Stationär schrumpft, digital wächst

Wie entwickelt sich Orell Füssli Thalia in der Schweiz? Die mächtige Buchhandelsallianz verliert Umsatz auf gleicher Fläche. Dennoch zeigt sich 50%-Gesellschafter Orell Füssli zufrieden, denn die Probleme in anderen Konzernsparten sind weitaus größer. CEO Michael Kunz verlässt das Unternehmen. 
Die Entwicklung der Buchsparten im Überblick:
Für die eigene Buchhandelssparte weist Orell Füssli einen Umsatz von 109,5 Mio Franken aus, das sind umgerechnet rund 88,9 Mio Euro. Der Umsatz von Orell Füssli Thalia fällt jedoch doppelt so hoch aus (Orell Füssli hält 50% am Joint Venture und weist die Zahlen für das Gemeinschaftsunternehmen quotenkonsolidiert aus, d.h.: Umsatz und Erträge werden lediglich nach dem Beteiligungsprozentsatz, also 50%, in den Konzernabschluss einbezogen). Demnach verbucht Orell Füssli Thalia für 2013 einen Umsatz von 219 Mio Franken (178 Mio Euro). Laut Orell Füssli lag der Umsatz auf Vorjahresniveau.
Das Betriebsergebnis (EBIT) sank von 3,7 auf 3,3 Mio Franken (2,7 Mio Euro), nicht enthalten sind Sondereffekte für Anpassungen aus dem Zusammenschluss mit Thalia (dafür sind Rückstellungen in der Höhe von insgesamt 2,8 Mio Franken gebildet worden).
Orell Füssli bezeichnet die Startphase trotz der Umsatz-Stagnation als „gelungen“:
  • Rund ein Viertel des Umsatzes werde mit den Online-Shops erzielt, der Online-Umsatz sei stabil. 
  • Im stationären Geschäft seien die Umsätze flächenbereinigt leicht gesunken. 
  • Die Nachfrage nach digitalem Lesen sei ungebrochen, die Verkaufszahlen der E-Books hätten sich im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. 
Prognose: Für das Geschäftsjahr 2013/2014 erwartet die Orell Füssli Thalia AG weiterhin rückläufige Umsätze im stationären Bereich und ein Wachstum im Digitalgeschäft über die anhaltende Nachfrage nach E-Books.
Im Buchverlagsgeschäft konnte Orell Füssli zwar den Umsatz um 6% steigern, doch unter dem Strich bleibt’s rot: Remissionen auf Lieferungen aus dem Jahr 2012, mehr Sonderpublikationen und mehr Vertriebstitel, ergo höherer Warenaufwand hätten dazu geführt, dass das angestrebte ausgeglichene Ergebnis nicht ganz erreicht worden sei.
Insgesamt läuft es nicht rund bei der Schweizer Industrie- und Handelsgruppe. Besonders die Sparte Sicherheitsdruck trübt die Bilanz für 2013. Der gesamte Orell Füssli-Konzern verlor 2013 3% Umsatz auf 272,2 Mio Franken, das EBIT sank deutlich von 3,6 Mio Franken auf –20,7 Mio Franken (OF weist Sondereffekte von 14,9 Mio Franken aus). 
Wie das Unternehmen in einer Pressemitteilung schreibt, soll ein Wechsel in der operativen Führung vorgenommen werden. Der Verwaltungsrat sucht einen erfahrenen Industriemanager als CEO. Der bisherige Chef Michael Kunz verabschiedet sich in den kommenden Monaten nach rund vier Jahren im Amt.

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