Ausländische Investoren an der Angel

Der Streit der Bischöfe mit Hugendubel um die Fortführung von Weltbildplus-Filialen scheint vom Tisch. Bei der Investorensuche macht Arndt Geiwitz Fortschritte, der Insolvenzverwalter soll dabei besonders im Ausland Interessenten gefunden haben. Doch die Zeit ist knapp.  
Kurz vor dem Wochenende hat das Erzbistum München nach einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ Hugendubel das 20-Mio-Euro-Darlehen gewährt, das verhindern soll, dass Weltbilds DBH-Partner im Insolvenz-Strudel mitgerissen wird. Die Summe solle in zwei Tranchen à 10 Mio Euro gezahlt werden. Weitere Details zum Deal – insbesondere ob Hugendubel einen teil der Filialen übernimmt – sind nicht bekannt. 
Der Münchner Filialist und Kirchenvertreter hatten zuletzt über die Konditionen des Kredits gestritten, laut „SZ“ wollte sich Maximilian Hugendubel entgegen ursprünglicher Bekundungen nicht darauf einlassen, einen Teil der Weltbildplus-Geschäfte zu übernehmen.
Während das Bistum in München Hugendubel unter die Arme greift, stützt das Bistum Augsburg, wie berichtet, die Weltbild-Zentrale mit einem 15-Mio-Euro-Massekredit. Der ist nötig, weil Lieferanten bei Insolvenzen in der Regel nur gegen Vorkasse liefern. Mit dem Geld können also die Waren vorfinanziert werden.
Übernahme bis Ende März unwahrscheinlich
Aus München dürfte Geiwitz zumindest in den kommenden Wochen also keine Hiobsbotschaften mehr hören, gleichwohl steht der Insolvenzverwalter weiter unter höchstem Druck – vorwiegend zeitlichem Druck. Es bleibt der schwierigste Teil seiner Mission, schon bis Ende März einen Käufer für Weltbild zu finden. Hintergrund: Die Gehälter der rund 2200 Weltbild-Mitarbeiter in Augsburg werden nur bis Ende März von der Arbeitsagentur übernommen (laut „Süddeutsche Zeitung“ sind das etwa 8 Mio Euro pro Monat). 
Nach den Interesse-Bekundungen von Lübbe und Advent/Thalia gibt es laut „SZ“ mindestens zwei international tätige Medienkonzerne, die sich einen Einstieg bei Weltbild vorstellen können. Der Insolvenzverwalter habe bereits erste Gespräche mit den Unternehmen über den Kauf von Weltbild geführt. 
Auf eines der Unternehmen sei Geiwitz selbst zugegangen. Geiwitz und die Weltbild-Vertreter favorisierten ausländische Investoren, weil sie davon ausgingen, dass diese die Verwaltung im Augsburger Stammhaus brauchten und diese daher nicht sogleich aus Gründen der Synergie abstoßen würden.
Doch so sehr Geiwitz aufs Gaspedal drückt, ein Deal in nur acht Wochen scheint unrealistisch – weshalb die bayerische Staatsregierung einspringen will, um die Übergangsphase ab März abzusichern. Geld wolle Regierungschef Horst Seehofer u.a. bei der Arbeitsagentur, beim europäischen Sozialfonds, bei Banken oder bei den kirchlichen Weltbild-Gesellschaftern besorgen.  „Wenn Weltbild ein Stück Zeit braucht, dann versuchen wir, das mitzugestalten“, zitiert die „SZ“ den Ministerpräsidenten nach einem Treffen mit Weltbild-Betriebsräten und Vertretern der Gewerkschaft Verdi (Foto). Weltbild sei „im Grunde“ ein „sehr gutes“ Unternehmen, müsse allerdings „neu strukturiert“ werden.

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