Abschied vom Poeten der Dinge

Spannung und Süßigkeiten – so präsentierte Lübbe auf der Leipziger Buchmesse das Räder-Sortiment (Foto: Lübbe).

Schon im Winter, als Bastei Lübbe den Investoren die Jahresbilanz für 2013 präsentierte, war Hartmut Räder (Foto: Olivier Favre) nicht mehr an Bord. Jetzt verabschieden die Kölner den Geschenkartikel-Unternehmer offiziell. Und suchen für die zuletzt schwächelnde Sparte neue Kollektionen und Absatzmärkte.

Als „Poeten der Dinge“, „Pionier und Innovationstreiber“ sowie „Design-Genie“ verabschiedet Bastei Lübbe den Mann in den Ruhestand, der viereinhalb Jahrzehnte in der Geschenk- und Dekorationsartikelbranche arbeitete und 24 Jahre lang seine eigene Firma Wohnzubehör leitete. 2011 verkaufte Räder seine Firma an Lübbe, wo inzwischen Geschäftsleiterin Kathrin Völker und Chefdesignerin Mari-Lisa Richter die Regie führen. Völker war u.a. Geschäftsführerin bei Fink Living und geschäftsführende Gesellschafterin bei Media Markt in Düsseldorf, Richter war u.a. für das Düsseldorfer Oliver Conrad Studio in den Bereichen Design, Konzeption und Projektmanagement tätig. Beide wurden noch von Räder eingestellt, der die Damen-Besetzung wiefolgt begründet: „Kunst und Poesie sind weiblich, und Kunst im und für den Alltag zu erschaffen und den kleinen Dingen des Lebens Poesie einzuhauchen, das ist Räder.“
Verleger Stefan Lübbe lobt Räders „unternehmerische Haltung“, die „perfekt zu meiner eigenen Einstellung passt, und nicht nur dafür schätze ich Hartmut Räder außerordentlich und bewundere ihn für seine Leistung.“ Lübbe-Vorstand Klaus Kluge will das „Räder-Konzept weiterführen und zugleich weiterentwickeln“. 
Das ist auch nötig, denn bei Lübbe lief das Räder-Geschäft zumindest im vergangenen Jahr nicht gut (s. buchreport.express 8/2014). Auf die Frage, ob der Räder-Kauf angesichts des defizitären Nonbook-Bereichs ein Fehler war, verneinte Vorstandsvorsitzender Thomas Schierack gegenüber buchreport: Zum Jahreswechsel habe man umstrukturiert, die Kollektion sei umgebaut worden, was mit höheren Kosten und Umsatzrückgang verbunden gewesen sei. Bei den Frühjahrsmessen 2014 habe man aber schon 25% über dem Vorjahr gelegen. Künftig solle das Auslandsgeschäft ausgebaut werden, dazu werde „die bisher sehr deutsche, textlastige Kollektion“ umgebaut. Hierzulande wolle Lübbe neue Märkte erschließen, z.B. Museumsshops und Möbelhäuser.

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