Schutzzaun für die Buchbranche

In Frankreich hat die Buchbranche traditionell einen guten Draht zur Politik, weshalb das Wohl von Buchhandlungen und Verlagen regelmäßig auch Wahlkampfthema ist. Dass der deutsche Politikbetrieb verstärkt Interesse an Branchen-Themen findet, war schon bei der letzten Bundestagswahl zu sehen. Und wird jetzt bestätigt, da die Kulturministerinnen beider Länder sich für den Schutz der unter Druck geratenen Branche einsetzen.

Die Staatsministerin für Kultur und Medien Monika Grütters (re.) und Kultur- und Kommunikations-Ministerin Aurélie Filippetti (li.) haben bei einem Treffen in Paris eine gemeinsame „Erklärung über die Zukunft des Buches in Europa“ verabschiedet, in der sie sich indirekt dafür aussprechen, Amazon in die Schranken zu weisen. Gerichtet ist der Appell an die Europäische Kommission, das Europäische Parlament und den EU-Ratsvorsitz.

Der Online-Vertrieb von Büchern solle nicht durch „außereuropäische Akteure dominiert werden. Hier sind insbesondere im Bereich Körperschaftssteuern die Wettbewerbsbedingungen recht unausgewogen“, lautet der Seitenhieb gen Amazon und anderer US-amerikanischer E-Commerce-Akteure.

Grütters und Filipetti wollen angesichts der „Zunahme des Online-Verkaufs“ und der daraus resultierenden „Herausforderung für den traditionellen Buchvertrieb in unseren Ländern“ – betroffen seien besonders „Buchhandlungen, die zu den Schlüsselakteuren zur Sicherung kultureller Vielfalt gehören“ – eine breite Debatte auf europäischer Ebene initiieren, möglichst mit „allen wichtigen Akteuren der digitalen Wende und der Europäischen Union“.

Die Politikerinnen räumen ein, dass es bisher eine nur „punktuelle Vorgehensweise mit Blick auf die Buchwirtschaft“ gegeben habe.

Am Ende ihrer Erklärung wird das Kultur-Duo etwas konkreter:

  • Man wolle in europäischen Gremien dafür werben, dass eine nationale Politik zur Buchpreisbindung berechtigt sei.
  • Es solle eine Überprüfung der körperschaftsteuerlichen (Thema: Zahlt Amazon genug Steuern?) und mehrwertsteuerlichen Regelungen (Thema: Warum dürfen Amazon, Google & Co. E-Books von Luxemburg aus mit einem Mehrwertsteuer-Vorteil verkaufen?) in Europa geben, die im Bereich von Büchern zu Wettbewerbsverzerrungen führten. 
  • Beim Urheberrecht solle der Schutz der Rechte angemessen sein und die kulturelle Vielfalt umfassend berücksichtigen. 
  • Die Förderung der Interoperabilität (Thema: Warum können Amazon-E-Books nur auf Amazon-Readern gelesen werden? – es sei denn in der Kindle-App auf anderen Geräten) solle ein gemeinsames Ziel sein, damit der digitale Binnenmarkt für die Bürger Wirklichkeit werde.
Hier die Erklärung im Wortlaut:

„Gemeinsame Erklärung über die Zukunft des Buches in Europa

Gemeinsame Erklärung der Staatsministerin für Kultur und Medien der Bundesrepublik Deutschland, Monika Grütters, und der Ministerin für Kultur und Kommunikation der Republik Frankreich, Aurélie Filippetti, über die Zukunft des Buches in Europa.

Die Staatsministerin für Kultur und Medien und die Ministerin für Kultur und Kommunikation erklären folgendes:

Der Markt für digitale Bücher erfährt zurzeit eine schnelle Entwicklung. Der Online-Vertrieb von Büchern sollte jedoch nicht durch außereuropäische Akteure dominiert werden. Hier sind insbesondere im Bereich Körperschaftssteuern die Wettbewerbsbedingungen recht unausgewogen.

Zudem stellt die Zunahme des Online-Verkaufs in den vergangenen Jahren eine erhebliche Herausforderung für den traditionellen Buchvertrieb in unseren Ländern dar. Stark betroffen sind Buchhandlungen, die zu den Schlüsselakteuren zur Sicherung kultureller Vielfalt gehören.

Angesichts der bedeutenden Herausforderungen durch das E-Book wurden wichtige Überlegungen zur Zukunft des Buches durch Interessenvertreter der Branche geäußert, die so bald wie möglich im Rahmen einer breiten Debatte auf europäischer Ebene erörtert werden sollten. Ein kollektiver Austausch erscheint sinnvoll, mit dem Ziel, den Bürgerinnen und Bürgern Zugang zu einem vielfältigen und reichhaltigen Literaturangebot auch im Internet zu bieten. In einen solchen Dialog einbezogen werden sollten alle wichtigen Akteure der digitalen Wende und die Europäische Union.

Tatsächlich lässt sich heute auf europäischer Ebene beobachten, dass die eher punktuelle Vorgehensweise mit Blick auf die Buchwirtschaft nur zum Teil Lösungen für die Probleme liefert, die sich durch den Übergang zur Digitalisierung ergeben.

Es entspricht dem traditionellen europäischen Kulturverständnis, dass Bücher kein bloßes Handelsobjekt sind und die für den Buchmarkt geltenden nationalen, europäischen und internationalen Rahmenbedingungen diesem Umstand angemessen Rechnung tragen müssen.

Deutschland und Frankreich verfolgen im Buchsektor traditionell einen gemeinsamen Ansatz, so etwa bei der Buchpreisbindung oder für das Vorhaben, auf EU-Ebene darauf hinzuwirken, dass der ermäßigte Mehrwertsteuersatz auch auf digitale Veröffentlichungen (Bücher, Zeitungen und Zeitschriften) bindend Anwendung finden kann. In diesem Sinne möchten Deutschland und Frankreich die Aufmerksamkeit der europäischen Gremien auf das lenken, was bei solch einem Ansatz im Mittelpunkt stehen sollte.

Dies umfasst unter anderem die Anerkennung, dass eine nationale Politik zur Buchpreisbindung berechtigt ist, sowie eine Überprüfung der körperschaftsteuerlichen und mehrwertsteuerlichen Regelungen in Europa, die im Bereich von Büchern zu Wettbewerbsverzerrungen führen. Von großer Bedeutung ist auch ein sorgfältiges Nachdenken über die Entwicklung des Urheberrechts – unter der Voraussetzung, den Schutz der Rechte angemessen und die kulturelle Vielfalt umfassend zu berücksichtigen. Die Förderung der Interoperabilität sollte ebenfalls ein gemeinsames Ziel sein, damit der digitale Binnenmarkt für die Bürger Wirklichkeit wird.

Wir ersuchen daher die Europäische Kommission, das Europäische Parlament und den EU-Ratsvorsitz, der Bedeutung dieser kulturellen, industriellen und wirtschaftlichen Herausforderungen für das Buch im digitalen Zeitalter Rechnung zu tragen.“

Fotos: Kulturministerien Deutschland, Frankreich/Montage: buchreport

Kommentare

9 Kommentare zu "Schutzzaun für die Buchbranche"

  1. Vor 30 Jahren, vor der Einführung des Privatfernsehens, wurde die gleiche Diskussion geführt. Hier die Besitzstandswahrer in den öffentlich-rechtlichen „Anstalten“ (ein schönes Wort!), dort die Adepten des freien Warenverkehrs. Mal abgesehen davon, dass wir heute in der deutschen TV-Landschaft praktisch ein Oligopol haben, das sich den Markt aufgeteilt hat: Heute kann jeder sehen, dass das öffentlich-rechtliche Fernsehen schlechter geworden ist, weil es das private wegen Quotendrucks kopiert. Das private Fernsehen bietet 27-Mal auf allen Sendern Talkshows, Dschungelcamps und Shopping Queens. Von Vielfalt keine Spur. Alle machen das, was erfolgreich ist, keiner wagt etwas. Deswegen
    kommen die besten TV-Serien aus dem Ausland.
    Man muss die Buchpreisbindung nicht befürworten, aber beim Wegfall würde das passieren, was wir beim Fernsehen erlebt haben: Noch mehr Hausfrauenpornos, noch mehr Bohlen und Becker, noch mehr Koch-, Back-, Strick-, Yoga- und Selbstfindungsbücher. Der bisherige Handel würde bei der fortschreitenden Boulevardisierung keine schwierigere Literatur oder ein anspruchsvolles Sachbuch mit 2000er-Auflage mehr nehmen, denn die alte Mischkalkulation wäre weg.
    Aber so funktioniert Marktwirtschaft. Wenn es dafür dann noch einen Markt gibt, könnten sich ja neue Händler auf diese
    anspruchsvolle Kundschaft konzentrieren und dafür wesentlich mehr Geld verlangen, weil Literatur dann Premiumware wäre. Mal schauen, ob die vielbeschworenen Kunden das mitmachen oder auch der sich gebildet dünkende Studienrat zum Schnäppchenjäger wird…

    • „Deswegen kommen die besten TV-Serien aus dem Ausland.“ Die kommen nicht aus „dem Ausland“, die kommen aus den USA, aus dem Land des Total-Kommerz-TV. Die Macher beim Öffentlich Rechtlichen, die sich in Zwangsabgaben suhlen, und deren Sendungen den Charm von Betriebsfeiern beim Finanzamt besitzen, kriegen das im Traum nicht hin. Das Öffentlich Rechtliche Fernsehen ist der Totengräber der Fernsehkultur.. Und nebenbei: Die entscheiden mit der Herrschaft über die Talkshows mittlerweile auch diktatorisch darüber, welche Bücher im Handel eine Chance haben.

  2. Sehr geehrte Frau von Tharach,
    Bücher sind Handelsobjekte, da gebe ich Ihnen zunächst vollkommen recht. Dennoch sind sie bzw. ihr Inhalt stets auch Ausdruck von Zeitgeist und Kultur, und das gilt – ob es nun dem einen oder der anderen in den Kram passt oder nicht – auch für Bohlen u.ä. und für Kochbücher sowieso.

    Die Archivierungsfunktion gedruckter Bücher für Zeitgeist und Kultur steht heute angesichts der Digitalisierung zur Disposition, aber es gibt eben nach wie vor solche „Oldschool“-Menschen, die weiterhin gedruckte Bücher, Zeitungen, Zeitschriften etc. lesen möchten. Und ich halte es nach wie vor für wichtig und die Kernaufgabe des Buchhandels samt der Bibliotheken, auch diesen Menschen weiterhin ein vielfältiges Literaturangebot anzubieten sowie sich am kulturellen Leben vor Ort aktiv zu beteiligen. Und das wird vielerorts (schwarze Schafe gibt es immer) auch mit großem Engagement und Enthusiasmus gemacht, auch wenn es Ihnen und manch anderen vor lauter Fokus auf „Kaffeetassen und Kalender“ offensichtlich nicht auffällt.
    Aber im Sinne der Doppelfunktion (Handels- und Kulturgut) flächendeckend den Zugang zu gedruckten Büchern aufrecht zu erhalten, ist heute mehr als schwierig geworden, der Wettbewerb, der von vielen Seiten gleichzeitig kommt, ist für viele, auch engagierte Marktteilnehmer im traditionellen Buchhandel, selbst mit Preisbindung, gnadenlos. Er würde durch die Abschaffung der Preisbindung kaum angenehmer und vermutlich zum Exodus vieler Buchhandlungen führen. Das mag vielen egal sein, doch geht damit immer auch ein weiteres Stück Offline-Angebot und letztlich Vielfalt verloren, das „Sterben“ der Städte und Ortschaften würde weiter vorangetrieben. Was ja paradoxerweise oft im gleichen Atemzug mit dem Lobpreisen des Onlinehandels beklagt wird. Ohne Preisbindung würden sicher viele Bücher billiger. Man kann dies als „kundenfreundlich“ bezeichnen, aber ob das gesamtgesellschaftlich langfristig tatsächlich von Vorteil ist, wage ich zu bezweifeln.

    Immer mit dem Hammer auf die angeblich so schnarchnasige, bornierte, lobbyistische, traditionsverhaftete und was-weiß-ich-nicht-noch-alles Buchbranche als Ganzes einzuschlagen, entspricht offenbar auch dem „Amazon-Zeitgeist“. Und auch wenn Sie und andere sich vermutlich gerade in Ihrem Urteil bestätigt sehen und diese Zeilen als nostalgisches Gejammer einer zwangsläufig aussterbenden Spezies empfinden, macht mich dieses Pauschalurteil als betroffene Buchhändlerin manchmal so maßlos wütend, dass ich – bitte entschuldigen Sie die Wortwahl – Kotzen könnte.
    Ich erlebe unsere Branche und viele Akteure nämlich an vielen Stellen als sehr engagiert, die Branche hat sich, über die Jahre gesehen, vielen Wandeln gestellt und sich dabei auch selbst gewandelt. Aber gerade der Bucheinzelhandel hat nun mal ein über lange Zeit gewachsenes Geschäftsmodell mit gewachsenen Strukturen, die viel „Commitment“ mit sich bringen. Dieser „Kahn“ lässt sich nicht einfach so von heute auf morgen auf neuen Kurs bringen, von dem man zudem noch nicht einmal weiß, ob er tatsächlich langfristig der (einzig) richtige ist.
    Da haben es neue Akteure, wie z. B. Amazon, mit neuem Geschäftsmodell meist einfacher, da sie, zumindest anfänglich, ohne solche Strukturen und Verpflichtungen agieren können. Natürlich müssen sich bestehende Akteure, ob sie wollen oder nicht, an den neuen Mitbewerbern messen lassen. Das hat zweifelsohne auch Gutes, deckt verkrustete Strukturen auf und bringt „frischen Wind“, wie es im Buchhandel auch geschehen ist. Aber diese Abwertung des Buchhandels allerorten, dieses kollektive „Einschlagen“, wie ich es derzeit erlebe, halte ich
    für absolut unfair und wird dem Buchhandel meiner Meinung nach an vielen Stellen nicht gerecht. Denn ich habe überwiegend den Eindruck, die „Erneuerungs -Botschaft“ ist angekommen, die Branche bewegt sich, sie wandelt sich weiter, sucht und findet gute Lösungen. Nur das braucht Zeit und die sollte man uns „alten“ Branchen-Hasen vielleicht manchmal einfach zugestehen und nicht immer nur alle(s) schlecht reden/schreiben.

    • Amélie von Tharach | 21. Februar 2014 um 10:12 | Antworten

      Sehr geehrte Frau Jensen,

      niemand schlägt auf den Buchhandel ein, im Gegenteil. Freier Wettbewerb, ohne Beschränkungen durch gesetzliche Vorgaben hat schon immer zu schnellen
      Veränderungen und Verbesserungen geführt, und zwar aus dem Grund, überleben zu müssen.

      Niemand bestreitet, dass Bücher auch Ausdruck von Zeitgeist und Kultur sind. Auch Kaffeetassen sind Ausdruck von Zeitgeist und Kultur, und sind dennoch nicht durch den Börsenverein des deutschen Kaffeetassenhandels
      geschützt, und durch ermäßigte Steuersätze subventioniert.

      Ein aktuelles Beispiel, wie ein durch Umwelteinflüsse
      geschützter Zoo funktioniert. Es ist jetzt 9:45 Uhr. Die größte und einzige Buchhandlung hier am Ort hat noch geschlossen, aber dafür gestern die Schaufenster mit Star-Wars Figuren dekoriert. Amazon hat nicht geschlossen.

      In dem Film Pretty-Woman gibt es ein schönes Zitat (sinngemäß): „Läden sind für Kunden da, und nicht Kunden für Läden.“

      Natürlich gibt es „Oldschool“-Menschen, es gibt auch Menschen, die Schallplatten kaufen und Menschen, die Musikkassetten (das sind die kleinen Dinger mit den lustigen Bändchen, die sich immer verhakt hatten) sammeln. Nur befürchte ich, dass der Liebhaberkreis für solche Dinge immer kleiner wird.

      Sie schreiben: „auch diesen Menschen weiterhin ein vielfältiges Literaturangebot
      anzubieten sowie sich am kulturellen Leben vor Ort aktiv zu beteiligen.“

      Das ist durchaus lobenswert. Wenn sich jedoch das
      Literaturangebot auf von den Verlagsvertretern empfohlenen Bestseller, und auf klassische und vollkommen überteuerte Musik-CDS in der Krabbelkiste vor dem Laden beschränkt (die oft sogar bei Amazon günstig gekauft wurden – was übrigens kein Einzelfall ist), dann fürchte ich, dass es mit dem eingehen auf Kundenwünsche
      (die Hauptaufgabe eines Händlers oder Dienstleisters) nicht weit her ist.

      Sie schreiben: „der Wettbewerb, der von vielen Seiten
      gleichzeitig kommt, ist für viele, auch engagierte Marktteilnehmer im traditionellen Buchhandel, selbst mit Preisbindung, gnadenlos. Er würde durch die Abschaffung der Preisbindung kaum angenehmer und vermutlich zum Exodus vieler Buchhandlungen führen.“

      Ich behaupte, dass genau das Gegenteil eintrifft. Die
      Buchpreisbindung garantiert einem kleinen Markt eine extrem hohe Handelsspanne, die kaum eine andere Branche hat (Drogenhandel ausgenommen). In anderen
      Branchen wäre das ein Straftatbestand und die Kartellbehörden würden einschreiten (das war ein Scherz).

      Die Buchpreisbindung macht satt und überheblich („engagieren sich nur Buchhändler aktiv am kulturellen Leben vor Ort???“), führt zu Phantasielosigkeit („der Vertreter hat gesagt, ich soll jetzt was mit Spielsachen machen, denn Kinderbücher und Quängelware passen gut zusammen“) und ist letztendlich der Totengräber.

      Auch das oft beschworene „Sterben“ der Städte und Ortschaften durch den Wegfall der einen oder anderen Buchhandlung bezweifle ich. Eine Buchhandlung (so bedauerlich es im Einzelfall auch ist) mehr oder weniger führt nicht zum Sterben von Städten und Ortschaften. Im Gegenteil: Es werden neue, kreative Ladengeschäfte entstehen, und es wird neue Vertriebsformen für Bücher geben. Ich behaupte auch, dass durch den Wegfall der Buchpreisbindung Bücher im Allgemeinen nicht billiger, sondern schneller verkauft werden. Denn in einem
      freien Markt regeln Angebot und Nachfrage den Preis. Beispiel: „Nimm drei, zahl zwei, oder beim Kauf eines Krimis gibt es ein Kochbuch gratis, und einen Gutschein für ein Krimidinner dazu.“ Das alles und noch viel mehr ist den
      Buchhändlern verboten, weil Tante Buchpreisbindung wacht, dass es wie vor hundert Jahren weitergeht.

      Und dann zu Amazon. Ich bin keine Freundin von Amazon, aber ich kaufe dort ein, weil ich einen Service geboten bekomme, den mir kaum eine traditionelle Buchhandlung bieten kann. Nur ein Beispiel: bei Amazon kann ich
      mit Kreditkarte bezahlen. Ich kaufe oft mehr und spontan, als ich mir momentan leisten kann. Der Rechnungsbetrag auf meiner Kreditkarte wird erst nächsten Monat
      abgebucht. Und jetzt die Frage: Akzeptieren Sie in Ihrem Unternehmen (alle, auch zum Beispiel japanische) Kreditkarten. Wenn nicht, Sie Ihr Geschäft vielleicht erst um 10.00 Uhr morgens öffnen, Mittwoch Nachmittags geschlossen haben, am Abend um 18:00 Uhr schließen, und Samstags um 13:00 Uhr, dann kann ich nur sagen: „Selber schuld. Mein Mitleid hält sich in Grenzen.“

      (Falls die Formatierung hier nicht passt, dann liegt es daran, dass ich den Text mit Word geschrieben und hier rein kopiert hae)

      • Sehr geehrte Frau von Tharach,

        ich antworte mal direkt auf einige Ihrer Zitate:

        „Freier Wettbewerb, ohne Beschränkungen durch gesetzliche Vorgaben hat schon
        immer zu schnellen Veränderungen und Verbesserungen geführt, und zwar aus dem Grund, überleben zu müssen.“

        > Veränderungen ja, ob daraus aber immer und ausschließlich Verbesserungen resultieren, bezweifle ich. Was macht Sie da so sicher? Das frage ich jetzt aus aufrichtiger Neugier. <

        „Ein aktuelles Beispiel, wie ein durch Umwelteinflüsse geschützter Zoo funktioniert. Es ist jetzt 9:45 Uhr. Die größte und einzige Buchhandlung hier am Ort hat noch geschlossen, aber dafür gestern die Schaufenster mit Star-Wars Figuren dekoriert. Amazon hat nicht geschlossen.“

        > Vielleicht schlafen die Affen gerne länger, wie viele Zoobesucher und Star-Wars-Fans möglicherweise auch?

        Doch Spaß beiseite: Die Preisbindung halte ich nicht für ursächlich an diesen in der Tat späten Öffnungszeiten der Buchhandlung an Ihrem Ort. Aber vielleicht hält sie es nicht für nötig oder sinnvoll, früher zu öffnen da sie über einen gut funktionieren Online-Shop verfügt? Wobei man dann natürlich kritisch anmerken könnte, dass die Buchhandlung es versäumt hat, Sie als Frühaufsteherin für diesen Shop als Kundin zu gewinnen. Doch vermutlich finden Sie dort ohnehin nicht, was Sie suchen. Muss ja aber auch nicht. <

        „In dem Film Pretty-Woman gibt es ein schönes Zitat (sinngemäß): „Läden sind für Kunden da, und nicht Kunden für Läden.“

        > Dem Inhalt des Zitats kann ich mich im Grundsatz nur anschließen. <

        „Natürlich gibt es „Oldschool“-Menschen, es gibt auch Menschen, die Schallplatten kaufen und Menschen, die Musikkassetten (das sind die
        kleinen Dinger mit den lustigen Bändchen, die sich immer verhakt hatten) […]“

        > Den erklärenden Zusatz in Klammern nehme ich mal als Kompliment im Hinblick auf mein Alter. <

        „Wenn sich jedoch das Literaturangebot auf von den Verlagsvertretern empfohlenen Bestseller, und auf klassische und vollkommen überteuerte Musik-CDS in der Krabbelkiste vor dem Laden beschränkt (die oft sogar bei Amazon günstig gekauft wurden –
        was übrigens kein Einzelfall ist), dann fürchte ich, dass es mit dem Eingehen auf Kundenwünsche
        (die Hauptaufgabe eines Händlers oder Dienstleisters) nicht weit her ist.“

        > Sie haben es aber auch wirklich schlecht getroffen mit der Buchhandlung in Ihrem Ort. <

        Die Buchpreisbindung garantiert einem kleinen Markt eine extrem hohe Handelsspanne, die kaum
        eine andere Branche hat (Drogenhandel ausgenommen). In anderen Branchen wäre das ein Straftatbestand und die Kartellbehörden würden einschreiten (das war ein Scherz).

        > Die Buchpreisbindung ist stets im Blick der Kartellbehörden, also keine Sorge, dass sich der Zoo hier unbeaufsichtigt auf Kosten der Steuerzahler ie schönen hohen Handelsspannen einverleibt. <

        „Die Buchpreisbindung macht satt und überheblich („engagieren sich nur Buchhändler aktiv am kulturellen Leben vor Ort???“), führt zu
        Phantasielosigkeit („der Vertreter hat gesagt, ich soll jetzt was mit Spielsachen machen, denn Kinderbücher und Quängelware passen gut
        zusammen“) und ist letztendlich der Totengräber.“

        > Es gibt, wie schon gesagt, zweifelsohne schwarze Schafe in der Branche und es ist schade, wenn Ihr Blick offenbar durch diese geprägt wurde, aber ich wiederhole mich gerne: Ihr (Vor-)Urteil gilt für viele, gerade KMU-Buchhandlungen nicht, die Aufhebung der Preisbindung träfe diese aber genauso wie ihre inaktiven Kollegen. <

        „Eine Buchhandlung (so bedauerlich es im Einzelfall auch ist) mehr oder weniger führt nicht zum Sterben von Städten und Ortschaften. Im Gegenteil: Es werden neue, kreative Ladengeschäfte entstehen, und es wird neue Vertriebsformen für Bücher geben.“

        > Nein, aber die sterbende Buchhandlung ist ein Teil der Vielfalt der Stadt oder Gemeinde, die häufig allerdings ohnehin kaum mehr gegeben ist, da sich der Facheinzelhandel die Mieten oft nicht mehr leisten kann. Ein Punkt, der, zumindest zum gegenwärtigen Zeitpunkt, die Umsetzung von Ideen für neue Laden- oder ich nenne es mal lieber Raumnutzungskonzepte erschwert. Doch ich stimme Ihnen zu: Es wäre schön, wenn dem so wäre und es gibt bestimmt viele tolle, spannende Ideen jenseits des klassischen Einzelhandels. Aber das sehe ich als unabhängig von der Preisbindung bzw. die PB macht für viele kleine Buchhandlungen in Orten mit schwacher Kaufkraft solche über den reinen Handel hinaus gehende Ideen überhaupt erst möglich. <

        „Ich behaupte auch, dass durch den Wegfall der Buchpreisbindung Bücher im Allgemeinen nicht billiger, sondern schneller verkauft werden. Denn in einem freien Markt regeln Angebot und Nachfrage den Preis. Beispiel: „Nimm drei, zahl zwei, oder beim Kauf eines Krimis gibt es ein Kochbuch gratis, und
        einen Gutschein für ein Krimidinner dazu.“ Das alles und noch viel mehr ist den Buchhändlern verboten, weil Tante Buchpreisbindung wacht, dass es wie vor hundert Jahren weitergeht.“

        > Ja, aus dieser Perspektive betrachtet, bedeutet die PB eine Einschränkung. Doch das Buchhändlerleben ist kein Wunschkonzert, man muss es immer in der Gesamtheit betrachten und Vor- und Nachteile gegeneinander abwägen. Fakt ist: Fällt die PB, gibt es mit Sicherheit Gewinner, die sich dann z.B. mit solchen Angeboten wie denen in Ihren Beispielen profilieren können, aber meiner Meinung nach gäbe es auch sehr viele Verlierer, zu denen ich langfristig auch viele Leser und Kunden zählen würde. <

        „Und dann zu Amazon. Ich […] kaufe dort ein, weil ich einen Service geboten bekomme, den mir kaum eine traditionelle Buchhandlung bieten kann. Nur ein Beispiel: bei Amazon kann ich
        mit Kreditkarte bezahlen. […] Akzeptieren Sie in Ihrem Unternehmen (alle, auch zum Beispiel japanische) Kreditkarten. Wenn nicht, Sie Ihr Geschäft vielleicht erst um 10.00 Uhr morgens öffnen, Mittwoch Nachmittags geschlossen haben, am Abend um 18:00 Uhr schließen, und Samstags um 13:00 Uhr, dann kann ich nur sagen: „Selber schuld. Mein Mitleid hält sich in Grenzen.“

        > Da Sie so direkt fragen: Wir öffnen durchgängig, je nach Standort, spätestens ab 9.30, schließen frühestens um 18.30 Uhr und akzeptieren – online wie offline – alle in Deutschland und im unmittelbar benachbarten Ausland (Grenzstadt) gängigen Kreditkarten. Japanische vernachlässigen wir jedoch. Das alles disqualifiziert uns jetzt natürlich im Wettbewerb gegenüber Amazon, das sehe ich ein. <

        So, nun widme ich mich aber flugs wieder unseren preisbindungskonformen Angeboten. Nichts für ungut und einen schönen Tag,
        K. Jensen

        • Der Buchhandel hat eines noch nicht verstanden: er ist ersetzbar, das war vor 20 Jahren noch anders. Es gibt heute das Internet, damit einhergehend andere Vertriebskanäle und hier gibts es schnelle und eben träge Teilnehmer. Beim Pokern nennt man die einen Haie und die anderen Fische (stellvertretend für Futter).

          Das Resultat dieser Entwicklung ist simpel, es gibt im Moment einfach zu viele stationäre Buchhandlungen, der Markt für diese Produkte ist nunmal endlich und wenn vom gesamtem Kuchen 30-50% perspektivisch auf Online-Bestellungen verteilen, dann bleibt natürlich weniger für die Ladengeschäfte übrig. Die Vorteile des Internethandels könnt ihr nie leisten, genau wie die Vorteile umgekehrt das Internet nicht leisten kann, darum wird das auch nicht aussterben, aber deutlich reduziert werden, aber das regelt der Markt, also der Kunde, der entscheidet, wem er sein Geld gibt.

          Problematisch ist zusätzlich, dass der Buchhandel eines dank Buchpreisbindung und Lobbyismus nicht kann: KÄMPFEN….und zwar um jeden Euro und jeden Kunden, diese Waffe ist ihm genommen und nun sitzen die meisten da, wie das Karnickel vor der Schlange. Ihr seid doch alle Unternehmer….das kommt vom Wort unternehmen, zur Zeit seid ihr eher Unterlasser und Besitzstandswahrer, eine Gruppe, die hofft, dass der Gesetzgeber schon alles richten wird, aber selber schaut ihr nicht über den Tellerrand.

          Aber selbst wenn das alles nicht wäre, dann gäbe es trotzdem zuviel Verkaufsstellen für Bücher, selbst große Lebensmittler führen hier und da ein Bestseller-Regal, Tankstellen, Kioske, etc. schneiden stückchenweise mit vom großen Kuchen. Es wird eine heftige Bereinigung geben müssen, damit die „Haie“ unter den stationären Händlern gut leben, verkaufen, handeln, unternehmen und dem Kunden zur Verfügung stehen können, das ist ganz normal. Und das klappt ganz sicher auch ganz prima ohne antiquierte Buchpreisbindung, aber das ist nur ein Baustein.

          Hört BITTE auf euch über andere, vornehmlich Amazon, aufzuregen. Die nutzen als globaler Player die Gesetzgebung, die es in der EU nun einmal erlaubt so zu handeln, wie sie eben handeln. Das ist nicht illegal, moralisch bedenklich? Vielleicht…aber ist hier nicht das Thema. Ihr macht grade andere dafür verantwortlich, dass ihr jahrelang tief und fest geschlafen habt, während Amazon eure Kunden beackert hat….und das erstklassik in Bezug auf Service, Zuverlässigkeit und auch Preis. Bedenkt bitte: der Amazon-Buchkunde von heute ist der TV-Käufer von morgen. Das ist keine Mär, das ist Tatsache, seh ich an mir selbst. Rasenmäher Bosch, örtlicher Baumarkt 189€, Amazon 99€, Samsung 40 Zoll-TV Media/Saturn 699€ (Werbung), Amazon 429€, net bös sein….ich schaue IMMER auch bei Amazon, was wieviel kosten kann 🙂

  3. „alle wichtigen Akteure der digitalen Wende“ dürften schwer zum „Dialog“ zu bringen sein, da einige der wichtigsten anonym in der Illegalität operieren: Piraten. Oft genug haben die noch nicht mal eine Email-Adresse.

  4. Amélie von Tharach | 20. Februar 2014 um 11:14 | Antworten

    Ich lese in dem vorstehenden Text: „Es entspricht dem traditionellen europäischen Kulturverständnis, dass Bücher kein bloßes Handelsobjekt sind…“ Welch erhabene Worte. Kochbücher und Bohlen und Co.-Biografien müssen geschützt werden, weil eine ganze Branche den Amazonen-Zeitgeist verpennt hat. Ich empfehle, die Auslagen einer beliebigen Buchhandlung anzusehen, dann weiß man, wie und wo (zwischen Kaffeetassen und Kalendern) das arg gebeutelte Kulturverständnis angesiedelt ist.

    Ich frage mich, welche tränendrüsendrückende Lobby da wieder Einfluss nimmt, damit der Zoo der Eitelkeiten mit wettbewerbswidrigen und den freien Wettbewerb behindernden Schutzmechanismen (Buchpreisbindung), und dazu einem ermäßigten Steuersatz (7%) auch weiterhin gehätschelt und getätschelt wird, damit der Tiefschlaf auch zukünftig anhält, und die Gewinne der Verlage auch weiterhin sprudeln, damit Villen gekauft und Sportwagen vor den Bürogebäuden protzen können. Wer heute noch behauptet, dass Bücher keine bloßen Handelsobjekte sind, lebt im letzten Jahrhundert und hat noch nie einen Bestseller vom Vorjahr gelesen, der jetzt als Mängelexemplar (welch eine Heuchelei) verschleudert wird.

    Bücher sind Produkte und Handelsobjekte und müssen auch so verkauft werden. Und die Buchpreisbindung schadet der Branche mehr als sie nützt. Sie blockiert das unternehmerische Tun, und ermäßigte Steuersätze kosten den Steuerzahler Milliarden.

    • Den Zeitgeist verpenne ich leider auch oft (ich bin einfach nicht schnell genug 😉 Ich will Ihnen den Glauben an den freien Wettbewerb nicht nehmen, auf dem auch ich freiberuflich tätig bin. „Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Schutzmauern und die anderen bauen Windmühlen“, sagt ein chinesisches Sprichwort. Lassen Sie uns also Windmühlen bauen. Vielleicht ernten wir aber Sturm, dann wünsche ich uns allen gute Standfestigkeit.

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