Dann sterben Buchhandlungen den Massentod

Nach dem „Stern“ widmet sich heute auch der SPIEGEL (Ausgabe 51/2013) groß und breit dem Thema Amazon. Der Buchhandel wird darin als Beispiel aufgeführt, wie Amazon eine ganze Branche in Griff bekommt. Das Ende dieser Entwicklung sei noch längst nicht erreicht, eine „ruinöse Kettenreaktion“ drohe.
Als Beispiel für die Dominanz von Amazon verweist der SPIEGEL darauf, dass selbst große Publikumsverlage dem Online-Händler inklusive Werbekostenzuschüsse Rabatte von knapp 60% einräumten, dies seien zehn Prozentpunkte mehr als das, was der normale Buchhändler erhalte. Perspektivisch fürchteten Verlage und Buchhändler derzeit am meisten, dass die Buchpreisbindung aufgeweicht werden könnte. „Die Regel wäre faktisch erledigt, wenn Amazon bei elektronischen Büchern einen Preiskrieg anzetteln würde. Der würde auch die Preise für gedruckte Bücher drücken – eine ruinöse Kettenreaktion. Rechtlich wäre das heute schon zulässig, sagen Verlagsjuristen. Vermutlich halten Amazon bloß die eigenen fetten Margen im Geschäft mit gedruckter Lektüre davon ab.“ Der SPIEGEL zitiert einen „Verlagsmann“ mit den Worten: „Aber wenn die das wollen, können sie von heute auf morgen den Schalter umlegen – und dann sterben Buchhandlungen den Massentod“.
Hintergrund der Befürchtungen: Die EU-Kommission hat zwar ausdrücklich erklärt, dass nationale Buchpreisbindungen unberührt bleiben. Die Preisbindung gilt aber nicht für den grenzüberschreitenden Handel zwischen EU-Staaten. Die entscheidende Frage: Was tun, wenn ein Händler von Luxemburg aus im großen Stil preisfreie E-Books an deutsche Kunden verkaufen würde?
Entsprechend besorgt hatte sich Kiepenheuer & Witsch-Verleger Helge Malchow im Sommer in der „FAZ“ geäußert: Die Hauptgefahr für die fixen Preise liege in der fehlenden gesetzlichen Klarstellung durch die Bundesregierung, dass die Preisbindung auch für E-Books sowie im grenzüberschreitenden Handel gelten müsse. Könnten E-Book-Händler die Preise frei festlegen, warnte Malchow seinerzeit, dann wäre der „gesamte positive Preisbindungseffekt überhaupt zerstört“, weil die „unkontrollierte Verschiebung“ der Bücherverkäufe von Print in den E-Book-Sektor viele traditionelle Buchhändler aufgeben müssten. „Damit würde die Preisbindung für sie zur Fessel statt zur kulturellen Schutzwand.“

Kommentare

3 Kommentare zu "Dann sterben Buchhandlungen den Massentod"

  1. Am Rande: das Thema ist ja nicht neu, gab im März 2013 bereits einen Einwurf zu diesem Thema von Kulturstaatsminister Bernd Neumann, ich selbst (Achtung: Eigenwerbung 😉 habe mich auch vor geraumer Zeit damit beschäftigt:
    http://meier-meint.de/2013/07/

  2. „10% mehr als der normale Buchhandel erhalte…“
    Überglücklich ist der Buchhändler schon, wenn er 40% erhält.

  3. Es gibt im Gesetz im Paragraph 4 einen Passus: „Der nach § 5 festgesetzte Endpreis ist auf grenzüberschreitende Verkäufe von Büchern innerhalb des Europäischen Wirtschaftsraumes anzuwenden, wenn sich aus objektiven Umständen ergibt, dass die betreffenden Bücher allein zum Zwecke ihrer Wiedereinfuhr ausgeführt worden sind, um dieses Gesetz zu umgehen.“. Wiedereinfuhr könnte man ja zumindest anführen, wenn Amazon von Luxemburg aus Titel deutscher Verlage wieder einführt. Klingt beim Thema E-Book skurril, wäre dann aber wohl anwendbar. Vermutet der Nicht-Jurist Meier.

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