Florian Geuppert: Kurze E-Books als Antwort auf mobile Leser

Florian Geuppert: Kurze E-Books als Antwort auf mobile Leser

Die Kurzgeschichte ist zurück. Mehr noch: Sämtliche Formen kurzer Texte erfreuen sich bei Lesern stark wachsender Beliebtheit. Die Folge ist ein Trend, der zunehmend den E-Book-Markt erfasst: kompakte E-Books mit kurzen Veröffentlichungszyklen. 
Woher kommt der Trend? Kurzgeschichten und Novellen haben es bis heute sehr schwer im Print-Format. Zum einen unterliegen sie in der Produktion Beschränkungen, zum anderen passten sie lange Zeit nicht zu den Gewohnheiten und Wünschen der Leser. Kaum hatte man sich eingelesen in die Geschichte, war sie auch schon vorbei. Die Digitalisierung hebt die Grenzen auf und sorgt für ein Revival der Kurzgeschichten. E-Books überwinden produktionstechnische Hindernisse und die zunehmende Verbreitung von digitalen Lesegeräten hat eine wachsende Gruppe mobiler Leser zur Folge – mit ihren ganz eigenen Anforderungen und Wünschen.

Mobile Leser wollen kurze Geschichten
Über 37 Millionen Deutsche nutzen heute nach Zahlen von Statista ein Smartphone. 2013 besaßen laut Allensbacher Computer- und Technik-Analyse (ACTA) bereits 11 Prozent der deutschsprachigen Bevölkerung einen Tablet-Computer und 8 Prozent einen E-Reader. Beeindruckender werden die letzten beiden Zahlen, wenn man sich das Wachstum im Vergleich zum Vorjahr anschaut: plus 92 Prozent bei Tablets und plus 84 Prozent bei E-Readern.

Vor allem Pendler in Bussen und Bahnen nutzen vermehrt die digitalen Lesegeräte auf ihrem täglichen Weg zur Arbeit. Besonders beliebt sind neben aktuellen Nachrichten insbesondere Texte und Geschichten, die einen schnellen Einstieg bieten und innerhalb kurzer Zeit gelesen werden können – wie eben Kurzgeschichten, Novellen oder auch Fortsetzungsromane.

Für Autoren und Verlage sind mobile Leser eine attraktive Zielgruppe, die mit zunehmender Verbreitung von Smartphones, Tablets und E-Readern in Zukunft noch weiter anwachsen wird. Die Folge: Der Bedarf nach Geschichten für unterwegs nimmt zu.

Neue Zielgruppen auf Autorenseite
Auf Autorenseite eröffnen sich durch die kurzen E-Book-Formate neue Möglichkeiten. Während sie Newcomern zu einem einfachen Einstieg ins Schreiben verhelfen, bieten sie erfahrenen Autoren Raum für Experimente über Genre- und Gattungsgrenzen hinaus. Gleichzeitig sind sie ein geeignetes Medium für Werbeaktionen – beispielsweise bei der Entkopplung von einzelnen Buchkapiteln.

Kompakte E-Books mit schnellem Veröffentlichungsprozess sind aber nicht nur für Buchautoren attraktiv. Sie erreichen auch eine neue Zielgruppe, die heute schon ihre Leser mit kurzen Inhalten bedient und nach Möglichkeiten einer kommerziellen Verwertung sucht – Journalisten und Blogger.
So generieren Journalisten im Zuge von Recherchen viele spannende Inhalte, die aber häufig in kein richtiges Format passen und in der Schublade liegen bleiben. Auch zahlreiche Blogs erreichen mit gut geschriebenen und informativen Beiträgen eine breite Leserschaft. Doch selbst wenn das Blog von einem Hobbyprojekt zu einem Massenmedium herangewachsen ist, das mit großem Aufwand betrieben wird, erwarten die Leser weiterhin einen kostenlosen Zugang zu den Informationen.

Mit der Konvertierung von ausgewählten Beiträgen in kurze E-Books und dem anschließenden V ertrieb über E-Book-Shops ergibt sich eine neue Möglichkeit für Journalisten und Blogger, mit ihren Inhalten Geld zu verdienen. Gleichzeitig gewinnen sie mit dem neuen Vertriebskanal an Reichweite und erschließen neue Leser.

Immer mehr setzen auf kurze E-Books
In den USA und Großbritannien hat sich der Trend von E-Books für Kurzformate bereits zu einem beachtlichen Markt mit einer Vielzahl an Angeboten entwickelt. Neben verschiedenen Plattformen, die auf den Vertrieb von Kurzgeschichten spezialisiert sind, bietet mittlerweile auch die New York Times kurze E-Books an, die bisher unveröffentlichte Artikel aus verschiedenen Themenbereichen enthalten. Das Startup Read Petite von Tim Waterstone, dem Gründer der größten britischen Buchhandelskette Waterstones, plant, kurze E-Books per Flatrate zu verkaufen.
In Deutschland hingegen steht der Trend noch am Anfang. Doch immer mehr Verlage und Publishing-Dienstleister ziehen mittlerweile mit eigenen Angeboten nach. Man darf gespannt sein, welche neuen Anwendungsmöglichkeiten von kompakten E-Books sich in Zukunft noch entwickeln werden, die auf mobile Leser und Geschichten für unterwegs abzielen.

Dr. Florian Geuppert ist Geschäftsführer von BoD (Books on Demand)

Kommentare

1 Kommentar zu "Florian Geuppert: Kurze E-Books als Antwort auf mobile Leser"

  1. Helmer Pardun | 4. März 2014 um 9:03 | Antworten

    Seit 19.2. steht hier dieser erratische Blog-Beitrag – ohne einen einzigen Kommentar. Das mag neben allgemeinem Desinteresse an flacher Selbstdarstellung seine weiteren Gründe haben. Der dem Gedankengang zugrunde liegende Beitrag von Craig Mod über „Subcompact Publishing“ und weitere inzwischen zwei oder drei wissenschaftlich Artikel zum Thema Short Publishing sind zumindest in Teilen der Verlagswelt Allgemeingut geworden (http://craigmod.com/journal/subcompact_publishing/) und haben schon früh eine fundierte Aufarbeitung und Berichterstattung in der Fachpresse gefunden (http://www.buchreport.de/nachrichten/verlage/verlage_nachricht/datum/2013/03/05/schnell-kurz-und-seriell.htm).
    Gemessen daran wirkt diese Darstellung hier ziemlich abgestanden und aufgewärmt. Ein bisschen mehr Begründung für all die aufgestellten Behauptungen über Formate, Lesen und Leser hätte diesem Text gut getan. Noch scheinen Appelle an die Branche ungehört im Raum zu verhallen, wonach es für Personen und Institutionen in der Printbranche nun gelte, »handfeste Hausaufgaben markt- und unternehmensorganisatorischer Art zu erledigen, um das eigene Spielfeld weiterhin mitzugestalten und es nicht ausschließlich von Marktteilnehmern aus der Informationstechnologie- oder Telekommunikationsindustrie gestalten zu lassen.
    Praxis und Wissenschaft sind gleichermaßen gefragt, … das Defizit an wissenschaftlicher Durchdringung betriebswirtschaftlicher und in Teilen auch ökonomischer Aspekte der Printbranche zu verkleinern.« (Svenja Hagenhoff in http://www.buchwiss.uni-erlangen.de/files/jahresbericht%20der%20erlanger%20buchwissenschaft%202012.pdf)

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