Top-10-Verlag an der Angel

In den Niederlanden hat sich der stärkste Internethändler des Landes, ein großer Verlag und ein Selfpublishing-Experte verbündet. Jetzt will Mijnbestseller.nl auch den deutschen Markt aufrollen. Im Interview erklärt Geschäftsführer Pierre Vroomen, wie er besonders Amazon den Wind aus den Selfpublishing-Segeln nehmen möchte.
Im Juli 2013 war Bravenewbooks.nl an den Start gegangen, eine Selfpublishing-Plattform, die von Bol.com, dem Verlag Singel Uitgevers und dem Selfpublishing-Experten Mijnbestseller.nl gesteuert wird. In Deutschland ist das niederländische Unternehmen mit dem Portal meinbestseller.de aktiv. Hier mehr zum Deutschland-Start.
Sie wollen Amazon mit Ihren Aktivitäten Wind aus den Selfpublishing-Segeln nehmen. Wie kann das gelingen? 

Das Angebot der Selfpublishing-Konkurrenz ist inzwischen interessanter als das von Amazon. Zwar kann man bei Amazon auf die gesamte Wertschöpfungskette zurückgreifen, aber dafür ist der Selfpublishung-Bereich in zwei Marken gesplittet: Bei Kindle Direct Publishing kann man nur E-Books veröffentlichen, bei CreateSpace gedruckte Bücher. Das ist für den Verbraucher kaum zu durchschauen und aus Marketingsicht nicht optimal. Zudem vertreibt Amazon nur über die eigenen Kanäle und bietet Autoren nicht unmittelbar die Möglichkeit, breiter im Markt präsent zu sein. Der Support ist teilweise noch auf Englisch und die Benutzerfreundlichkeit wird durch den vergleichsweise komplizierten Veröffentlichungsprozess, darunter die schwerfällige Covergestaltung und die Auseinandersetzung mit amerikanischem Recht eingeschränkt. Insofern gibt es im Selfpublishing-Bereich qualitativ bessere und einfachere Alternativen auf dem deutschen Markt.


Wo große Teile des Kuchens unter den Selfpublishing-Plattformen schon verteilt sind. Wie wollen Sie noch ein Stück ergattern?

Wir sind anders, wir verlangen vom Autor nur eine E-Mail-Adresse und ein Passwort, schon kann er die Plattform nutzen, das ist mit Blick auf die Datenschutzdebatte ein großer Vorteil. Kontodaten und Adresse verlangen wir erst, wenn das Buch veröffentlicht werden soll. Es gibt keine Basiskosten oder jährliche Beitragsgebühren. Auch ist der Autor nicht vertragsgebunden und kann sich jederzeit entscheiden, zu einem Verlag zu wechseln, wenn er den Eindruck hat, dort besser bedient zu werden oder mehr zu verdienen. Unterscheiden tun wir uns vor allem auch durch die vielen Marketingtools für Autoren die wir kostenlos als Service anbieten, wie z.B. eine Gratis-Internetseite pro Autor, Tipps und Tricks zur Buchpräsentation, Aufbauen von Fangruppen, etc. Dieses Komplettpaket macht uns auch für Kooperationspartner attraktiv. 


Als Art White-Label-Angebot für Verlage, die in den Selfpublishing-Markt einsteigen?

Genau. Die Verlags-Partner brauchen nicht in Vorleistung zu gehen, um eine Plattform aufzubauen. Unser Modell ist flexibel und kann auch um zusätzliche Optionen angereichert werden.


Wie verdienen Sie Geld?

Autoren, Verlage und wir erhalten eine Umsatzbeteiligung pro verkauftem Buch. Bis auf eine geringe Support-Gebühr, die wir auf die Partner verteilen, gibt es keine Pauschal-gebühren, die der Verlag zahlen müsste. 


In den Niederlanden haben Sie mit Singel Uitgevers bereits einen Qualitätsverlag gefunden, der für Selfpublisher Dienstleistungen anbietet und so die Inhalte veredelt. Wie weit sind Sie denn auf dem deutschen Markt bei der Partnersuche? 

Wir kooperieren zurzeit mit einem ersten Regionalverlag aus dem Sauerland, W.O.L.L. , der jedes Manuskript und jeden Autor noch überprüft. im Ersten Quartal 2014 wird eine sehr interessante und spezialisierte Plattform mit einem Top-10-Verlag im deutschen Markt lanciert. Weitere Kooperationen werden in 2014 folgen. Über unsere eigene Plattform arbeiten wir mit freien Dienstleistern zusammen, mit denen wir gute Erfahrungen gemacht haben bzw. die gute Referenzen vorweisen können und somit auch die Inhalte verbessern können.


Welche Erkenntnisse konnten Sie aus ihrer Kooperation in den Niederlanden ziehen? 

Das Modell funktioniert. Mittlerweile gibt es schon die ersten Bestseller; wir rufen Wettbewerbe aus, über die neue Bestseller generiert worden sind. Auch die Synergie zwischen Verlags- und Vertriebskanal funktioniert. Viele Autoren nutzen die Zusatzdienstleistungen – nicht über Standardpakete, die man abnehmen muss, sondern aus freien Stücken. Der Singel Verlag bestreitet mit Dienstleistungen die Hälfte des Umsatzes, den er über die Plattform erwirtschaftet. So sind auch die Mitarbeiter des Verlags besser ausgelastet. 


Wie reagieren die Mitarbeiter darauf, dass sie nicht nur für das eigene Verlagsprogramm arbeiten, sondern auch für Selfpublisher?

Das müssten Sie die Mitarbeiter fragen. Im Selfpublishing-Bereich gibt es gute und schlechte Titel, entsprechend macht es ihnen mal mehr, mal weniger Spaß.

Der Unterschied ist doch: Bei einem schlechten Buch würde der Verlag das Buch normalerweise ablehnen, als Dienstleister aber muss der Verlag das Buch betreuen, weil der Autor dafür bezahlt hat.

Nein, nicht grundsätzlich. Der Verlag hat bei unserem Modell immer die Möglichkeit, das Buch abzulehnen. Dann erscheint der Titel ohne Lektorat, oder er wird von einem anderen freien Dienstleister überarbeitet. 

Wie wird sich der Markt weiterentwickeln?

Ich sehe zwei Richtungen: Es wird weiter Plattformen geben, auf denen alle Genres angeboten werden. Und es wird vermehrt spezialisierte Plattformen geben, die versuchen, für ihre Nische und ihre Autorengruppe neue Wege zu finden. Mit Selfpublishing wird der Veröffentlichungsweg weiter demokratisiert, in allen Bereichen und für jede Nische. Die Berechtigung der großen Verlage sehe ich hauptsächlich in ihrer Möglichkeit, in Autoren zu investieren. Das ist auch genau der Grund, wieso wir überzeugt sind von den Möglichkeiten, die es gibt, zusammen mit dem traditionellem Verlagswesen neue innovative Geschäftsmodelle zu entwickeln, die für beide Seiten interessant sind. 

Kommentare

2 Kommentare zu "Top-10-Verlag an der Angel"

  1. Naja, da hab ich aber wirklich ganz andere Erfahrungen, denn wer bei Amazon auch nur ein Farbbild in seinem Buch wünscht, der zahlt direkt das 5-Fache. Damit wirds dann direkt extrem teuer. Kommt bei mir gar nicht in Frage. Außerdem ist für mich als einfache Hobby-Autorin nicht mal Preis durchschlaggebend, sonder Qualität. Die Buchqualität bei CreateSpace ist unvergleichbar mit z.B. Meinbestseller.de oder ePubli . Ganz zu schweigen von den Lieferzeiten. Einfach Katastrophe. Und zum Thema Umschlagdesigner, da geb ich meinbestseller.de schon recht. Der hat mich bei CreateSpace fast zum verzweifeln gebracht, aber vielleicht bin ich dafür auch einfach ungeeignet;)

  2. Warum sollte das Angebot von meinbestseller.de für Selfpublisher attraktiv sein? Die resultierenden Preise für eBooks und Printbücher liegen bei gleichen Tantiemen schon dann nicht nur marginal, sondern deutlich über denen Amazons, wenn man sie nur über die Plattform absetzen möchte. Zielt man auch auf den Buchhandel und dessen Plattformen werden sie reichlich utopisch. Ich würde annehmen wollen, dass man ein (Print)Buch über Amazon für 10 Euro deutlich besser wird absetzen können, als über Buchhandelsplattformen via meinbestseller.de für beinahe den doppelten Preis. (Ähnliches gilt für eBooks) Die Akzeptanz beim Leser muss vorhanden sein und die geht über den Preis.
    Zudem: was oben über Covergestaltung steht ist schwer nachvollziehbar, warum sollte die bei Amazon „schwerfälliger“ sein, als bei meinbestseller?
    Alles in allem viel Marketinggetöse ohne substanziell besseres Angebot – in meinen Augen sogar im Gegenteil.

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