Weltbild? Hoffnungslos

Die Insolvenz von Weltbild führt nach Einschätzung von Dorothee Junck (Foto, Buchladen Neusserstraße, Einzigundartig) zu einer Titelreduzierung und einer negative Presse. Doch es gebe die Chance auf ein neues Zusammenspiel zwischen Publikumsverlag und engagiertem Sortiment.
Wie schätzen Sie die Situation bei Weltbild ein?
Hoffnungslos.
Hat Weltbild eine Perspektive?
Nein, nicht mit dem bestehenden Geschäftsmodell.
Welche Folgen erwarten Sie für die gesamte Branche?
Titelreduzierung, eine negative Presse und die Chance auf ein neues Zusammenspiel zwischen Publikumsverlag und engagiertem Sortiment. Den letzteren Aspekt führe ich gerne aus: Gebetsmühlenartig hören die Sortimenter von Branchenteilnehmern in den letzten fünf Jahren „aus der Krise lernen, das Positive erkennen, die Veränderung suchen“. Durch den Wegfall von Weltbild werden sich die Verlagsumsätze um bis zu 20% reduzieren, laut Branchenpresse.

Nun dürfen alle lernen. Ein Anlass, dass wir das traditionelle Zusammenspiel zwischen engagiertem Sortiment und Verlag überdenken. Gerne in die Richtung, dass sich die Konditionen oder die Schatullen der WKZ’s auch dort einmal öffnen, wo kreativ und engagiert gehandelt wird. Ich bin davon überzeugt, dass man mit individueller Unterstützung schöne Titelerfolge im Sortiment erreichen kann. Ein Beispiel: In vielen Sortimenten gibt es regelmäßige Newsletter an stattliche Kundenkreise. Wissen die Verlage über die Größenordnung Bescheid? Gehen Sie diese aktiv an? Und ich meine jetzt nicht ein Vorschauangebot und die gleiche Offerte an mich und den Mitbewerber. „Ja wer soll das denn alles leisten?“ – Es hat sich langfristig auch nicht ausgezahlt, zu 55% zu liefern und schmerzhafte Sonderausgaben erscheinen zu lassen. Dann doch lieber den Blick auf den Spatz in der Hand, da gibt es viele, aktive und engagierte Buchhandlungen. Deren Geschäftsmodell hat Bestand, lässt sich aber bei steigenden Mieten und Personalkosten mit Rabattgefügen von 1960 nur bedingt aufrecht erhalten. 

Kommentare

2 Kommentare zu "Weltbild? Hoffnungslos"

  1. buecherfreundin | 14. Januar 2014 um 9:28 | Antworten

    Vielleicht könnten sich die verbleibenden Buchhändler mal wieder um Ihre Ware Buch kümmern, statt lauter randsortimnete zu bedienen.
    dann klappt das auch wieder ..wer seine fachkompetenz an amazon und co abgibt soll sich dann nicht wundern.
    bei weltbild gibt es ausser büchern den kompletten hausstand von der lampe ..warum meinen soviel buchhändler sie müssen DAS nach machen.
    ich würde gerne mal wieder eine richtige buchhandlung besuchen..und nicht an lauter kaufhausware vorbei mich zu den regalen durchkämpfen müssen.
    das nervt.
    deswegen ist es wohl auch manch anderem kunden lieber im netz gezielt zu suchen.
    gruß Buecherfreundin

  2. Jörg Braunsdorf | 13. Januar 2014 um 16:30 | Antworten

    55% und Rabattgefüge von 1960. Kooperationsformen zwischen engagiertem Sortiment und Verlagen. Stimmt – oder was stimmt nicht! Ich lass mal (nur) zwei Versuchballons los:
    1. Internetlogistiker beziehen von vielen Publikumsverlagen 55%, Übernahme der Bezugskosten und mehr. Wenn Sortimenter Büchertische durchführen erhalten sie 40 – 45%, Portogebühren fallen an, dazu die Kosten für den Bücherwagendienst. Und dann nutze ich das Auto, riskiere eine Strafzettel, verbringe meinen Abend nutzbringend für das Buch und muss dann noch mit Bearbeitungsgebühren und Abschlägen für gebrauchte Bücher rechnen. Verlage halten den Vertriebssäckel zusammen, haben aber keine Probleme für kräftige Summen die Kneipe danach zu übernehmen. Verlage dreht an der richtigen Schraube!
    2. Verlage sollten Ihre Autoren und Mitarbeiter briefen. Wie gehe ich mit Buchhändlern bei Tischen und Veranstaltungen außerhalb der Buchhandlung um? Wie oft werden Tische in entlegene Ecken gedrängt, was zu überflüssigen Debatten führt. Autoren kommen nicht zum Tisch, ignorieren ihre eigenen Bücher, als ob ihnen der Verkauf peinlich wäre, Verlagsmitarbeiter erwähnen bei Buchpräsentationen weder die Buchhandlung, noch die Tatsache, daß das brandneue Buch vor Ort ist.
    Und manche schaffen es sogar vor Ort auf die Präsenz des Buches bei Internetlogistikern zu verweisen. Alles schon erlebt.
    Kultur + Inhalte ja – Verkauf igitt!?
    Ich belasse es bei den 2 Beispielen, es gibt so viele andere.
    Grüsse, Jörg Braunsdorf

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