Wie passen Blogger ins Buch, Herr Firnkes?

Im Juli 2013 hat der Hanser Verlag über den Blog „Hanser Update“ dazu aufgerufen, sich für eine „Gastautorenschaft“ zu bewerben: Zum neu erschienenen Buch „SEO & Social Media“ von Profi-Blogger Michael Firnkes entstand ein weiteres, kostenloses Hanser-E-Book, das im Rahmen einer Creative-Commons-Lizenz alle Teilnehmer und Interessenten frei nutzen, teilen und einbinden können (hier geht’s zum Download). Elf der über 20 eingereichten Themenvorschläge wurden im E-Book „SEO & Social Media im Einsatz“ realisiert. Die Gastautoren sind Janina Schmitt, Robert Weller, Christina Fuchs, Manuel Ziegler, Stefan Niemeyer, Nicole Huber, Hannes Schleeh, Doris Schuppe, Pia Kleine Wieskamp, Falk Hedemann und Steffen Meier.
Inwiefern ist Ihr Blogger-Buch ein „Publishing-Experiment“, wie Sie schreiben?
Insofern als es viele Fragen aufwirft, wie etwa: Kann eine Gruppe oder die Crowd gemeinsam ein strukturiertes Fachbuch erarbeiten? Eignen sich Co-Publishing-Ansätze also auch für Bücher und E-Books? Sind Autoren bereit, ihr gebündeltes Wissen kostenlos zur Verfügung zu stellen – und was versprechen sie sich davon? Oder handelt es sich gar um eine für traditionelle Autoren ungünstige Entwicklung, quasi den von kostenlosen und sehr preisgünstigen E-Books begünstigten Ausverkauf des Publizierens, da die Arbeit nicht mehr direkt honoriert wird? Aber auch: Kann sich über derlei Aktionen das Marketing für eine Fachpublikation ein Stück weit verselbstständigen, da schließlich jeder teilnehmende Autor über sein eigenes Netzwerk mit dafür sorgt, das E-Book bekannt zu machen?

Ihre Antwort? Ist das Experiment bisher aufgegangen?

In seinem kleinen Maßstab: Absolut. Ich hätte zu Beginn kaum geglaubt, dass sich so viele Blogger, Autoren und Fachexperten unterschiedlichster Ausrichtung melden, um mit dabei zu sein, denn es handelt sich um ein Nischenthema, zu dem es vor allem im SEO-Umfeld wenig wirkliche Experten gibt. Gleichzeitig hat das E-Book Menschen zusammengebracht, die sich vorher nicht kannten, die zusammen jedoch ein wertvolles Netzwerk bilden können. Ich hoffe, dass sich hierbei auch im Nachhinein viele Möglichkeiten der Zusammenarbeit ergeben.

Warum braucht der Leser eines Fachbuchs zusätzlich ein E-Book mit User-Generated Content?

Die Zielgruppen der beiden Publikationen sind unterschiedlich. Das gedruckte Buch richtet sich eher an Unternehmensverantwortliche sowie Selbstständige aller Branchen. Das E-Book wird von seiner Ausrichtung her vor allem Blogger, Webseitenbetreiber, Online-Marketing-Interessierte und auch Fachkollegen ansprechen.

Ist die Aktion eine Marketingkampagne, um den Verkauf Ihres eigenen Buchs zu befördern?

Natürlich wird es Aufmerksamkeit generieren. Doch wie erwähnt sprechen beide Ratgeber jeweils eine andere Zielgruppe an. Zudem handelt es sich um ein Fachbuch in einer sehr speziellen inhaltlichen Nische, welches dadurch sicher nicht zum Bestseller wird. Für mich stand das Experimentieren mit dieser neuen Form des Publizierens im Vordergrund. Auch habe ich – über die Beiträge der Autoren – eine neue Sichtweise auf manche Themen meines eigenen Buchs gewonnen.

Was hat der Verlag von der Publikation?

Möglicherweise werden sich aus dem E-Book neue Printbuchprojekte entwickeln, mit Autoren, die der Verlag bisher nicht kannte und umgekehrt. Meines Erachtens ist dies vielleicht der spannendste Hebel für den Verlag. Andererseits bringt das E-Book natürlich auch bei den Lesern neue Aufmerksamkeit hervor, von welcher der herausgebende Verlag profitiert. Und der neu gestartete Blog des Hanser Verlags, Hanser Update, hat mehr Zulauf bekommen, denn der ursprüngliche Aufruf zum E-Book-Projekt gehört zu den beliebtesten Beiträgen.

Das Veröffentlichen unter Creative-Commons-Lizenz wird derzeit von den Verlagen noch sehr zurückhaltend betrieben. Halten Sie diese Publikationsform für ausbaufähig?

Die Frage ist doch: Wie könnten Buchautoren ihre Werke – in die sie sehr viel Zeit investieren, was bei technischen Fachbüchern zudem ein fortlaufender Prozess ständiger Aktualisierungen ist – kostenfrei zur Verfügung stellen und dennoch von ihrem Beruf leben? Solange das nicht geklärt ist, insbesondere bei speziellen Werken mit sehr kleiner Auflage, wird die Akzeptanz von Creative-Commons-Lizenzen in diesem Umfeld überschaubar bleiben.
Die Fragen stellte Nicole Stöcker

Zur Person: Michael Firnkes

ist studierter Informatiker und seit 2010 selbstständiger Blogger, der von den Werbeeinnahmen aus seinen Blogs lebt. Er berät Unternehmen und hält Seminare zu den Themen Corporate Blog- und Content-Strategien. In seinen Büchern und auf www.blogprofis.de gibt er Tipps aus seinem Berateralltag weiter.
Foto: Christine Halina Schramm

aus: buchreport.magazin 2/2014

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