Miteinander wird aufgekündigt

Es ist das erwartete Urteil, und doch trifft es die Branche wie ein Paukenschlag: Buchrezensionen dürfen nur nach Genehmigung verwendet werden, urteilte das Landgericht München im Streit zwischen der „FAZ“ und buch.de (hier im Original). Die Konsequenzen für die Branche sind weitreichend. 
Wie der Börsenverein mitteilt, hat das Landgericht München der Thalia-Tochter buch.de mit dem Urteil vom 12. Februar untersagt, bestimmte Artikel und Artikelauszüge, die auf Rezensionen der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ basieren, zu vervielfältigen oder öffentlich zugänglich zu machen.
Anderenfalls droht ein Ordnungsgeld von bis zu 250.000 Euro oder Ordnungshaft bis zu sechs Monate. Zudem muss der Online-Händler dem Zeitungsverlag darlegen, in welchem Umfang er die Rezensionen genutzt hat, um den entstandenen Schaden (unter anderem wegen entgangener Lizenzgebühren) zu ersetzen.

Aus Sicht des Gerichts sind Buchrezensionen urheberrechtlich schutzfähig, da darin eine eigenschöpferische Komponente deutlich zum Ausdruck komme. Das Zitatrecht greife in diesem Fall nicht, da kein Zitatzweck erkennbar sei. Auch die Berufung von buch.de auf das Gewohnheitsrecht ließ das Gericht nicht gelten. 

„Die Zusammenarbeit zwischen Buchverlagen und dem Literaturfeuilleton wird durch dieses Urteil nicht einfacher werden“, erklärt der Verband in seiner Stellungnahme. „Die urheberrechtliche Würdigung, dass bei der Verwendung längerer Auszüge aus Rezensionen ein eigenständiges Urheberrecht greift, ist dabei unumstritten. Bedauerlich ist, dass das symbiotische Miteinander von Buch- und Presseverlagen bei der Verwendung von Rezensionen nach diesem Urteil faktisch aufgekündigt ist.“
Da sich dieses Urteil im Vorfeld abgezeichnet hatte, hat der Börsenverein bereits im September die Verlage aufgefordert, alle nicht-lizenzierten Rezensionen aus Datenbanken und Katalogen zu  zu löschen, um das Abmahnrisiko zu verringern. Im VLB werden die Kurzkritiken seitdem nicht mehr angezeigt. Auch Libri und buch.de haben bereits alle Rezensionen aus ihren Datenbanken entfernt. 

Kommentare

4 Kommentare zu "Miteinander wird aufgekündigt"

  1. Gregor Keuschnig | 14. Februar 2014 um 18:25 | Antworten

    Die Konsequenz für Verlage muss sein, dass sie beispielsweise ihre Praxis, Feuilletonredakteure mit Leseexemplare zu fluten, überdenken müssen. Das muß im übrigen kein Nachteil sein, weil es die Kumpanei entzerrt.

  2. Ja… dann wäre die angemessene Reaktion, dass Thalia die FAZ in seinen stationären Geschäften eben nicht mehr verkauft. Auf die Peanuts kann Thalia sicherlich verzichten…

    Seltsam auch, dass die FAZ nichts gegen die Nutzung sämtlicher ihrer Artikel durch Google-News hat. Aber da haben ja selbst die Springerleins schon zurückgerudert und der Marktmacht von Google nachgegeben. Das kleine buch.de kann man ja dissen… Geld verdienen mit redaktionellen Inhalten ist ja auch so unredlich. Die Damen und Herren bei der FAZ schreiben ja schließlich nur für ihr Wohlbefinden…

  3. Rüdiger Wischenbart | 13. Februar 2014 um 15:26 | Antworten

    Wie unter einem Brennglas fasst das zusammen, wie die traditionelle Buchbranche stolpert, und Amazon davon zieht. Die Verlage geben immer noch viel Geld aus für wenig zielgenaue, teure Anzeigen in genau jenen Zeitungen, die ihnen nun per Gericht ein weiteres Mal ein Bein stellen. Beim Umgang mit der direkten Kommunikation mit den Lesern, bei zeitgemäßem digitalen Marketing (und der Nutzung daraus resultierender Daten) tun sich die Verlage indessen immer noch sehr schwer.

    Währenddessen zeigt Amazon mit seinem Webauftritt vor wie es geht, wenn dieser immer mehr auch Leserplattform wird, mit Leserrezensionen (bei welchen die Printmedien doppelt das Nachsehen haben), Kundenbewertungen, Empfehlungen und fein ausdifferenzierten Genre-Charts, die auch den traditionellen Buchhandel als nur noch einen Verkaufskanal unter mehreren beleuchten.

    Was für ein Thema, allerdings weniger um zu klagen, sondern um nun erfinderisch zu sein!

  4. Dann werden die Rezensionen, wie bei Amazon, eben nicht mehr von Journalisten geschrieben, sondern von der „Crowd“. Nicht unbedingt schlechter. Aber für Zeitungen wieder ein weiterer, kleiner Schritt in die Bedeutungslosigkeit.

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