2020 wird jeder zweite Euro für Bücher online ausgegeben

Auch wenn der Anteil des stationären Buchhandels am Gesamtmarkt in den vergangenen fünf Jahren mit 52% weitgehend stabil geblieben ist: Mit dem Nachwachsen neuer Generationen wird der Online-Kanal seinen Marktanteil von aktuell 31% nach Ansicht der GfK deutlich ausbauen. Eine Entwicklung, für die sich der stationäre Handel rüsten muss.
Ausgehend von dem aktuellen Einkaufsverhalten der Konsumenten geht die GfK davon aus, dass der Marktanteil des Online-Handels bis 2020 deutlich steigen wird. Die aus den Daten des GfK Consumer Panels gewonnene Prognose der Marktforscher im Detail: 
  • Gehe man davon aus, dass die Konsumenten ihr aktuelles Online-Einkaufsverhalten beibehalten, steige der Umsatzanteil der Internetshops am Buchmarkt in den kommenden sechs Jahren um 8 Prozentpunkte auf insgesamt 39% („Kohorteneffekt“). 
  • Rechne man außerdem hinzu, dass sich das Einkaufsverhalten innerhalb einer Generation verändert und neue Technologien und Geräte den Online-Handel zusätzlich beflügeln, könnte 2020 jeder zweite Euro für Bücher über das Internet ausgegeben werden – zulasten des stationären Buchhandels, dessen Anteil auf 42% schrumpft.

E-Book-Markt hat sich vom Nischen- zum Massenmarkt entwickelt

Zum Online-Wachstum trägt auch der E-Book-Markt bei, der sich laut GfK bereits im vergangenen Jahr zum Massenmarkt gemausert hat:
  • Der Umsatz mit E-Books ist im Vorjahresvergleich um 60% auf 163 Mio Euro gewachsen, insgesamt wurden 22 Mio E-Books gekauft. 
  • E-Book-Käufer erwerben im Schnitt 6,4 digitale Bücher im Jahr (2012: 5,5) und zahlen pro Titel durchschnittlich 7,58 Euro (2012: 7,72 Euro). 
  • Der Großteil der E-Book-Käufer (68%) kauft weiterhin gedruckte Bücher, fast ein Drittel liest ausschließlich digital. 
  • Die wachsende Nachfrage erklärt sich u.a. durch die steigende Ausstattung mit E-Readern: Laut GfK besitzen inzwischen rund 9% der Deutschen ein digitales Lesegerät, davon 43% einen Amazon Kindle, gefolgt vom Tolino (12%), dem Sony Reader und den Trekstor-Geräten (je 11%). 
Dass die Zahl der E-Book-Käufer mit 5% wesentlich geringer ist als die der E-Reader-Besitzer, lässt vermuten, dass häufig auf kostenlose oder illegale Titel zurückgegriffen wird – oder viele Lesegeräte ungenutzt blieben.
E-Book-Käufe gehen auf Kosten des Taschenbuchs
Kannibalisierungseffekte zulasten des gedruckten Buchs sind zwar ablesbar, doch wurden durch das Digitalangebot auch neue Käufer gewonnen:
  • Der Großteil der Käufer (68%) erwirbt weiterhin gedruckte Bücher, fast ein Drittel liest dagegen ausschließlich digital.
  • Von den E-Book-Käufern haben einerseits 13% dem gedruckten Buch abgeschworen, doch wurden durch das Digitalangebot fast ebenso viele neue Käufer (12%) gewonnen. Diese hatten vor dem Wechsel zur Digitallektüre mindestens 18 Monate lang kein Buch gekauft.
  • Die E-Book-Käufer haben ihre Ausgaben für physische Bücher um 4% auf 330 Mio Euro reduziert. Eine Entwicklung, die primär das Taschenbuch trifft: Während die E-Book-Käufer ihre Ausgaben für Hardcover und Paperbacks um 5% gesteigert haben, haben sie für Taschenbücher nach eigenen Angaben insgesamt 13% weniger investiert. 

Kommentare

3 Kommentare zu "2020 wird jeder zweite Euro für Bücher online ausgegeben"

  1. Hauptsache, es wird gelesen !

  2. Bei allen hier aufgezeigten Trends zum E-Book geht es doch auch um die Frage: Gibt es noch einen wirklichen Bezug zum Buch, also das Buch in haptischer Form (es also in den Händen halten)?
    Oder werden die Leser und Buchkäufer immer mehr vom anderen Angebot (wie E-Books u. a.) sozusagen erdrückt und gut umworben!
    Als zweite Frage wäre: Wird der Leser/die Leserin in ihrer Meinung über die Bücher sozusagen manipuliert?
    Und muss man immer diesen neuen Trends folgen?
    Ist das Buch bald out, also überflüssig?
    Die Buchbranche muss also zu diesem ganzen Komplex Stellung beziehen, denn sonst gilt ja nur noch die Mentalität des Nachmanchens und das Tun von dem anderen Leser, der sich jetzt eben umorientiert hat.
    Muss man als Leser/Leserin diesen neuen Gegebenheiten folgen?
    Der Wandlungsprozess, der sich gerade mit einer großen Bandbreite und Schnelligkeit öffnet, ist also nicht mehr aufzuhalten.
    Es bleibt letztendlich dem Leser/der Leserin überlassen, für welche Medien die Kaufentscheidung fallen wird.
    Voraussagungen bis zum Jahr 2020 sind also abzuwarten.
    H. Kraft

  3. Die Zahl der Ebook-Käufer ist ‚mit 5% wesentlich geringer ist als die der E-Reader-Besitzer‘, schreiben Sie. Ich lese aber -> http://www.boersenblatt.net/78

    3,4 Mio Ebook-Käufern (‚Um eine Million auf 3,4 Millionen stieg 2013 die Zahl der E-Book-Käufer‘) stehen ca. 7,5 Mio. Reader-Besitzern (‚Neun Prozent aller Deutschen besitzen laut GfK einen E-Reader‘) gegenüber.

    Interessant ist die Frage, ob sich die geringe Zahl der Ebook-Käufer (= 45% der Reader-Besitzer ‚kaufen‘ Ebooks) bzw. die hohe Zahl der Ebook-Nichtkäufer unmittelbar aus der Buchpiraterie erklären lässt. Ich schätze unsere (= i. e. die der Buchpiraten) Nutzerzahl auf allerhöchstens 50.000 ein.

    Falls es einen Rest gibt, muss er sich aus dem privaten Tausch (Facebook, Stick-to-Stick etc.) herleiten lassen. Hier werden aber nicht nur illegale, sondern auch legale Titel getauscht. Wir haben es vermutlich mit einer kleinen Zahl von illegal befreitenTiteln und einer riesigen Zahl von ‚privat‘ befreiten Titeln auf den Readern zu tun.

    Bemerkenswert finde ich die Tatsache, wie wenig Interesse an der Größe dieses unbekannten Kontinents und der Verteilung seiner Landmassen vorhanden ist.

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