Digitale Sachbücher müssen mehr bieten

Bücher mit Rückkanal sind in der Branche keine Unbekannten. 2010 brachten Rowohlt und Sascha Lobo die Buch-App„Strohfeuer“ auf den Markt, in der die Leser des Romans dem Autor Fragen stellen konnten – vom Experiment der Reinbeker war seither nicht mehr viel zu hören.

Der Hamburger E-Book-Spezialist Kreutzfeldt Digital hat eine Reihe in einem Buch-Genre gestartet, zu dem ein Rückkanal offenbar besser passt: Ratgeber. Mitte Februar 2014 sind die ersten vier Titel der neuen E-Book-Reihe „Business Survival Guides“ erschienen. Im Interview schildert Herausgeberin Nina Kreutzfeldt (Foto) die Hintergründe und Ziele – und erklärt, warum sich das Sachbuch im Digitalformat bislang schwer tut.

Wie sind Sie auf die Idee zur Reihe von Ratgebern mit Rückkanal gekommen?
Diese Idee geht auf mehrere Impulse zurück: Einer der Anstöße stammt aus einem Gespräch mit einer Bestseller-Autorin, die mir von der hohen Zahl an Leserzuschriften berichtete, die zu einem ihrer Print-Ratgeber kontinuierlich bei ihr eintreffen. 
Die Schwelle für einen direkten Austausch zwischen Autor und Leser ist bei E-Books deutlich niedriger ist als bei gedruckten Ratgebern. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass es eine elegante Möglichkeit für die Leser gibt, Fragen zu senden. Hierfür haben wir den Rückkanal geschaffen:  ein Online-Formular, das per Link direkt über das E-Book erreichbar ist und unkompliziert ausgefüllt werden kann. Die individuellen Antworten erhalten die Leser per E-Mail. Eine Auswahl der Fragen und Antworten wird außerdem online veröffentlicht und über eine neue Version des E-Books allen Lesern zur Verfügung gestellt.
Dass gerade im Ratgeber-Bereich der Dialog zwischen Lesern und Autoren für beide Seiten wichtig ist, hängt damit zusammen, dass viele der Autoren zugleich Berater sind, die ihr Know-how auch in anderer Form anbieten. Seit ich selbst Kunden als Business Coach in Veränderungsprozessen begleite – übrigens auch außerhalb der Verlagsbranche –, erlebe ich verstärkt, wie wichtig neben dem persönlichen Kontakt auch Veröffentlichungen sind. Der Rückkanal ist ein Zwischenschritt, über den Leser einen Autor ein Stück näher kennenlernen können. Eine kompetente Antwort auf eine kostenlose Rückfrage schafft zusätzliches Vertrauen und evtl. Appetit auf mehr. 
Wo ist der Vorteil Ihrer Lösung gegenüber einer Webseite mit Kommentarfunktion oder Social Reading, möglicherweise hinter einer Pay Wall?
Die meisten Social Reading-Lösungen werden von E-Book-Anbietern betrieben. Fragen und Antworten sind daher nur für Nutzer der jeweiligen Plattform sichtbar. Für uns als Verlag ist es jedoch wichtig, dass es genau einen Rückkanal gibt, der allen Leserinnen und Lesern offensteht. 
Wir setzen auf das „Inhaltepaket“ E-Book und das breite Netz der bekannten Online-Shops, da dies der Ort ist, an dem Kunden digitale Ratgeber suchen. Würde man stattdessen eine separate Website mit Kommentarfunktion und Payment-Lösung entwickeln, so wäre der Entwicklungs- und Marketing-Aufwand hierfür ungleich höher. Sofern man nicht über eine sehr bekannte Marke verfügt oder geschlossene Nutzergruppen ansprechen möchte, ist eine solche Insellösung aus meiner Sicht weder sinnvoll noch rentabel.
Wie viele Downloads müssen Sie verkaufen, um bei einem Verkaufspreis von 2,99 Euro und dem Aufwand für den „Rückkanal“ am Ende glücklich zu werden?
Wir wollen und werden viele „Business Survival Guides“ verkaufen, dennoch messen wir den Erfolg nicht allein in Download-Zahlen: Es ist spannend für uns zu sehen, wie der Rückkanal von den Lesern angenommen wird, welche Art von Fragen kommt und wie sich in der Folge der Inhalt entsprechend den Bedürfnissen und Interessen der Leser weiter entwickeln wird. 
Für die Autoren von Ratgebern sind neben dem Honorar immer auch die stärkere Sichtbarkeit und sich daraus ergebende zusätzliche Aufträge interessante Faktoren. Dies ist bei unserer Reihe nicht anders. Bei der Entwicklung haben wir primär eigene Ressourcen genutzt und auf eigenes Know-how zurückgreifen können – der Aufwand ist daher vertretbar. 
Das Sachbuch funktioniert als E-Book bisher mäßig, eine E-Book-Verlegerin erklärte dazu, sie habe den Vorteil, jeden Sachbuch-Leser persönlich zu kennen. Woran liegt’s?
In der Tat greifen Sachbuch-Leser heute noch eher zum gedruckten Buch. Die Vorteile des E-Books, die bei Belletristik überzeugen, greifen hier weniger. Offensichtlich müssen digitale Sachbücher mehr bieten und sich stärker von ihren Verwandten auf Papier unterscheiden. 
Genau hier wollen wir ansetzen: Bei den „Business Survival Guides“ gibt es einen zweifachen Mehrwert: im Form von kostenlosen Rückfragen und der sich daraus ergebenden dynamischen Erweiterung des Inhalts. Auch über die komprimierte Form – 10.000 bis 15.000 Wörter – und den attraktive Preis von 2,99 Euro unterscheiden sich die Titel von gedruckten Ratgebern. 
Ist die Reihe der Auftakt zu einem Kreutzfeldt-Verlag?
Ja, die ersten vier Titel sind der Auftakt: Die Reihe „Business Survival Guides“ wird laufend wachsen. Der nächste Titel erscheint bereits im März, weitere sind in Vorbereitung. Auch außerhalb der Reihe führen wir gerade sehr interessanter Gespräche mit Autoren, übrigens auch für englischsprachige Titel. 
Und auch auf einem verwandten Feld könnte es bald Nachschub geben: Die Chancen stehen gut, dass wir neben unseren Wörterbuch-Apps 2014 noch weitere Inhalte als App herausbringen.

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