Vielleicht sind ganz andere die Gewinner

Die Weltbild-Insolvenz könnte dieselben Ursachen haben wie 2009 die Quelle-Pleite. Steffen Meier (Foto), AKEP-Sprecher und Online-Chef im Eugen Ulmer-Verlag, erkennt Parallelen:

„Eine Insolvenz ist keine „Pleite“ und (noch) betrifft diese nur die Verlagsgruppe Weltbild. Was aber schlimm genug ist angesichts der vielen Arbeitsplätze und menschlichen Schicksale, die hier auf dem Spiel stehen. 
Man könnte jetzt natürlich sagen, dass das Geschäftsmodell Versandhandel in der Buchbranche gescheitert ist, aber das Gegenteil ist der Fall. Glaubt man den kraftstrotzenden Äußerungen des Bundesverband des Deutschen Versandhandels (in dem ironischer Weise Weltbild ebenfalls Mitglied ist), laufen die Geschäfte so gut wie nie, und nach Bekleidung belegen Bücher den zweiten Platz auf der Liste der meistverkauften Güter. Eher treffen bei Weltbild dieselben Ursachen zu, die etwa 2009 zur Quelle-Pleite geführt haben: verfehlte Produktpolitik und zögerliches Engagement im E-Commerce, dem am stärksten wachsenden Vertriebskanal.
Jetzt bleibt also erst einmal abzuwarten, welche Rettungsmaßnahmen möglich sind und letztendlich auch ergriffen werden. Sollten diese aber scheitern, könnte es eng werden für die vielen Beteiligungen von Weltbild, etwa die Fillialen oder die digitalen Aktivitäten wie buecher.de, Pubbles, vor allem aber die Tolino-Allianz.
Und so schnell kann es gehen: Als 1994 die ersten drei Weltbild-Fillialen eröffneten, herrschte erst einmal Weltuntergangsstimmung im unabhängigen Sortiment. 20 Jahre später findet sich diesselbe Stimmung in der Gesamtbranche bei einer möglichen Abwicklung der etwa 400 Fillialen von DBH, der Buchhandelssparte von Weltbild. Wobei sich der eine oder die andere eine gewisse Häme nicht verkneifen kann und nun auf eine Stärkung des unabhängigen Sortiments hofft. Die Hoffnung kann aber schnell trügen, vielleicht werden hier ganz andere die Gewinner sein.
Auch die Karten im E-Book-Bereich könnten neu gemischt werden, wenn die Tolino-Allianz einen der drei Haupt-Akteure verlieren sollte. Und dies genau in dem Moment, in dem es schien, als könne doch jemand dem amazonischen Übergewicht Paroli bieten. Vielleicht findet dann doch eine Öffnung hin zu weiteren Partnern statt, und der Buchhandel oder mittelständische Fillialisten springen in die Bresche. Falls nicht, könnte es schnell gehen mit der weiteren Amazonisierung des jungen Pflänzleins E-Book.“

Kommentare

1 Kommentar zu "Vielleicht sind ganz andere die Gewinner"

  1. Sebastian Rudolf | 14. Januar 2014 um 23:57 | Antworten

    Da muss man Steffen Meier Recht geben. Vermutlich werden in den
    Strudel weitere Unternehmen gerissen. Es würde mich nicht wundern wenn pubbles zeitnah ebenfalls Insolvenz anmelden würde, da Weltbild die Umsätze nicht bezahlen kann und dann pubbles in der Pflicht gegenüber den Verlagen steht. Es wundert mich, dass da noch keine Fragen aufgetaucht sind.

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