titeln. Auch koste ein E-Book die Bibliotheken in der Regel meist nicht mehr als ein gedrucktes Buch.

Die Bibliothekare dagegen verweisen darauf, dass nur etwa 45% der 20 Top-Titel der SPIEGEL-Bestsellerliste als E-Book für öffentliche Bibliotheken verfügbar sei. Im Bestand fehlen u.a. die Titel der Holtzbrinck- und Bonnier-Verlage. Andere Verlage wie Carl Hanser, Klett-Cotta oder C.H. Beck sind dagegen offen und werben sogar als Testimonials für die „Onleihe“.

Eine verlagsübergreifende Lösung ist nicht in Sicht: Gespräche zwischen Börsenverein und Bibliotheksverband wurden aus kartellrechtlichen Gründen abgesagt. An dieser Stelle will auch der Verleger-Ausschuss ansetzen: Er fordert vom Gesetzgeber eine Freistellung vom Kartellrecht: Dann könnten sich beide Verbände an einen Tisch setzen, um eine branchenweite Lösung zu erarbeiten.

Mehr zum Thema im buchreport-Dossier zum E-Book-Verleih.

Kommentare

1 Kommentar zu "E-Book-Geschäftsmodelle gefährdet"

  1. Zahlreiche meiner gedruckt erschíenenen populärwissenschaftlichen Werke sind auch als E-Book im PDF-Format erhältlich. Wenn diese gegen Kopieren nicht geschützten Werke kostenlos als E-Book im PDF-Format von Bibliotheken verliehen werden, entgehen mir Einnahmen aus Verkäufen.

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