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Leipziger Buchmesse mit Programmschwerpunkt Polen, Ukraine und Belarus

Zum dritten und letzten Mal widmet die Leipziger Buchmesse einen Schwerpunkt der Literatur aus Polen, der Ukraine und Belarus. 
„tranzyt. kilometer 2014: Literatur aus Polen, der Ukraine und Belarus“, so heißt ein Programmschwerpunkt auf der Leipziger Buchmesse im März. Zum dritten Mal in Folge werden Autoren aus diesen drei Ländern dem Publikum in Leipzig und den deutschsprachigen Medien vorgestellt. Es warten 4 spannende Messetage mit zahlreichen Diskussionsveranstaltungen und Lesungen in denen sich über zwanzig Autoren präsentieren. 
„Das gesamte tranzyt Programm ist kulturell und politisch äußerst spannend, nicht nur für Literaturliebhaber, sondern auch für deutsche Verleger, Buchhändler und Übersetzer“, erklärt Oliver Zille, Direktor der Leipziger Buchmesse. „Was erfolgreich begann, wird auch im kommenden Jahr mit einem umfangreichen Programm fortgesetzt. Alle drei Länder haben exzellente Autoren, die es lohnt, einer breiteren Öffentlichkeit hierzulande vorzustellen“, ergänzt Zille. 
„Die dramatischen Ereignisse in der Ukraine, in denen Hoffnung, aber auch Empörung, Begeisterung, aber auch Wut zum Ausdruck kommen, zeigen einmal mehr, wie wichtig es ist, die Vorgänge in der östlichen Hälfte Europas aufmerksam und anteilnehmend zu beobachten. Sie gehen uns direkt an. Nicht nur die politischen Ereignisse, sondern auch die Literatur, die bei tranzyt naturgemäß im Mittelpunkt steht“, sagt Martin Pollack, Kurator des Programmschwerpunktes. 
Von den neuen Namen, die 2014 vorgestellt werden, seien hier einige herausgegriffen: So Szczepan Twardoch aus Polen, dessen Roman „Morphin“ im März, rechtzeitig zur Buchmesse, erscheinen wird. Außerdem dabei ist die ukrainische Autorin Oksana Forostyna, die mit ihrem Debutroman „Duty free“ in ihrer Heimat Furore gemacht hat (es gibt noch keine deutsche Übersetzung), ebenso wie die weißrussischen Schriftstellerinnen Vera Burlak und Maryia Martysevich, die einmal mehr unter Beweis stellen, dass Belarus auf dem Gebiet der Lyrik viel zu bieten hat. 
Der vergessene Krieg
Eines der wichtigsten Themen des Programmschwerpunktes wird der Erste Weltkrieg sein. Polen, die Ukraine und Belarus waren wichtige Schauplätze des Krieges, der diese Länder mit all seinen Folgen heimsuchte. Trotzdem hat es den Anschein, als würde der Erste Weltkrieg gerade in der Ukraine und Belarus heute weitgehend ausgeblendet. Wie kommt das? Welche Rolle spielt der Erste Weltkrieg in den Diskursen dieser Länder? Wie weit hat der Krieg die Literatur beeinflusst? Drei herausragende Historiker und Publizisten, Yaroslav Hrytsak aus der Ukraine, Robert Traba aus Polen und Uladzimir Lachouski werden darüber diskutieren. 
In einer zweiten Veranstaltung zu diesem Thema soll, in Kooperation mit Traduki (S. Fischer Stiftung), an wichtige, im deutschen Sprachraum weitgehend unbekannte oder vergessene osteuropäische Autoren aus jener Zeit erinnert werden, wie etwa den serbischen Schriftsteller Miloš Crnjanski oder den weißrussischen Romancier Maksim Harecki. Zwischen den Lesungen literarischer Texte sprechen Autoren wie Juri Andruchowytsch (Ukraine). Svetlana Slapšak (Serbien/Slowenien), Vera Dziadok (Belarus) und Selvedin Avdić (Bosnien und Herzegowina) über die Erfahrungen und Folgen des Krieges. 
Protestbewegungen
Protestbewegungen sind, nicht nur in der Ukraine, wichtige Wegbereiter für die Entwicklung einer lebendigen Zivilgesellschaft. Das gilt selbstverständlich nicht nur für die Literatur. Der Kulturwissenschaftler Vasyl Cherepanyn, Leiter des Zentrums für visuelle Kultur in Kiew, weiß aus eigener Erfahrung, wie rabiat die Vertreter der Macht auf Initiativen reagieren können, in denen traditionelle Wertvorstellungen der herrschenden Eliten in Frage gestellt werden. Die junge polnische Publizistin Karolina Wigura ist eine Mitbegründerin der Internetzeitschrift „Kultura liberalna“, eines wichtigsten intellektuellen Diskussionforums in Polen, Maryia Martysevich aus Belarus kann das Problem aus einer wieder anderen Perspektive beleuchten. 
Der Blick nach Rechts
Rechte Bewegungen sind keineswegs nur im östlichen Europa bekannt, sondern auch in Deutschland und anderswo. Sie zeichnen sich aus durch ein fatales Gemisch aus Nationalismus, Fremdenhass, Antisemitismus, einem marktfeindlichen Populismus usw. Ihren Nährboden bilden nicht selten Arbeitslosigkeit und soziale Benachteiligung. Wie reagieren die Gesellschaften in der Ukraine und Polen auf solche Bewegungen, die sich gern auf Vorbilder aus der Vergangenheit berufen? Wie reagieren Autoren auf diese Bedrohung der demokratischen Gesellschaft? In Belarus existieren keine rechtsradikalen Formationen – aber bedeutet das, dass es keinerlei Ansätze zu so einem Denken gibt? Ist die Gesellschaft, auch die Literatur, tatsächlich dagegen gefeit? Der dritte Schwerpunkt des Programms nimmt sich diesem Thema an. 
Auch 2014 soll der Blick über die Literatur hinaus erweitert werden und an einem Beispiel zeigen, welcher Stellenwert der visuellen Kunst, etwa der Fotografie, in diesen Ländern zukommt. Präsentiert wird deshalb der von Matthias Harder (Kurator der Helmut Newton Stiftung in Berlin) und dem belarussischen Fotografen Andrei Liankevych herausgegebenen Band „BY NOW. Contemporary Photography from Belarus“. Beispielhaft werden daraus Aufnahmen der jungen belarussischen Fotografin Alexandra Soldatova zu sehen sein, die in Leipzig anwesend sein wird. 
„Einiges haben wir mit den ersten beiden Jahren von tranzyt erreicht: es ist uns gelungen, die Aufmerksamkeit für die Literaturen unserer östlichen Nachbarn zu schärfen und auf neue Namen und Titel neugierig zu machen, doch es gibt noch unglaublich viel zu entdecken. Großartige Klassiker, aber auch junge, frische Autoren, die es verstehen, uns ihre Länder näher zu bringen. Vor allem was die Ukraine und Belarus angeht, stehen wir am Anfang. Polen spielt dabei die wichtige, unersetzliche Rolle eines Vermittlers zwischen Osten und Westen“, sagt Pollack. 
Über Martin Pollack
Martin Pollack ist Autor, Übersetzer und Träger des Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 2011. Der Österreicher beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit den literarischen Landschaften in Mittel- und Osteuropa. Er berichtete als Korrespondent des Spiegels aus Warschau, schrieb zahlreiche Essays und greift immer wieder die jüngste europäische Geschichte in seinen Romanen auf. Zudem übersetzt er aus dem Polnischen und vermittelt zwischen Autoren und deutschen Verlagen. 
tranzyt ist ein Projekt der Leipziger Buchmesse, der Robert Bosch Stiftung und der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit in Kooperation mit der Rinat Ahmetov Stiftung „Rozvytok Ukrajiny“, der Allianz Kulturstiftung, dem Lemberger Verlegerforum, dem Polnischen Buchinstitut, dem Polnischen Institut Berlin – Filiale Leipzig und dem Goethe-Institut Minsk. Koordiniert wird das Programm von der Kulturmanagerin Kateryna Stetsevych. 

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