Wir arbeiten von den Bedürfnissen der Autoren rückwärts

Mit welcher Strategie will Amazon Publishing auf dem deutschen Buchmarkt reüssieren? Wie wählt Amazon neue Autoren aus? Und wie kommt der Onliner mit den eigenen Titeln in den Buchhandel? – Sarah Jane Gunter, verantwortlich für das Internationale Amazon Publishing Geschäft, gibt im Interview mit buchreport einen (kleinen) Einblick. 

Sie haben den deutschen Markt insbesondere durch das Übersetzen von Amazon Crossing-Titeln ins Deutsche monatelang getestet. Welchen Eindruck haben Sie gewonnen?

Sarah Jane Gunter: Wir von Amazon Publishing wollen es Lesern in aller Welt ermöglichen, neue Geschichten zu entdecken, und Autoren dabei helfen, die breite Leserschaft zu finden, die sie verdienen. Wir sind begeistert von der enthusiastischen Reaktion der deutschen Leser auf die Bücher, die wir bisher übersetzt veröffentlicht haben, und wir sind stolz, dass es sechs Titel auf Platz eins der deutschen Kindle Bestseller-Liste geschafft haben, seit wir 2012 mit der Veröffentlichung von deutschen Übersetzungen englischsprachiger Werke begonnen haben. Unsere bisherigen Resultate zeigen, dass deutsche Leser die Art von Literatur und die Genres von Belletristik wertschätzen, die wir veröffentlichen. Wir freuen uns darauf, nun auch großartige Werke, die auf Deutsch verfasst wurden, einem größeren Publikum näherzubringen. 



Wie viele Titel wollen Sie jährlich in Deutschland veröffentlichen?


Wir haben vor, dieses Jahr mehr als 200 Titel in Deutschland zu veröffentlichen, inklusive Übersetzungen und deutschsprachige Originale.

Wo ist Amazon Publishing Deutschland ansässig, München oder Luxemburg?


Unser europäisches Headquarter ist Luxemburg, und wir haben eine Redaktion in München.



Amazon Publishing ist vor allem auf Genres wie Romance oder Spannung fokussiert – wo Selfpublishing-Titel, die z.B. bei Kindle Direct Publishing herauskommen, ebenfalls stark vertreten sind. Wie geht Amazon mit dieser (internen) Konkurrenz um? 


KDP bleibt ein enormer Erfolg, und wir haben viele KDP-Autoren gesehen, die es an die Spitze der Kindle Bestseller-Listen geschafft haben. Gleichzeitig ziehen es einige Autoren vor, statt der Möglichkeit des Selbstverlages mit einem Verlag zu arbeiten, der einen kompletten Service bietet. Amazon erledigt das Lektorat, die Buchgestaltung und die redaktionelle Bearbeitung und bietet zudem umfangreiche Marketingunterstützung an. Wir denken, dass ein großes Spektrum an Veröffentlichungsmodellen koexistieren kann, von Vollservice bis Selbstverlag. Autoren werden den Weg wählen, der am besten zu ihnen passt. Viele Autoren, die über Amazon Publishing veröffentlichen, starteten über KDP.

Wo sehen Sie die Unterschiede zwischen traditionellen Verlegern und Amazon Publishing?

Bei Veröffentlichungen mit Amazon Publishing steht der Autor im Mittelpunkt. Das bedeutet, dass wir bei den Bedürfnissen der Autoren beginnen und von da an rückwärts arbeiten. Unser neues Programm wird diesen Ansatz fortsetzen und zieht dabei einen Vorteil aus Amazons großer, weltweiter Reichweite zu seinen Kunden, extrem wettbewerbsfähigen Autorenhonoraren und Zahlungsbedingungen, sowie einer Leidenschaft dazu, eng mit den Autoren zusammen zu arbeiten.

„Die Leute nahmen automatisch an, dass wir dieselbe Herangehensweise wie andere Verleger wählen würden“, sagte der Amazon Kindle-Manager Russ Grandinetti vor einigen Monaten mit Blick auf Amazon Publishing. „Die Leute haben Erwartungen, die wir für uns selbst nicht hatten“. Was sind tatsächlich Ihre Erwartungen, die von denen anderer Verleger abweichen?

Ich kann nicht für Russ sprechen, aber ich denke, dass unser Verlagsmodell, das Autoren in den Mittelpunkt stellt, zu Entscheidungen führt, die manchmal als nicht traditionell angesehen werden – wie etwa die Bezahlung von Autorenhonoraren auf monatlicher Basis oder unsere Möglichkeit, bei Bedarf sehr schnell zu veröffentlichen.

Was können andere Verleger von Amazon Publishing lernen?

Da müssten Sie sie selbst fragen! Wir bleiben darauf fokussiert, zu Gunsten unserer Autoren und Kunden innovativ zu sein und verfolgen dabei das Ziel, großartigen Geschichten eine größtmögliche Leserschaft zu ermöglichen. 

Wie wichtig ist etwa die Kundendatengewinnung für das Finden neuer Titel?

Wir werten Bücher auf verschiedene Art und Weise aus und suchen ständig nach neuen Titeln, die unseren deutschen Lesern gefallen würden.

Konkret: Wie haben Sie z.B. Emily Bold oder Oliver Pötzsch gefunden?

Wir finden großartige Autoren auf unterschiedliche Art und Weise. KDP ist eine mögliche Quelle, große Schreibtalente zu entdecken. Zudem arbeiten wir mit deutschen Agenten und mit Autoren direkt zusammen.

In den USA arbeitet Amazon Publishing mit traditionellen Verlegern zusammen, um Ihre Bücher auch in Buchläden anzubieten. Ist das auch ein Modell für den deutschen und europäischen Markt?
Wir planen, dieselbe Herangehensweise zu wählen, die wir auch in den USA und anderen Märkten eingesetzt haben, um Printfassungen unserer Titel für jeden verfügbar zu machen, der sie sich wünscht.

Kommentare

1 Kommentar zu "Wir arbeiten von den Bedürfnissen der Autoren rückwärts"

  1. Ralph Moellers | 21. März 2014 um 22:01 | Antworten

    Ja, toll, dass wir hier mal so offen unter Kollegen reden können. Diese Konzerngeschöpfe sind einfach schreckliche Phrasenabsonderer.

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