Weltbild meldet S.O.S.

Jetzt ist es offiziell: Die Verlagsgruppe Weltbild hat den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Der vorläufige Insolvenzverwalter ist der Wirtschaftsprüfer Arndt Geiwitz von der Augsburger Kanzlei Schneider Geiwitz & Partner. Der Geschäftsbetrieb soll in Abstimmung mit Geiwitz fortgeführt werden.

Ein wesentlicher Auslöser sei der Umsatzrückgang des 1. Halbjahres des Geschäftsjahres 2013/14 (Juli-Dezember 2013), obwohl der Dezember über Planniveau gelegen habe, meldet Weltbild. Das für die kommenden drei Jahre erwartete geringere Umsatzniveau verdoppele den Finanzierungsbedarf bis zur Sanierung.

Zunächst hatte das „Handelsblatt“ berichtet, dass es einen neuen Dissens unter den Kirchen-Gesellschaftern gegeben habe. Vertreter der katholischen Kirche hätten sich in der Nacht zum Freitag nicht auf eine weitere Finanzierung des angeschlagenen Medienkonzerns einigen können. Das bestätigt Weltbild. Aus diesem Grunde und dem damit verbundenen Wegfall der Fortführungsprognose sei „zum Bedauern der Geschäftsführung eine unverzügliche Antragstellung unausweichlich“ gewesen. Von der Insolvenz nicht betroffen sei das Filialgeschäft (das unter dem Dach von DBH, dem Joint Venture mit Hugendubel angesiedelt ist) sowie das Geschäft in Österreich, der Schweiz und bei buecher.de.

Die zwölf Bistümer, Soldatenseelsorge Berlin und der Verband der Diözesen Deutschlands haben sich also nicht auf eine gemeinsame Linie zur Zukunft von Weltbild verständigen können. Die Banken hätten in den vergangenen Stunden den Stecker gezogen, zitiert das „Handelsblatt“ einen Verhandlungsteilnehmer. 

Finanzierungsbedarf im niedrigen dreistelligen Mio-Bereich?

In den Wochen rund um die Frankfurter Buchmesse hatten die Kirchen-Gesellschafter bereits intensiv über neue Geldspritzen für Weltbild diskutiert. Damals hieß es, die drohende Insolvenz sei abgewendet worden, mit Zusagen über neues Kapital in Höhe von etwa 60 Mio Euro. Aus Unternehmenskreisen hieß es damals gegenüber buchreport, dass der gesamte Finanzierungsbedarf im niedrigen dreistelligen Mio-Bereich liege. Die Geschäftsführung erklärte daraufhin: „Wir haben die verlässliche Erkenntnis, dass das Unternehmen im notwendigen Umfang von den Gesellschaftern gestützt wird“. Im 1. Quartal 2014 werde voraussichtlich eine neue mittelfristige Finanzplanung stehen.

Von der Summe der zugesagten Geldmittel hing ab, ob Kredite der  Banken von Weltbild, allen voran die kirchlichen Institute Liga (Regensburg) und Pax (Köln), abgesichert werden können – was inzwischen nicht mehr der Fall ist.

Geplant hatten die Kirchen-Gesellschafter Ende des Jahres, dass einige Gesellschafter wie das Erzbistum München und Freising sowie die Soldatenseelsorge Berlin an Bord bleiben und einen Großteil der zugesagten 60 Mio Euro zuschießen. Das Gros der Anteilseigner wollte sich dagegen im Zuge eines Kapitalschnitts verabschieden.

Ein Kapitalschnitt ist eine radikale Sanierungsmaßnahme, bei der das Grundkapital eines Unternehmens zunächst nominell gesenkt wird, um Bilanzverluste aus der Bilanz zu tilgen. Dann erfolgt eine Kapitalerhöhung, bei der neue Investoren an Bord geholt werden und der Firma frisches Geld zufließt.

Was ist das Problem von Weltbild?

Der Streit der Kirchen-Gesellschafter um die Finanzierung verdeckt den eigentlichen Konflikt bei Weltbild: die umstrittene Frage nach der Neuausrichtung des Konzerns. Bislang hat die Geschäftsführung nur vage skizziert, dass Weltbild zu einem primären Online-Unternehmen mit unterstützenden Multichannel-Ablegern (Filialen, Katalog) weiterentwickelt werden soll. Mehrere Arbeitsgruppen im Konzern feilen derzeit an den Details, doch grundsätzlich zweifeln viele Mitarbeiter an diesem Kurs, der darauf hinausliefe, Amazon nachzuahmen, ohne dabei die traditionellen Stärken des Unternehmens zu berücksichtigen.

Statt im Wettbewerb mit der „Liefermaschine Amazon“ auf die eigenen Buchhändler-Tugenden – wie Auswahlkompetenz oder Gespür für die Wünsche der Kunden oder Trends setzen – zu fokussieren, wolle Weltbild mit einem Technologie-Unternehmen konkurrieren, das seine IT-Systeme „mit vielen Millionen Dollar jährlich“ schmiere und ihre Logistik-Zentren „mit dem Schweiß der Angestellten, die dort zu brutalen Bedingungen schuften müssen“, betreibe, so heißt es in einer Zeitung des Betriebsrats. Mehr zu diesem Punkt in einem Kommentar im buchreport-Blog.

Alle Infos zur Entwicklung bei Weltbild in unserem Dossier

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