Passive Bereitschaft

Selfpublishing entwickelt sich zu einem Wachstumsmarkt der Buchbranche, aber die meisten Umsätze werden am stationären Handel vorbei direkt über die Online-Plattformen generiert. Der Selfpublishing-Dienstleister Tredition hat im Buchhandel umgefragt, um ein Stimmungsbild der Sortimenter herauszuarbeiten und Hemmnisse zu identifizieren. Die Ergebnisse bringt buchreport.de exklusiv vorab: 
  • Offenheit: Das Gros der 121 Sortimenter würde den Titel eines Selfpublishers ins Sortiment nehmen, wenn Inhalt und Ausstattung überzeugen. Nur 14% winken grundsätzlich ab. Ist das Selfpublishing-Programm an einen traditionellen Verlag angekoppelt, ist die Bereitschaft deutlich größer. 
  • Bestellverhalten: Kein Händler empfindet es als zu großen Aufwand, auf Nachfrage eines Kunden nach Selfpublishing-Titeln zu suchen. 
  • Nachfrage: Knapp die Hälfte berichtet, dass pro Jahr mehr als zehn Titel von Selfpublishing-Anbietern nachgefragt werden. Nur jeder vierte Buchhändler verneint jeglichen Bedarf.
  • Auswahlkriterien: Wichtigstes Argument für die Aufnahme eines Selfpublishing-Titels ins Sortiment ist sein regionaler Bezug (für 57%). Auf den Erfolg eines Titels im Internet wird dagegen seltener geschaut (15%).

Eine Selfpublishing-Plattform wie Amazon aufzuziehen, käme für die meisten Händler nicht infrage, weil es für sie nicht zum Kerngeschäft gehört und finanzielle Mittel fehlten. Zudem erscheint ihnen der Markt nicht zukunftsträchtig: 57% der Sortimenter gehen davon aus, dass Selfpublishing als Veröffentlichungsform in zehn Jahren nicht wichtig sein wird.

Auswahlkriterien im Buchhandel
Oft scheitert eine Zusammenarbeit aber am unprofessionellen Auftritt der Autoren. Auf Nachfrage von buchreport klagen Sortimenter vor allem über Rechtschreibfehler und einen schlechten Schreibstil. Zur Investition in ein Lektorat und Korrektorat wird dringend geraten. Auch die Gepflogenheiten im Buchhandel seien oft nicht bekannt, was sich bereits an zu niedrig angesetzten Rabatten zeige.

Wer aber hohe Qualität in Sprache und Ausstattung, professionelles Info- und Marketingmaterial, die Möglichkeit des Bezugs über das Barsortiment und auf Kommission sowie branchenübliche Liefermethoden bietet, hat gute Chancen, ins Sortiment aufgenommen zu werden – zumindest bei jenen Händlern, die nach der Vorschauflut der Verlage noch bereit sind, Zeit und Ressourcen in die Auswahl weiterer Bücher zu investieren.

Weitere Artikel zum Thema finden Sie im buchreport-Dossier „Selfpublishing“.

Kommentare

5 Kommentare zu "Passive Bereitschaft"

  1. Ich seh mich selber als Selfpublisher, glaube aber nicht, dass der Buchhandel mich so wahrnimmt, da meine Bücher in gedruckter Form über das Barsortiment (Libri/KNV) erhältlich sind.
    Sprich: Ich glaube in der Statistik gehen so einige Selfpublisher als Verlag durch.

    • Richtig. Wahrscheinlich haben bei der Beantwortung der Fragen viele Sortimenter nur in Richtung Belletristik oder „meine geheime Lebensbeichte“ gedacht. Im Sachbuch/Fachbuch gelten andere Regeln.

      • Auch bei Belletristik frage ich mich, woran der Buchhändler das erkennen sollte, ob es ein Selbstverleger oder ein Verlag ist, wenn die Bücher ganz normal über das Barsortiment bezogen werden?
        Im Libri-Katalog steht doch kein Stempel „Selbstpublisher“ und ich kann mich nicht vorstellen, dass der Buchhändler erstmal den Verlag recherchiert, um rauszufinden ob das nun ein SP ist oder ein Verlag, oder?

        • Der kundige Buchhändler kann aber allein schon an der ISBN erkennen, wie groß der „Verlag“ ist 😉 Und wenn kein Verlagsname auf dem Cover oder im Impressum steht, deutet das ebenfalls auf Selfpublisher hin, was ja auch nicht schlimm ist. Dafür muss man aber gar nicht lange recherchieren.

          • Klar kann man das alles recherchieren – aber wie viele Buchhändler machen das wirklich? Wenn ich in einen Laden ging und mal nach meinem eigenen Buch gefragt hab, ist das Niemand aufgefallen, im Gegenteil wurde da eher gesagt „soll laut Verlag eigentlich schon lieferbar sein“ oder ähnliches, was andeutete, dass die es für ein ganz normales Verlagsbuch hielten.

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