Dem Kindle geht die Puste aus

Vom Reader zum Tablet – Amazons Chef Jeff Bezos hat in den vergangenen Jahren viel Geld in die Hardware-Entwicklung gesteckt.

Seattle hat ein Problem, könnte das Fazit nach der Lektüre der neuen Amazon-Bilanz für 2013 sein. Während das gesamte Unternehmen weiterhin deutlich wächst, zeichnen sich außerhalb des US-amerikanischen Marktes besonders im Medien-Segment Probleme ab. Auch die Kindle-Hardware scheint an Attraktivität zu verlieren. An der Börse wurde Amazon prompt abgestraft. 

Die Amazon-Aktie brach nämlich nachbörslich um rund 10% ein, Börsianer verwiesen auf einen Hinweis von Amazon auf einen möglichen Verlust im laufenden Quartal (im Detail lautet die Prognose: Möglich sei ein Gewinn von 200 Mio Dollar bis hin zu einem Verlust in gleicher Höhe). Die Skepsis der Börsianer überrascht insofern, als Amazon in der Regel bei der Prognose einen breiten Korridor ansetzt, der von Plus bis Minus reicht.
Zunächst die Zahlen im Überblick:
4. Quartal 2013 (Weihnachtsgeschäft):
  • Konzernweit stieg der Umsatz um rund 20% auf 25,6 Mrd Dollar – knapp 500 Mio Dollar unter den Erwartungen von Analysten.
  • Den Netto-Gewinn konnte Amazon mehr als verdoppeln, auf 239 Mio Dollar.
Gesamtjahr 2013:
  • Der Umsatz stieg um 22% auf 74,5 Mrd Dollar.
  • Auch auf Ganzjahressicht legte Amazon unter dem Strich deutlich zu. 2012 schlug noch ein Netto-Verlust von 39 Mio Euro zu Buche, diesmal liegt der Onliner mit 274 Mio Dollar deutlich im schwarzen Bereich.
Analyse nach Territorien

Der Vergleich der Entwicklung der Amazon-Geschäfte in den USA und außerhalb des Heimatlandes zeigt große Unterschiede:

  • In den USA konnte Amazon den Umsatz im gesamten Jahr um 28% und im Weihnachtsquartal um 26% steigern.
  • Im „International“-Bereich (also außerhalb der USA: Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien, Australien, Brasilien, Japan, China, Indien) lagen die Wachstumsraten nur bei der Hälfte: 14% auf Jahressicht und 13% im Weihnachtsquartal. Die Wachstumskurve lag zudem deutlich unter Vorjahr (23% im Jahr 2012 bzw. 21% im Weihnachtsquartal 2012).
Analyse nach Warengruppen
Die Analyse der Warengruppen offenbart, wo Amazon jenseits der USA besonders Probleme hat: im Bereich Medien (u.a. E-Books, Musik, Filme):
  • In den USA wuchs das Segment deutlich um 18% (im gesamten Jahr 2013) bzw. 21% (Weihnachtsquartal), die Dynamik lag sogar über dem Vorjahr (15% bzw 13%).
  • International verzeichnete Amazon nur noch Mini-Zuwächse von 1% (2013) bzw. 3% (4. Quartal 2013). Auch bei der grundsätzlich starken „Elekronik & Co.“-Warengruppe flacht das Wachstum von Amazon international ab, im ganzen Jahr um 12 Prozentpunkte auf 23%.
Wo liegen die Ursachen?
Eine Erklärung für das internationale Schwächeln sind für Amazon ungünstige Wechselkurse – wenn man die herausrechnet, wuchs z.B. das Mediengeschäft 2013 international  immerhin um 7%. 
Doch darüberhinaus gibt es Anzeichen, dass Amazon mit dem ambitionierten Kindle-Programm hinter den Erwartungen zurückbleibt. Auffällig ist, dass im Bericht von Amazon an die Aktionäre kaum mehr von Kindle die Rede ist. Zwar verweist Amazon auf zahlreiche Neuerungen im vergangenen Jahr, darunter die Verleihbibliothek Kindle Owners’ Lending Library, deren Titelbestand von 250.000 auf über 475.000 Bücher stieg. Doch jegliche Aussagen zur Kindle-Entwicklung fehlen. Zum Vergleich: Im Vorjahr hatte Firmenchef Jeff Bezos noch geschwärmt, dass er jetzt den „Wandel“ sehe, den er erwartet habe: E-Books seien ein „Multimilliarden-Dollar-Geschäft“, das schnell wachse – 2012 um rund 70%.
Doch nicht nur bei den Medien, sondern auch auf der Hardware-Seite hat Amazon zumindest nach Einschätzung von Marktforschern Probleme. IDC sieht sowohl beim Absatz als auch beim Marktanteil der Amazon-Tablets Einbußen (während besonders Samsung stark zulegt). Demnach sank der weltweite Marktanteil von Amazon im 4. Quartal um über 2 Prozentpunkte auf 7,6% (siehe Grafik). IDC hat allerdings keine konkreten Verkaufszahlen, sondern erhebt nach eigenen Angaben die Zahl der Tablets, die international verschifft werden – wie viele in den Shops oder Geschäften verkauft werden, bleibt also unklar.

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