Kampf gegen die Uhr

Seit dem Gang zum Insolvenzgericht und der gerichtlichen Gestellung von Arndt Geiwitz tickt für den vorläufigen Insolvenzverwalter die Uhr. Der Sanierungsexperte muss Geld besorgen, um eine Kettenreaktion zu verhindern. Und er muss schnellstmöglich Investoren finden. Dreh- und Angelpunkt der Diskussion ist derzeit Hugendubel. buchreport.de zeigt die Perspektiven für den Münchner DBH-Partner.

Nach einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ wollen die Bistümer München-Freising und Augsburg insgesamt 35 Mio Euro investieren: 15 Mio Euro, um den Betrieb in der Konzernzentrale Augsburg aufrecht zu erhalten, und 20 Mio Euro, damit die DBH, das Joint Venture mit Hugendubel, nicht ebenfalls in die Pleite stürzt. Hintergrund: Die Weltbild-Filialen sind eng mit der Augsburger Zentrale verflochten, sie verfügen über keine eigene Logistik und keine Lager, sind außerhalb des Multichannel-Ansatzes derzeit nicht überlebensfähig.
Überraschend erfolgt die Finanzspritze nicht, denn kurz nach Bekanntwerden der Insolvenz hatten sich die Bistümer schon bereit erklärt, 65 Mio Euro zur Verfügung zu stellen, teils, um Folgen für Mitarbeiter abzufedern, und teilweise für einen Massekredit, der eingesetzt wird, um den Geschäftsbetrieb am Laufen zu halten (und am Ende vorrangig zurückgezahlt wird).
Das Erzbistum München-Freising hat laut „SZ“ bereits in dieser Woche 20 Mio Euro aus dem Vermögen freigemacht, eine erste Tranche solle noch in dieser Woche angewiesen werden. Das Bistum Augsburg plane, der Insolvenzverwaltung einen Massekredit über 15 Mio Euro zu geben.
Angesichts der aktuellen Entwicklung ergeben sich für Hugendubel derzeit drei Szenarien:
  • Der Retter kommt: Der Insolvenzverwalter findet einen Investor, der das komplette Weltbild-Paket übernimmt, darunter der 50%-Anteil an der DBH. Diese Lösung wird derzeit von Geiwitz, Gewerkschaft und Betriebsrat favorisiert, ist aber ein schwieriges Unterfangen, das bereits 2008 und 2011 – wenn auch unter anderen Vorzeichen – gescheitert ist.
  • Hugendubel kauft zu: Der Filialist hat offenbar laut DBH-Satzung die Möglichkeit, bei einer Insolvenz die Anteile von Weltbild einzuziehen. Der Filialist würde demnach zumindest einen Teil der Weltbild-Filialen übernehmen, die dann vermutlich mit einem neuen Konzept und der Hugendubel-Marke fortgeführt würden. Große Frage: Kann Hugendubel – mit einem Investor? – die Übernahme finanzieren?
  • Hugendubel geht: Dieser Plan wurde über viele Monate vorbereitet, es liegt ein detaillierter Plan vor, wie Hugendubel aus der DBH herausgetrennt wird. Wäre die Weltbild-Geschäftsführung nicht vor zwei Wochen zum Insolvenzgericht gegangen, hätten sich die Münchner Ende Januar 2014 mit ihren Filialen aus der DBH verabschiedet. Hier die Frage: Lässt Insolvenzverwalter Geiwitz Hugendubel ziehen?

Kommentare

1 Kommentar zu "Kampf gegen die Uhr"

  1. … Hintergrund: Die Weltbild-Filialen sind eng mit der Augsburger Zentrale verflochten, sie verfügen über keine eigene Logistik und keine Lager, sind außerhalb des Multichannel-Ansatzes derzeit nicht überlebensfähig….

    Endlich offen ausgesprochene Worte…..

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