Allianzen sind häufig halbherzig

Random House und Penguin haben auf die Marktherausforderungen mit einer Megafusion geantwortet. Insgesamt war 2013 aber kein Boomjahr für Merger & Acquisition, analysiert der Berater Axel Bartholomäus.
Der strategische Druck auf Buchverlage und Buchhandel ist hoch. Warum gab es dennoch in Deutschland 2013 nur wenig Transaktionen?
Jeder Investor sucht eine gute Rendite bei möglichst niedrigem Risiko. Bei derart disruptiven Geschäftsmodellen, wie wir sie bei Buchverlagen und Buchhandel in der Folge von Digitalisierung und Globalisierung sehen, sind diese Erwartungen nur schwer zu realisieren. Investoren werden also wählerischer und die Kaufpreisangebote sinken. Das drückt die Zahl der realisierten Transaktionen.
Bleibt der Druck zu mehr Größe?
Bei den Verlagen wird der M&A-Markt davon getrieben, dass Umsatzwachstum fast ausschließlich nur noch durch Akquisitionen erreicht werden kann. Entsprechend setzt sich hier die Konsolidierung fort, teils durch Übernahme von gesamten Verlagen, teils durch Fokussierung auf einzelne Programmbereiche. Kleine und Kleinstverlage werden es künftig sehr schwer haben, denn sie sind auch vom Trend zu Selfpublishing gefährdet. 
Im Buchhandel hat bekanntermaßen selbst ein marktführender Anbieter wie Weltbild keinen Käufer gefunden. Und die Zeiten, in denen große Ketten noch lokale Buchhändler übernommen haben, sind lange vorbei.
Werden statt Übernahmen Allianzen wichtiger? Im Handel gibt es die Tolino-E-Book-Allianz und die an Gewicht gewinnenden Verbundgruppen. Auch im Verlagsbereich wird die Option engerer Kooperationen thematisiert …
Allianzen sind ein betriebswirtschaftlich sinnvolles Konstrukt und können Antworten auf das von ungleicher Marktmacht geprägte neue Umfeld liefern – theoretisch. Praktisch dagegen funktionieren sie, wenn überhaupt, mit dem Ziel von Kostenvorteilen für die Beteiligten. Zentrale, marktbezogene Antworten hat meines Wissens noch keine Allianz wirklich geliefert. Nicht zuletzt, weil die Beteiligten häufig zu halbherzig und von ihren Einzelinteressen geleitet sind. 
In der Branche wird auch über alternative Finanzierungsformen wie Börsengang und Crowdfunding diskutiert. Neue Perspektiven für eine mittelständisch geprägte Branche? 
Die Börse sucht heute doch ganz andere „equity stories“ als die traditionelle Welt der Bücher. Bastei Lübbe verfolgt eine Diversifikationsstrategie neben dem Verlegen von Büchern. Für einen klassischen Buchverlag ist das eine smarte Strategie, trotzdem war der Börsengang nicht gerade ein großer Erfolg, was weitere Börsengänge erschweren wird.
Crowdfunding könnte, soweit es sich auf Neuerscheinungen einzelner Titel bezieht, funktionieren, wenn es gelingt, die entsprechenden Communitys als Geldgeber zu motivieren. Als Finanzierungsform für ganze Verlage sehe ich es dagegen nicht.
Axel Bartholomäus war Banker und Leiter bei Mergers & Acquisitions (M&A) der WEKA-Firmengruppe, bevor er 2006 seine Beratungsfirma Bartholomäus & Cie. gründete. Bartholomäus wertet jährlich die Übernahmen und Beteiligungen im Medienbereich systematisch aus.

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