Ideale E-Books? auf Papier gedruckt und fadengeheftet

Seine Hasstirade auf digitale Bücher im Suhrkamp-Blog hat für viel Wirbel in der Buchbranche gesorgt, 135 Kommentare sind aktuell allein unmittelbar unter dem Text zu lesen. Im Interview schildert Friedrich Forssman (Foto: Suleika Dahl) seine Motive. Maschinenstürmerei? Satire? – Beides richtig. 
Für das Interview hat buchreport.de auf Facebook aufgerufen, Fragen an Forssman einzureichen, diese sind ins Interview eingeflossen.
Selten habe man sich im Internet so intensiv mit dem Medium E-Book auseinandergesetzt wie jetzt, nachdem Sie Ihren Text vorgelegt haben, schreibt ein Kommentator. Haben Sie Ihr Ziel also erfüllt – oder verfehlt?
Wenn der Kommentator recht hat, was mich entsetzen würde: erfüllt.
Gab es einen konkreten Anlass für Ihren Text, ein aktuelles Ärgernis? 
Nein – ich war angefragt worden. Dass ich kein Freund der E-Books bin, war allerdings bekannt.
Die Reaktionen zu Ihrem Text unterstellen Ihnen Motive von Maschinenstürmerei bis Satire. Wo sehen Sie sich?
Beides stimmt. Ich bin gegenüber neuen Techniken erst einmal skeptisch, und ich halte das für eine vernünftige Einstellung. Wenn das intellektuelle Leitmedium, das Buch, starken Veränderungen unterworfen werden soll, schaue ich genau hin. In Revolutionen – und um eine solche würde es sich handeln, wenn Texte verstärkt digital veröffentlicht werden, nur noch vermietet werden und dieser Vorgang unter Dauerbeobachtung steht – überwiegt die Zahl der nichtintendierten Folgen die der intendierten, um mit Odo Marquard zu sprechen. – Dass es sich um einen satirischen, also überzeichneten Text handelt, haben viele Leser gemerkt, was doch sehr optimistisch stimmt.
Wie müssten E-Books aussehen, damit sie Ihnen gefallen?
Sie müssten auf Papier gedruckt und fadengeheftet werden. (Klebegebundene, festeingebundene Bücher sind überaus ärgerlicher Talmi. Aber immerhin ist auch eine Loseblattsammlung haltbarer als ein E-Book.)
Wie intensiv haben Sie das digitale Buch-Medium studiert?
Ich besitze weder Reader noch Tablet und habe nie ein E-Book gelesen. Klar habe ich sowas schon in der Hand gehalten, und immer ungern. Da meine wichtigsten Einwände gegen das Medium weder ästhetischer noch praktischer Natur sind, sondern viel grundsätzlicher, darf jetzt bitte niemand vorschnell „Aha!“ rufen.
Viele Ihrer Kritikpunkte sind auf DRM zurückzuführen. Plädieren Sie dafür, den harten Kopierschutz aufzugeben?
Zunächst kurz: „Harter Kopierschutz“: Der Text ist verschlüsselt und nur im Zusammenspiel zwischen Lesegerät und Kundenkonto lesbar. „Weicher Kopierschutz“: Der Text ist unverschlüsselt, aber enthält Daten, mit denen das gemietete Exemplar einem Käufer zugeordnet werden kann, so dass man den Bösewicht, der es weitergibt, bestrafen kann. – Ich halte beides für Undinge. Dass irgendwo gespeichert wird, wer welchen Text liest, ist absolut nicht tolerierbar, in keiner Form. Kann man das denn auch anders sehen? Den Kopierschutz aufzugeben und ihn durch kein anderes Beobachtungssystem zu ersetzen, das wird nicht funktionieren, jedenfalls nicht, wenn man Autoren, Verleger, Lektoren, Korrektoren und allen anderen sinnvoll Beteiligten etwas zahlen möchte.
Warum verwenden Sie Umsetzungsmängel – wie z.B. DRM – eines sich entwickelnden Mediums als Argumente gegen das Medium selbst?
Sie sprechen nur von diesem einen Umsetzungsmangel, ich antworte nur auf diese konkrete Frage: Die DRM sind keine Kinderkrankheit, sondern eine Fehlkonstruktion. Damit die Texte nicht kostenlos in der Gratiswelt des Internet herumschwirren – gerade die sehr erfolgreichen Texte, die oft zur Querfinanzierung benötigt werden –, muss man den Zugriff auf sie einschränken. Das scheint nur zu funktionieren, wenn man Text und Leser in Datenbanken verknüpft. Und das kann man doch nicht ernsthaft für harmlos halten, wenn man nicht mehr an so Kram glaubt wie „Ich habe nichts zu verbergen“ und „Demokratie kommt aus der Steckdose“? Und übrigens kann man E-Books mit geknacktem Kopierschutz bereits jetzt massenhaft im Netz finden und herunterladen.
Also keine andere Wahl als zwischen Pest (Piraterie) und Cholera (DRM)?
Es gibt ja noch den Weg, das Spiel nicht mitzuspielen.
Wie schätzen Sie das Problem der vergriffenen Werke ein, das vom Digitalbuch doch gelöst wird?
Ha! Eine Suggestivfrage! Ich hab’s gemerkt! – Inwiefern wird dieses Problem denn „vom Digitalbuch gelöst“? Im Gegenteil können lediglich digital veröffentlichte und mit DRMs geschützte Texte innerhalb kurzer Zeit für immer verschwinden, im Gegensatz zu gedruckten Texten. Welches Buch wäre denn so vergriffen, dass es in Bibliotheken und Antiquariaten nicht mehr verfügbar wäre? Ich wüsste nicht, dass ein gedrucktes Buch je wieder ganz verschwunden wäre (von einigen Barockromanen offenbar abgesehen, bei denen das einfach passiert ist, also nicht von Höheren Mächten gewollt war) – in 550 Jahren Geschichte des gedruckten Buches. Die Frage ist doch eher: Wie können wir halbwegs sicher sein, dass auch ungeschützte Digitalbücher die Zeiten überdauern? Solide Datensicherung ist eine Zumutung für jeden, der auf sie angewiesen ist, und ganz sicher ist sie nie, von der Pflege alter Daten ganz zu schweigen (ich weiß, wovon ich schreibe). „Die Cloud“, selbst wenn man ihr traut, besteht auch nur aus hochfragilen Speicherarten mit begrenzter Speicherredundanz und Gerichtsständen auf exotischen Planeten. Ein Buch, in einer Auflage von nur 1000 Stück verteilt, ist ein Datensicherungssystem, das keinen Strom und kein Lesegerät braucht, das herunterfallen darf und eine 1000-fache Redundanz bietet. 
Ihr Lobgesang auf das gedruckte Buch unterschlägt, dass durch das gedruckte Buch eine ganze Handwerkskunst in der Nische verschwunden ist. Warum feiern Sie dies als Fortschritt?
Um die Handwerkskunst des Schreibens ist es natürlich schade. Aber, Achtung, Weisheit!, immer, wenn man etwas bekommt, gibt man etwas, und umgekehrt. (Na, fast immer, wie das mit Weisheiten eben so ist.) Der Fortschritt durch das gedruckte Buch liegt auf der Hand, und zwar buchstäblich, und massenhaft. Die Nachteile wiegen da eben weniger schwer. Es handelt sich dabei auch nicht um meine verschrobene Privatfeier, sondern ich weiß sämtliche Humanisten und Aufklärer auf meiner Seite. Das genügt mir. Umgekehrt geben wir sehr viel auf, wenn E-Books als übliche Veröffentlichungsweise überhandnehmen.
Womöglich sind die großen Vorteile des Digitalbuchs erst mit größerer zeitlicher Distanz sichtbar? 
Das wäre doch ein merkwürdiges Vorgehen: Wir werfen uns einem vermeintlichen Fortschritt an den Hals, ohne eine Risikobewertung vorzunehmen, weil die Zukunft ja zeigen könnte, dass die Vorteile überwiegen? – Sie kennen die Tests der „Stiftung Warentest“? Da gibt (oder gab) es manchmal Sternchen bei Teil-Testergebnissen, mit der Fußnote „Führt zur Abwertung.“ Also: „Der Toaster ist a) hübsch, b) toastet gleichmäßig, d) ist nicht teuer und d) verteilt Stromschläge an kleine Kinder*. [* führt zur Abwertung]“ In Kenntnis von Punkt d) möchte ich die Punkte a) bis c) nicht noch dreimal diskutieren müssen.

Mein Testergebnis lautet: »Das E-Book ist a) flott, b) pfiffig, c) befriedigt den verbreiteten Daddel- und Nestel-Trieb, d) ermöglicht die Mitnahme von allen je geschriebenen Büchern in die Hotelbadewanne, e) ermöglicht regelmäßig, sich in Elektronikläden glücklich zu kaufen, f) macht den Leser bei funktionierendem DRM gegenüber Big Data transparent*, g) gefährdet bei nichtfunktionierendem DRM das Geschäftsmodell der Autoren und Verlage*, h) senkt die Haltbarkeit von Texten voraussichtlich drastisch*, i) macht Zensur leicht möglich*. [* führt zur Abwertung]“ Jeder einzelne Punkt von f) bis i) reicht mir aus, die Sache abzulehnen. Jeder einzelne dieser Punkte müsste wirklich gründlich widerlegt werden, damit ich mich für die Punkte a) bis e) zu interessieren anfange – die Liste der Vorteile ist ebenso leicht zu verlängern wie die der Nachteile, wie mir sehr wohl bewusst ist.

Es gab schon immer eine Trennung von Inhalt und Form, und das E-Book bietet weitere Ausgabeformen an, setzt also diese Logik konsequent fort. Was ist dagegen einzuwenden?
Es gab noch nie eine Trennung von Inhalt und Form. Ich wiederhole Judith Schalanskys Frage: „Haben Sie schon mal einen Inhalt ohne Form gesehen?“ Dass E-Book-Lesegeräte den Texten beliebige Formen geben können, bringt keinen wesentlichen Vorteil, der nicht größere Nachteile mit sich brächte. Gut, es gibt Lesegeräte mit Hintergrundbeleuchtung, aber es gibt auch Klemmlämpchen für Bücher (ich hab sowas selbst). Gut, man kann auf Lesegeräten die Schriftgröße skalieren, aber es gibt auch Lesebrillen (ich hab sowas selbst). Ich habe noch nie einen Text auf einem Lesegerät gesehen, der nicht lächerlich hässlich umbrochen wäre, mit löchrigen Zeilen, gar keinen oder vielen falschen Trennungen, von Layout und Orientierungselementen aller Art ganz zu schweigen. Sogar die Werbebilder für E-Book-Reader sehen schrecklich aus. Das ist dagegen einzuwenden – neben all den anderen, durchaus schwerer wiegenden Dingen.

Kommentare

23 Kommentare zu "Ideale E-Books? auf Papier gedruckt und fadengeheftet"

  1. Tobias-David Albert | 14. September 2015 um 8:08 | Antworten

    Sehr angenehmes Interview. Interessant der Punkt um die Ablösung des geschriebenen Buches durch das gedruckte Buch. Wer das genauer betrachtet wird entdecken, dass der Kult um das Buch in der westlichen Welt sich nie um das Schreiben sondern um das Lesen gedreht hat. Daher erlöst der Druck den hauptsächlich gequälten Kalligrafen vom Schreiben ganzer Bücher und hilft der Kalligrafie erst zu neuer Lebendigkeit. Dem Kult um das Buch wird allerdings auch in eine ganz neue Sphäre gehoben. Sehr interessant dazu Ivan Illich´s »Im Weinberg des Textes«.

  2. • Zur Textgestalt: Ich besitze Reader und Tablet und lese aus beruflichen Gründen auf
    beiden eine ganze Reihe Texte – vom unformatierten Dateien über pdf bis
    zum epub. Ist das Expertise genug? Aus dieser Erfahrung heraus erlaube
    ich mir, Friedrich Forssmann zuzustimmen. Ja, es gibt Texte, die unter
    Nutzen-Gesichtspunkten gern auf dem Reader zu transportieren sind
    (Fahrpläne, Gesetzessammlungen, Uniskripte, und all jene traurigen
    Wegwerfromane, die die Buchhandlungen zumüllen) und es gibt Bücher, die
    auf E-Readern verlieren. „Zettel’s Traum“ ist dafür ein sehr krasses
    aber unmittelbar einleuchtendes Beispiel.
    • Zum DRM: Dass die Digitalisierung das Geschäftsmodell von Autoren und Verlagen zerstört, ist keine Unterstellung, die erst die Zeit als wahr erweisen wird, sondern in der Musikindustrie und bei den Zeitungsverlagen Realität. Das muss man nicht glauben, aber man kann es wissen.
    • Dass erworbene Bücher vom Lesegerät gelöscht werden und der Verkäufer Daten über das Leseverhalten der Erwerber einsammelt, ist nicht „Perry Rhodan“ (also schlecht erfundene Science Fiction), sondern Geschäftspolitik von Amazon. Und als solches auch kein Geheimnis. Man kann das à la Zuckerberg total okay finden, man kann aber auch einfach mal zugeben, dass es Amazon schwerer fällt, in die Wohnung einzubrechen und Orwells „1984“ aus dem Bücherregal zurück ans Lager zu holen, als die Datei vom Kindle zu löschen. (Was passiert ist.)
    • Dateien müssen permanent überarbeitet und den technischen Neuerungen angepasst werden. Eine Arbeit, die kostenintensiv ist und von den e-Book-Apologeten gern aus der Kalkulation rausgenommen wird. Eine Datei, die nicht mehr upgedatet wird, wird aus dem Bewußtsein der Gesellschaft verschwinden und vermutlich nicht mehr wiederentdeckt werden. Ein Buch dagegen kann trocken gelagert Jahrhunderte überdauern und wird weiter lesbar bleiben.
    • Von den E-Book-Apologeten wird ständig stillschweigend unterstellt, dass alle Texte gleichwertig sind. Daraus folgt ihnen implizit, dass ein Text, der im Moment seines Erscheinens nicht erfolgreich verkauft wird, nichts wert ist und zu Recht verschwinden kann. Betriebswirtschaftlich nachvollziehbar. Kulturell nicht.
    • @Jakob Meiner: „Viele Ihrer berechtigten Kritikpunkte sind überwindbar, und es ist die
    Aufgabe von verantwortungsbewussten und klugen Menschen, dieses
    Überwinden in die Wege zu leiten – nicht, den Kopf in den Sand zu
    stecken, weil früher eh alles besser war“, schon korrekt. Wenn ich die Kommentare lese, habe ich allerdings den Eindruck, dass es nicht Friedrich Forssmann ist, der hier den Vogel Strauß spielt. Das Wutgeheul über ihn beweist eher, dass sich manch einer in seinem Digital-Fetischismus ertappt fühlt.

    • Der Musikindustrie scheint es ja ganz gut zu gehen, obwohl sie inzwischen weitreichend auf DRM verzichtet, zumindest beim Kauf von Musik. Bei Streaming-Angeboten (z. B. Spotify) gibt es DRM noch.

      Die Probleme der Zeitungsverlage haben wenig mit der Verbreitung von „Raubkopien“ zu tun (was DRM ja verhindern soll). Das Problem ist eher die Anpassung an veränderte Umstände. Natürlich ändern sich Geschäftsmodelle durch die Digitalisierung, aber das ist nicht neu.

      Der Bänkelsänger, der früher die Kunde von wichtigen Ereignissen weitertrug, hat etwa seit dem 20. Jahrhundert auch kein funktionierendes Geschäftsmodell mehr (zumindest speziell auf Nachrichtenverbreitung bezogen).

      Daß Bücher vom Lesegerät gelöscht werden ist auch ein Problem von DRM, nicht von E-Books.

      An dem Problem, daß Datenträger und Datenformate über lange Zeit lesbar bleiben müssen, wird inzwischen von Wissenschaftlern angestrengt gearbeitet. Ein Beispiel, das bereits fast zehn Jahre alt ist, ist das Datenformat „PDF/A“, das speziell zur Langzeitarchivierung definiert ist.

      Was andererseits Bücher angeht, habe ich z. B. starke Probleme die alte Frakturschrift zu lesen. Wurde außerdem billiges, säurehaltiges Papier benutzt (wird heute nicht mehr verwendet), zerstörte sich das Buch innerhalb einiger Jahrzehnte quasi von selbst.

      „Von den E-Book-Apologeten wird ständig stillschweigend unterstellt, dass alle Texte gleichwertig sind“

      Kann ich jetzt so nicht erkennen, letztlich ist der Wert eines Textes immer vom Leser abhängig.

      Die Folgerung daraus kann ich dann gar nicht mehr nachvollziehen. Gerade bei physischen Büchern, die sich im Moment des Erscheinens nicht verkaufen, wird der Rest der Auflage irgendwann eingestampft, eine Neuauflage gibt es nicht und es besteht kaum eine Chance, daß jemand nachträglich das Buch lesen und seinen Wert erkennen kann.

      E-Books können dagegen beliebig lange verfügbar gehalten werden. Selbst wenn im Jahr nur ein paar Exemplare verkauft werden, ist das betriebswirtschaftlich zu verantworten.

  3. Am meisten Angst macht mir, wie technisch die meisten hier über Bücher reden. Ich habe soviele Taschenbücher in meinem Leben verschenkt oder andere verliehen und mit einem kleinen Zettelchen oder einer Notiz zurückbekommen. Das ist unauslöschbar in meinem Geist und kann nie synchronisiert werden, weil es die Machinen wir ihr sie euch ideal vorstellt nur als Datenmüll deuten würde. Meine Idee von Analog hat schon lange nichts mehr mit selbstverliebten Retro zu tun sondern nach meinen ganzen Erfahrung der letzten Jahre mit der neuen Technik, mit der Erkenntnis, dass der Abstraktionsgrad der neuen Technologie zu hoch ist und mein Geist sich verkrampft um mit Ihr klar zu kommen. Das muss für euch nicht so stimmen aber für ganz viele in unserer Gesellschafft. Das hat nichts mit fehlenden Wissen zu tun sondern mit den angeborenen Fähigkeiten des Menschen. Der Mensch ist ein Meister im Entwickeln von Wergzeugen das unterscheidet Ihn vom Tier aber jetzt fängt er an sich zu verlieren. Das Smartphone war der Vorbote, Occulus Rift wird den Mensch wie wir ihn kennen zur Unkenntlichkeit verändern….Ich will da raus…aber mein Weg ist noch lang.

  4. Reader/Digitalleser | 9. Februar 2014 um 11:32 | Antworten

    > Vielleicht ist es auch so, dass die elektronischen Buchtexte

    > (E-Bücher beliebigen Formats) derzeit kaum etwas anderes

    > sind, als Kinokarten. Ich darf’s mir ansehen, darf mir merken

    >, was immer ich will, aber ein Besitz ist im Ticketpreis nicht

    > eingeschlossen.
    > Beim Kino sind wir dieses Ergebnis gewohnt. Beim Buch nicht.
    > Den Film kann ich auf DVD oder BR kaufen, was zumindest

    > den Besitz des physischen Mediums einschließt.

    > Beim E-Buch geht das nicht. Warum nicht?

    Liebe Ines Fritz,

    bei einem Buch aus Papier besitzen sich auch „nur“ das Papiermedium. Der Inhalt gehört weiterhin dem Rechteinhaber an dem Inhalt.

    Würden sie also auf die Idee kommen den hier veröffentlichten Text von Herrn Forssman auf ein Textdokument ihrer Textverarbeitung zu kopieren, gehört ihnen der Text nicht, aber das leere Textdokument und das Icon auf ihrem Computer-Desktop.

    Deutlicher wird es, wenn sie sich die Mühe machen, den Text in Großausgabe auszudrucken, fadengeheftet selbst zu binden oder binden zu lassen und mit einem Ledereinband versehen zu einem dekorativen Werk veredeln zu lassen.

    Auch da gehört ihnen der Text nicht, aber das so entstandene Medium das sie in Händen halten können. Also die fadengehefteten Seiten umschlossen von dem Ledereinband, denn das haben sie käuflich erworben.

    Gehen sie nun her und erzählen von „ihrem Werk“, könnte Herr Forssman als Rechteinhaber an seinem Text, sie dazu auffordern, dieses Werk zu recykeln, da sie es ohne seine Erlaubnis angefertigt haben.

    Würde Herr Forssman selbst seinen Text ähnlich gestaltet verkaufen, könnten sie das Werk kaufen und sagen, „ich habe Herr Forssmans Text in Lederausgabe erworben“ und sollten sie ihm eine Textdatei für ihren Computer-Desktop abkaufen, können sie sagen „ich habe Herr Forssmans Text digital erworben“.

    Der einzige Unterschied, im einen Fall haben sie ein haptisch greifbares Gut in Händen, im anderen Fall eine Textdatei mehr auf ihrem Computer.

    Sie können egal in welcher Form den Inhalt nur nutzen, besitzen werden sie immer nur das Medium auf dem sich das befindet.

    Ist bisher nur nie so deutlich klar erkennbar gewesen, weil die Trennung von Form und Inhalt erst digital sehr einfach möglich wird.

    Den von ihnen erwähnten Film können sie auch nur nutzen. Das was ihnen gehört ist das Medium auf dem sich dieser Film befindet. Also DVD/BR oder Festplatte ihres Computers bei einem Download.

    Der Film selbst gehört aber weiterhin den Rechteinhabern.

    Schönen Sonntag
    Reader/Digitalleser

  5. Reader/Digitalleser | 8. Februar 2014 um 18:45 | Antworten

    Wenn das für buchreport machbar ist, würde ich gerne mal eine gemeinsame Diskussion von Rainer Zenz und Friedrich Forssman über Buchgestaltung im Übergang zwischen Papier und Digitalform lesen. Danke!

  6. Reader/Digitalleser | 8. Februar 2014 um 18:41 | Antworten

    > Jeder einzelne dieser Punkte müsste wirklich gründlich

    > widerlegt werden, damit ich mich für die Punkte

    > a) bis e) zu interessieren anfange

    Gerne, aber ohne den Anspruch Ihnen digitales Lesen aufdrängen zu wollen!

    a bis d) Sehe ich persönlich anders, aber wenn Herr Forssman das so sehen möchte, kann er das gerne tun.

    e) trifft nicht zu, weil durch DRM die Läden beiseite geschoben werden. „Dank“ DRM wird die Existenzgrundlage des Buchhandels extrem gefährdet, außer man hält das für vernachlässigbar und kauft gerne über Onlineshops ein.

    f) Stimmt nur, wenn es „Big Data“ gelingt den eBook-Verkauf komplett in eine leicht zu überwachende Cloud zu verlagern. DRM hilft da massiv dabei, aber bisher wehrt sich der Buchhandel noch erfolgreich dagegen, wegen einer Cloud völlig überflüssig zu werden.

    g) Da kann man geteilter Meinung sein. Weiches DRM stört mich nicht und hartes DRM nutze ich nicht. Insofern wird jeder der wie ich denkt nur eingeschränkt Verlags-eBooks kaufen können. DRM = Schutz vor Umsatz!

    h) Das erstaunt mich, denn bei Papierbüchern gibt es den Begriff „vergriffen“, der bei eBooks überflüssig wird, da es kein Problem mehr darstellt jedes gewünschte Buch (zumindest theoretisch) in der Backlist verfügbar zu halten.

    Das als „senkt die Haltbarkeit“ einzuschätzen verstehe ich nicht.

    Vielleicht kann Herr Forssman das ja mal erklären, wie das gemeint ist.

    i) Durch eBooks wird Zensur schwerer. Vermutlich dürfte selbst von der aus urheberrechtlichen Gründen von Amazon zensierten Fassung von „1984“ noch die ein oder andere Kopie vorhanden sein.

    Aus dem Papierbuch-Universum gibt es aber auch Beispiele, dass Bücher ziemlich komplett verschwinden. 1. Wenn sie „vergriffen“ sind und nicht neu aufgelegt werden, 2. wenn eine Auflage verändert wird und die alte Auflage aus dem Sortiment genommen wird.

    Mir beispielsweise beim Duden aufgefallen.

    Irgendwo noch eine Ausgabe mit der alten Rechtschreibung zu finden, dürfte außer im Antiquariat ziemlich schwierig, wenn nicht sogar unmöglich sein.

    Haltbarkeit und Zensur dürfte also für beide Formen gleichermaßen eine Rolle spielen. Je nach Präferenz sieht man eben eher auf die Vorteile oder Nachteile der Form, die man selbst stützen oder beiseite schieben möchte.

    > Umgekehrt geben wir sehr viel auf, wenn E-Books als

    > übliche Veröffentlichungsweise überhandnehmen.

    Wenn sich die DRM-Version durchsetzt und den Buchhandel langsam zerstört, wird das leider realistisch, daher ist es wichtig, einen Weg zu finden digitale Leseinhalte auch im Buchhandel direkt kaufen zu können, ohne Umweg über das Internet.

    Gedruckte und digitale Verkaufsformen werden irgendwann koexistieren und die Buchbranche am Leben halten, außer durch DRM wird das Geschäft ins Internet abgedrängt und immer überflüssiger.

    > Welches Buch wäre denn so vergriffen, dass es in

    > Bibliotheken und Antiquariaten nicht mehr verfügbar wäre?

    > Ich wüsste nicht, dass ein gedrucktes Buch je wieder

    > ganz verschwunden wäre

    Duden – Deutsche Rechtschreibung aus den 80er und 90er Jahren.

    Für Büchereien zu alt, für Antiquariate zu neu, dazu noch in einer Rechtschreibung, die als ungültig so gut es geht aus dem Verkauf gezogen werden soll. (Gibt es übrigens leider nicht in digitaler Form, sonst wäre es vielleicht möglich das noch irgendwo zu bekommen.)

    > Wie können wir halbwegs sicher sein, dass auch ungeschützte Digitalbücher die Zeiten überdauern?

    Ungeschützte Digitalbücher können kopiert werden und werden ab dem Moment „gepflegt“ werden, wenn eBooks in einigen Jahren im Antiquariatshandel angekommen sind. Noch ist das Medium zu neu, aber das wird nicht immer so bleiben. Zumindest dann nicht, wenn Antiquariate ihre Existenz weiter behalten wollen.

    > Die DRM sind keine Kinderkrankheit, sondern eine Fehlkonstruktion.

    … zudem verhindert es, dass der Buchhandel sinnvolle Verkaufsmodelle anbieten kann, die der Buchbranche insgesamt zugute kommen können. Denn wenn die Leute gerne eBooks im Buchhandel einkaufen, kommen beispielsweise Buchpiraten gar nicht mehr an diese Käufergruppe heran. DRM schützt daher auch die Existenz von Buchpiraten.

    > Querfinanzierung

    Eine digitale Ausgabe stellt lange nicht das finanzielle Risiko dar, wie eine eventuell unverkäufliche Druckausgabe. Daher werden viel mehr Leseinhalte einen eigenen Wert bekommen und gar nicht mehr querfinanziert werden müssen.

    > muss man den Zugriff auf sie einschränken

    Die Musikindustrie hat so wie ich gelesen habe, die Möglichkeit gefunden auch ohne DRM Erfolge zu haben. Wie gesagt, habe ich gelesen, weil ich mich wegen DRM nicht mehr für Musik interessiere, da ich keine Lust habe, mich mit DRM herum zu ärgern.

    Lieber verzichte ich.

    > Und übrigens kann man E-Books mit geknacktem Kopierschutz bereits

    > jetzt massenhaft im Netz finden und herunterladen

    Hoppla, an anderer Stelle kommt die Klage, ein eBook wäre schnell wieder verschwunden und hier nun die Klage, eBooks würden nicht verschwinden sondern massenhaft zu finden sein.

    Kombiniert man diese gegensätzlichen Argumente etwas polemisch, kommt: „sie haben ihr eBook verloren und können es nicht mehr lesen? Suchen sie es doch bei den Buchpiraten“, heraus, weil ja Verlag und Buchhandel sich bemühen eBooks so nutzerunfreundlich wie möglich zu machen, was eben manchmal zu Totalverlust der Daten führt.

    > Den Kopierschutz aufzugeben und ihn durch kein anderes Beobachtungssystem

    > zu ersetzen, das wird nicht funktionieren, jedenfalls nicht, wenn man Autoren,

    > Verleger, Lektoren, Korrektoren und allen anderen sinnvoll Beteiligten etwas

    > zahlen möchte.

    Und wo findet sich der Buchhandel? Würden sich Verlage und Buchhandel gemeinsam für sinnvolle Verkaufsmodelle von eBooks einsetzen, könnte das dazu verhelfen, dass die beteiligten Personen langsam aus ihren Existenznöten raus kommen und sich wieder ruhig den Büchern zuwenden können, weil die Existenzgrundlage gesichert ist.

    Ganz unabhängig davon ob in gedruckter oder digitaler Form.

  7. Reader/Digitalleser | 8. Februar 2014 um 18:40 | Antworten

    > Um die Handwerkskunst des Schreibens ist es natürlich schade

    Was Herr Forssman hier übersieht ist, durch den direkten Weg „Autor schreibt und stellt seinen Text Online, Leser lädt den Text auf sein Lesegerät und liest“, kehrt die Schreibkunst bei Bedarf wieder zurück.

    Denkt man sich noch einen editierbaren Text, kann auch jederzeit die Handschrift auf Maschinenschrift umgestellt werden, um den Text leichter lesen zu können.

    Denn was gedruckt nur mit sehr hohem kaum bezahlbaren Aufwand zu verwirklichen ist, kann digital sehr einfach übermittelt werden.

    > Es gab noch nie eine Trennung von Inhalt und Form.

    Jedes gedruckte Buch entsteht als Text und wird (vereinfacht dargestellt) erst durch den Druckvorgang zu der Einheit als die es Herr Forssman sieht.

    So wie der Buchdruck die Lesewelt verändert hat, wird auch die digitale Veröffentlichung die Lesewelt verändern.

    Auch das gedruckte Buch wird sich weiterentwickeln: Stichwort: Digitales Papier.

    > Haben Sie schon mal einen Inhalt ohne Form gesehen?

    Jeder der schonmal ein Manuskript sah, kann diese Frage bejahen.

    Die Vorlage weicht vom gedruckten Buch in seiner Form ziemlich ab.

    > merkwürdiges Vorgehen

    Herr Forssman erkennt für sich eben nur die Nachteile die ein eBook bringt und lässt die Vorteile nicht gelten, weil sie für ihn persönlich nicht zählen. Dadurch wird sein Verhalten verständlich, ist aber trotzdem rein persönlich und nicht allgemeingültig.

    > Ich bin gegenüber neuen Techniken erst einmal skeptisch,

    > und ich halte das für eine vernünftige Einstellung.

    Das kann man akzeptieren, sollte es aber kritisch sehen, wenn als Ergebnis heraus kommt „eBooks sind abzulehnen“, denn verschwinden wird die neu entstandene Lesekultur nicht mehr und solange das nicht sinnvoll in bestehende Strukturen eingefügt werden kann, besteht immer die Gefahr, dass es die aktuelle Struktur des Buchhandels zerstört.

    Also Buchpreisbindung ist in Gefahr, Buchhandel ist in Gefahr, die Vielfalt an lesenswerten Inhalten ist zumindest bei Verlagen ebenfalls in Gefahr und die ganze Buchbranche ist sowieso in Gefahr, da sie im Internet kaum noch wahrgenommen wird.

    Und warum? Weil es nicht gelingt eBooks sinnvoll ins Verkaufskonzept der Buchbranche einzubringen.

    Skepsis ist solange okay, wie sie nicht zur Gefahr wird. Und das ist in dem konkreten Fall eben leider längst so.

    > Ideale E-Books? – auf Papier gedruckt und fadengeheftet

    Noch technisch nicht machbar … noch.

  8. Sehr geehrter Herr Forstmann.
    Sehr gut glaube ich zu verstehen, was Sie sagen wollen. Ja, doch, im Kern stimme ich Ihrer Meinung zu.
    Vielleicht ist es auch so, dass die elektronischen Buchtexte (E-Bücher beliebigen Formats) derzeit kaum etwas anderes sind, als Kinokarten. Ich darf’s mir ansehen, darf mir merken, was immer ich will, aber ein Besitz ist im Ticketpreis nicht eingeschlossen.
    Beim Kino sind wir dieses Ergebnis gewohnt. Beim Buch nicht.
    Den Film kann ich auf DVD oder BR kaufen, was zumindest den Besitz des physischen Mediums einschließt. Beim E-Buch geht das nicht. Warum nicht?
    Dabei könnte alles so praktisch und uns so nah sein. Die Vorteile könnten klar überwiegen. Nie zuvor war es so einfach, zu einem Buch zu kommen. Zu einem, das mich bildet genauso wie zu einem, das mich zudem unterhält.
    Ihre Vorbehalte zum Erscheinungsbild der elektronischen Bücher teile ich nicht. Zu Schulzeiten habe ich noch die Alkohol-Blaupausen (auf diesen Walzengeräten) miterlebt und bin bis ins digitale Zeitalter hineingewachsen. Der Vergleich macht mich sicher.
    Ein klares Nein habe ich aber zur Gängelung mit DRM und noch ein klares Nein zur Überwachung auf Verdacht. Unter diesen Voraussetzungen wird das elektronische Buch nicht reifen, wird es keinen festen Platz in meinem virtuellen Bücherregal einnehmen können.
    Was wäre also zu tun? Ist es notwendig, das Allzumenschliche zu überwinden, als Lesende vertrauenswürdig zu werden und als Anbietende zu vertrauen? Geht das?

  9. „Dass irgendwo gespeichert wird, wer welchen Text liest, ist absolut nicht tolerierbar, in keiner Form.“

    Büchereien kommen damit recht gut durch.

    • Als Bibliothekar muss ich einwenden, dass wir das Leseverhalten unserer Kunden nicht speichern. Auf einem Lesekonto sind die aktuellen Ausleihen gespeichert, aber nach Rückgabe der Titel hat sich das erledigt. Wir führen keine permanenten Listen, wer was entliehen hat. (Auch wenn wir immer mal wieder gefragt werden: „Können Sie mal nachsehen, ob ich das schon mal entliehen hatte?“)

  10. Ich bin weiterhin fassungslos. Beispielhaft für die sonstigen im Interview vorgetragenen Vorurteile:

    „g) gefährdet bei nichtfunktionierendem DRM das Geschäftsmodell der Autoren und Verlage*“

    Das ist nicht bewiesen, sondern eine Unterstellung.

    „h) senkt die Haltbarkeit von Texten voraussichtlich drastisch*“

    Das ist nicht bewiesen, sondern eine Vermutung. Falls das überhaupt korrekt wäre, dann auch nur in einer Welt, die _ausschließlich_ aus eBooks bestünde.

    „i) macht Zensur leicht möglich*“

    Das ist falsch. Gerade eBooks erschweren die Zensur, da jederzeit die Kopie einer Datei erstellt werden kann, wogegen die Erstellung einer Kopie eines Papierbuches mit deutlich mehr Aufwand verbunden ist. Auch das Verstecken einer Sammlung von eBooks auf einem USB-Stick geht deutlich einfacher als das Verstecken eines gut gefüllten Bücherregals.

    Mit „Zensur“ mag hier vermutlich die Fernlöschung gemeint sein oder die unbemerkte Anpassung der Dateiinhalte im Laufe der Zeit, um so veränderte Inhalte auszuliefern. Das sind keine Probleme von eBooks an sich, sondern von der Store/Distributions-Infrastruktur, an der man sich nicht beteiligen muss. DRM-freie eBooks können problemlos mit einer Checksumme o.Ä. belegt werden, um ihre Unveränderlichkeit zu beweisen.

    Auch das Nachverfolgen des Lesestandes oder der Cloud-Sync von Notizen sind Extras, die man weder verwenden, noch ertragen muss, sondern Bestandteil mancher Distributionsplattform. Selbst beim Kindle, der übrigens auch ohne gänzlich ohne Verbindung zu einem Amazon-Profil funktioniert, lässt sich der Cloud-Sync ausschalten und ein eBook lässt sich natürlich auch außerhalb dedizierter Lesegeräte, die möglicherweise protokollieren, lesen. Gerade das ist ja der Vorteil des Formates!

    Das Darstellungsproblem von eBooks – Schriftart, Umbruch etc. – ist tatsächlich ein Problem. Es ist bedauerlich, dass sich Herr Forssman als Gestalter von Büchern einer Verbesserung dieses Themas verweigert. Er könnte z.B. für den Suhrkamp-Verlag eine eingebettete Standardschriftart entwickeln, die seinen typografischen Ansprüchen entspricht und andere Verbesserungen einführen. Es wäre doch schön, wenn eBooks nicht nur aus Text und Bild bestünden, sondern richtig gestaltet werden würden und es auch ein stärkerer sinnlicher Genuss wäre, sie zu lesen.

    Die Frage nach der dauerhaften Sicherung von „ungeschützten Digitalbüchern“ dürfte die deutsche Nationalbibliothek beantworten können, die bevorzugt z.B. von Tageszeitungen die digitalen Varianten archiviert.

  11. Lieber Herr Forssmann, Sie haben das alles sehr schön gesagt! Immerimmerwährender Applaus für Sie! Ihre Susanne Dagen

  12. Christian Buggisch | 7. Februar 2014 um 15:32 | Antworten

    „Es gibt auch Klemmlämpchen für Bücher (ich hab sowas selbst) …“ Auweia. Es gibt auch noch Kerzenhalter für Pferdekutschen und Kurbeln für Grammophone. Und wer die benutzen möchte, soll das gerne tun. Aber wo kommt dieses grandiose Selbstbewusstsein her, aus der eigenen Selbstverliebtheit ins Analoge ein Dogma machen zu wollen? Und alle, die die Digitalisierung nicht als Teufelszeug verdammen, zu hyperaktiven Nerd-Idioten zu erklären, wie im Suhrkamp-Blog geschehen?

    • Oder umgekehrt gefragt: Wo kommt dieses grandiose Selbstbewusstsein her, aus der eigenen Verliebtheit ins Digitale ein Dogma machen zu wollen? 😉

      • Christian Buggisch | 11. Februar 2014 um 14:51 | Antworten

        Sie schreiben bestimmt auch nochmal, wo genau ich dogmatisch pro digital geworben und Bücher auf Papier für alle Zeiten verworfen habe? Die Sache ist ja so trivial einfach, dass es schon fast peinlich ist, das aufzuschreiben: Jeder möge Bücher in der Form nutzen, die ihm gefällt: auf Papier oder digital. Dogmatisch wird die Sache erst, wenn man wie Herr Forsmann die Nutzer digitaler Bücher für den Untergang des Abendlandes verantwortlich machen will.

  13. Die Kritikpunkte sind weitgehend berechtigt. Nur die Schlussfolgerung ist in ihrer Romantik nicht hilfreich.

    Das E-Book wird nicht mehr verschwinden, es wird, im Gegenteil, vermutlich in nicht allzu ferner Zeit das Taschenbuch weitgehend verdrängt haben. Also muss es darum gehen, die kritisierten Punkte zu verbessern, soweit das möglich ist. Die aktuelle Situation ist ja tatsächlich unbefriedigend.

    Der Verzicht auf DRM wäre ein entscheidendes Desiderat, um Überwachungs- und Zensur-Sorgen obsolet zu machen. Das Problem der Piraterie spricht nicht für DRM, denn jeder Kopierschutz lässt sich umgehen; das wird auch zukünftig so bleiben. Die entsprechenden Portale werden davon unabhängig Futter finden.

    Damit stehen Autoren und Verlage vor dem Problem, wie eine faire Vergütung in Zeiten digitaler Verbreitung zu gewährleisten ist. Mit dem Problem stehen sie nicht allein, andere Branchen beschäftigt das schon länger. Bisher ist dafür noch keine überzeugende Lösung gefunden, das bleibt eine wichtige Aufgabe. Der Versuch, durch DRM im Digitalen die analoge Welt zu simulieren ist gescheitert und musste das auch seines inneren Widerspruchs wegen.

    Ja, E-Books sind nicht so »schön« wie gedruckte Bücher (jedenfalls die gut gemachten). Viele der erwähnten Mängel sind aber durchaus lösbar. Dazu müssten E-Books sogfältiger und ihren technischen Bedingungen gemäßer gemacht werden, dazu brauchte es Gerätesoftwares, die E-Books einheitlich interpretieren und auch noch eine gute Silbentrennung haben. Das wäre alles machbar. Hier liegt das geringste Problem.

    Die Frage der Beständigkeit ist sicher heikel. Sie betrifft ja nicht nur E-Books, sondern alle Kommunikation und kulturelle Produktion in digitaler Form. Da stehe ich ratlos vor.

    Eine Reihe von Problemen ließe sich also mehr oder weniger leicht beheben oder mildern. Um im Bild zu bleiben: Wenn ein Toaster Stromschläge austeilt, muss die Isolierung verbessert werden, mann muss nicht das Toasten von Brot verdammen.

  14. Michael Gisiger | 7. Februar 2014 um 15:09 | Antworten

    „Gut, man kann auf Lesegeräten die Schriftgröße skalieren, aber es gibt auch Lesebrillen (ich hab sowas selbst).“

    Ach, Herr Forssman, ich wiederhole mich, aber: nicht jede Sehschwäche lässt sich einfach so mit einer (Lese-)Brille korrigieren. Hier – und in anderen Aussagen – schwingt unterschwellig eine unglaubliche Arroganz mit, die mich eigentlich nur noch sprachlos werden lässt.

    • Kernsatz ist:

      „Wenn das intellektuelle Leitmedium, das Buch, starken Veränderungen unterworfen werden soll, schaue ich genau hin.“

      Perry Rhodan als intellektuelles Leitmedium, das muss ich mir auf der Zunge zergehen lassen.

      Scherz beiseite: Ich erahne ein „Thema verfehlt“, denn gerade durch die Verlagerung von Unterhaltungsliteratur hin zu elektronischen Büchern erfährt ein gedrucktes Buch eine Aufwertung, es wird zu etwas Besonderem. Einem „intellektuellem Leitmedium“ sollte dies eigentlich gefallen.

      Wenn bestimmte intellektuelle Kreise anschließend keine Lust haben, den möglicherweise durch Krankheit oder Alter dahin siechenden Pöbel an ihren Gedanken in Form eines DRM-freien elektronischen Buches teilhaben zu lassen, weil das elektronische Buch durch seine Form und Funktion den Inhalt entwertet, dann ist das ja sicherlich auch gewünscht, kann man sich so noch besser abgrenzen. Für Interessierte Personen gibt es ja die A1-Hardcover-Ausgabe auf 300 Gramm-Papier samt Leselupe und Grubenhelmlampe.

  15. Zum Verschwinden von Büchern: Das passiert unentwegt, nur liegt es in der Natur des Verschwindens, dass kaum jemand von den verschwundenen Werken weiss. So ist beispielsweise ein großer Teil der in der Zwischenkriegszeit als Groschenromane veröffentlichten Werke verschwunden. Man muss diese Werke nicht als wertvoll einschätzen, um dennoch einen Verlust an Vielfalt zu konstatieren. Und wer weiss, vielleicht versteckt sich unter diesen doch eine einst im Geiste ihrer damaligen Zeit übersehene Perle?
    Wir können auch gerne die kompletten Bibliotheken von Bagdad (Mongolen) und Alexandria (Christen) zählen, zwar nicht gedruckt, aber doch Papier.

    Die Argumentation der Querfinanzierung beim DRM finde ich überaus amüsant, ist doch einer der Vorteile des eBook, dass es deutlich weniger querzufinanzieren gibt. Das ist mehr ein Problem der immer noch auf solche Finanzierungskonzepte aufgebauten Verlagswirtschaft, welches durch den Selbstverlag gelöst wird.

  16. Gregor Keuschnig | 7. Februar 2014 um 13:46 | Antworten

    „Dass irgendwo gespeichert wird, wer welchen Text liest, ist absolut nicht tolerierbar, in keiner Form.“ – Wie sollen denn Büchereien und Buchhändler ihre Kunden registrieren bzw. erreichen?

  17. Lieber Herr Forsmann, einmal Gedachtes kann nicht zurückgenommen werden, und eine Technologie, die sich bei den Menschen durchgesetzt hat, wird man nicht mehr wegreden können. So Recht Sie in vielen Punkten haben – wer das Spiel nicht mitspielt, spielt mit seiner Zukunft, der er überlässt Amazon und Co das Spielfeld. Wer das Spiel mitspielt, hat zumindest noch eine Chance, die Regeln zu gestalten. Viele Ihrer berechtigten Kritikpunkte sind überwindbar, und es ist die Aufgabe von verantwortungsbewussten und klugen Menschen, dieses Überwinden in die Wege zu leiten – nicht, den Kopf in den Sand zu stecken weil früher eh alles besser war.

  18. Sabrina Schmidt | 7. Februar 2014 um 13:05 | Antworten

    Forssman: „Ich besitze weder Reader noch Tablet und habe nie ein E-Book gelesen.“
    Ich bin einfach nur noch baff, entsetzt, fassungslos.
    Könnten wir bitte wieder denjenigen eine Stimme und Platz in den Medien geben, die wissen, wovon sie reden – die vielleicht sogar BEIDES kennen und nutzen?
    Was wir brauchen, sind mutige Zukunftsvisionen, nicht Wehleidigkeit über Hörensagen.

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