Satire oder Selbstbedienung?

Der Slam-Poet Julius Fischer hat bei Voland & Quist einen Kurzgeschichtenband mit dem Titel „Die Wanderwege der Wanderhure“ veröffentlicht. Gegen diese Namensgebung zieht Droemer Knaur jetzt vor Gericht – wegen angeblicher Verletzung der Titelrechte an der Wanderhuren-Reihe vom Autorenduo Iny Lorentz
Voland & Quist beruft sich auf die Kunstfreiheit. Der „offenkundig ironische“ Titel sei der im Band enthaltenen Geschichte „Die schönsten Wanderwege der Wanderhure“ entliehen, die die aggressive Vermarktung von Bestsellern persifliert. „Natürlich war es weder unsere Intention noch die des Autors Julius Fischer, den Erfolg der Wanderhuren-Bücher auszunutzen“, so die Verlagsleiter Leif Greinus und Sebastian Wolter
Bei Droemer Knaur wollte man das Verfahren gegenüber „SPIEGEL ONLINEnicht kommentieren. Ein Verlagssprecher merkte aber an: „Wir als Verlag haben größtes Verständnis für Kunstfreiheit und Satire, um die es hier aber gar nicht geht.“ Es gebiete der Respekt vor den Leistungen der Autoren, „Auswüchsen der Selbstbedienungsmentalität einen Riegel vorzuschieben“. Da auf kollegialem Weg keine diesbezügliche Einsicht erkennbar gewesen sei, müsse nun ein Gericht entscheiden. Die mündliche Verhandlung findet am 13. März 2014 vor dem Landgericht Düsseldorf statt.
Der Rechtsstreit hat auch eine positive Seite für Voland & Quist: Nachdem u.a. literaturcafe.de, „SPIEGEL ONLINE“, die „Sächsische Zeitung“ und die „Berliner Zeitung“ über den Rechtsstreit berichtet haben, ist die Nachfrage nach dem Titel deutlich gestiegen. Nach Recherchen von literaturcafe.de ist der Amazon-Verkaufsrang von 152.409 am 24. Februar auf aktuell 343 gestiegen.

Kommentare

3 Kommentare zu "Satire oder Selbstbedienung?"

  1. Olaf Knechten | 4. März 2014 um 18:18 | Antworten

    „Die Wanderniere der Wanderhure“ wäre auch ein schöner Titel. Oder „Der Wahn der Wanderhurenverleger“ …

  2. Den Begriff Wanderhure zu schützen, wird sehr lustig. Dann soll Droemer mal die Knochen des „Erfinders“ ausgraben. Absolute Bröckelgefahr – denn der stammt aus dem Mittelalter. Aber jeder macht sie so lächerlich, wie er will.

  3. Amélie von Tharach | 25. Februar 2014 um 11:10 | Antworten

    Zitat von Droemer Knaur: „Wir als Verlag haben größtes Verständnis für Kunstfreiheit und Satire …“

    Da kann ich nur drüber lachen

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