Partnerschaft im Wandel

In München trift sich die AG Publikumsverlage zu ihrer Jahrestagung. Im Interview spricht ihr Vorsitzender René Strien über Digitalisierung und die Zukunft des Sortiments.
Stehen die Publikumsverleger bei ihrer Tagung in diesem Jahr unter Weltbild-Schock?
Es gibt keinen eigenen Programmpunkt „Weltbild-Insolvenz“. Sicher beschäftigt uns Verleger die Frage, ob und in welchem Rahmen uns dieser Partner erhalten bleibt, und wir verfolgen aufmerksam die Gerüchteküche. Aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt in der Vorbereitungsphase des Insolvenzverfahrens, ist es ohnehin noch viel zu früh für substanzielle Aussagen. In den Gesprächen am Rande und in der offenen Fachdiskussion am Nachmittag werden Implikationen des Falles für die gesamte Branche aber sicher eine Rolle spielen.
Welche?
Der Fall Weltbild ist zwar in mancher Hinsicht nicht typisch für die gesamte Branche, zum Beispiel mit seinem komplizierten Verhältnis zwischen den kirchlichen Gesellschaftern und der Geschäftsführung oder der Besonderheit der Weltbild-Ausgaben. Aber abgesehen davon müssen wir über die Frage reden, wie das branchentypische Modell der engen Partnerschaft zwischen Verlagen und Buchhändlern auch in Zukunft tragfähig bleiben kann. 
Weil der Buchhandel als Partner wegbricht, während die Verlage ganz gut mit der Digitalisierung zurechtkommen?
Auch für die Verlage ist es ja nur theoretisch egal, ob sie ihre Inhalte in analoger oder in digitaler Form verkaufen. Praktisch erleben wir eine Zeit des Umbruchs und wissen nicht, wie die Verlagslandschaft von morgen aussieht und welche Verlagsformen und -marken den Wandel überstehen werden. Aber immerhin sehen wir in vielen Verlagen, wie wegbrechende analoge Umsätze durchs Digitalgeschäft aufgefangen werden, während es vor allem für kleine und mittlere Buchhändler deutlich schwieriger ist, ebenfalls von dieser Entwicklung zu profitieren. Auch für uns ist es eine wichtige Frage, dass sie ihre Chancen nutzen können. 
Warum?
Weil diese Buchhändler gerade bei der Verbreitung inhaltlich anspruchsvoller Verlagsprogramme vieles leisten können, was kein Algorithmus leisten kann. Trotzdem ist ihr Umsatzanteil bei uns in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen. Diesen Trend müssen wir umkehren.
Was können Verlage dafür tun?
Wir sind selber keine Buchhändler und haben folglich auch keine Patentrezepte. Aber Verlage können ihr Augenmerk stärker auf diese Sortimenter richten und direkte Partnerschaften mit innovativen unabhängigen Buchhandlungen ausbauen, von denen derzeit zum Glück auch wieder viele gegründet werden.
Zur Person: René Strien
Der Aufbau-Verleger ist seit drei Jahren Vorsitzender der AG Publikumsverlage, die sich in München trifft. Bei der Jahrestagung stellt er sich mit den beiden anderen Vorstandsmitgliedern Peter Krauss vom Cleff (Rowohlt) und Markus Klose (Hoffmann und Campe) turnusmäßig zur Wiederwahl.

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