Michael Stühr: Ein Gütesiegel für E-Books

Michael Stühr: Ein Gütesiegel für E-Books

Ebenso inflationär wie Apps kommen immer mehr E-Books auf den Markt. Wie können wir denn als Leser deren Qualität erkennen, und können wir uns in Zukunft noch auf Verlage als Garant für Qualität verlassen? Brauchen wir nicht ein Gütesiegel für E-Books?

Zwei Sätze in einem Brief eines Schulfreundes haben mich stutzig gemacht. Er schrieb: „Der Verkauf meiner E-Books ist mir nicht so wichtig, zumal ich von der Qualität selbst nicht überzeugt bin. Es ist mehr so das Gefühl, Kinder in die Welt gesetzt oder ein Apfelbäumchen gepflanzt zu haben.“ Früher war es das gedruckte Buch, dann kam das Fernsehen und jetzt vielleicht E-Book und YouTube. Wer sich einmal in einem dieser Medien verewigt hat, wird unsterblich. Und das Schönste dabei ist, ebenso wie jeder mehr oder minder begabte Künstler heute für kleines Geld Musik und Videos aufnehmen und auf YouTube veröffentlichen kann, so kann jeder Möchtegern-Autor ohne Probleme inzwischen seine Werke mit geringem Aufwand im Netz anbieten. Letzteres wird dann sogar noch unter dem Namen Self-Publishing zum Publikumshype und gleichzeitig zum Horror etablierter Verlage. Bei meinem Schulfreund allerdings zweifle ich nicht an der inhaltlichen Qualität seiner Werke im Netz, weil ich weiß, wie sorgfältig er bei seinen Veröffentlichungen vorgeht.

Wo bleiben wir da als Leser? Wie sollen wir die Relevanz und Qualität digitaler Medien erkennen können?

Bleiben wir zuerst bei den Büchern. Gedruckte Bücher haben per se einen Wert, weil Autor und Verlag sich vorher gut überlegen, ob der Inhalt den Aufwand und die Kosten, das Buch drucken zu lassen, lohnt. Als eines meiner „Frühwerke“ 1977 gedruckt wurde, stand ich die ganze Zeit neben der Druckmaschine und habe den Drucker mit meinen Verbesserungswünschen genervt. Jede Zeile des Textes war mindestens zehn mal Korrektur gelesen, der fertige Fotosatz dreimal kontrolliert. Alle Bilder waren sorgfältig ausgesucht und reprographiert und mussten die „richtige“ Farbführung im Druck haben. Kurz: Da die Kosten für gedruckte Bücher hoch sind, kann man davon ausgehen, dass alle Beteiligten beim Publizieren einigermaßen sorgfältig vorgehen.

E-Books dagegen haben erst einmal keinen solchen impliziten Wert. Niemand kann auf Anhieb erkennen, ob das Werk mit Sorgfalt lektoriert, redigiert und korrigiert wurde oder einfach nur ein digitaler Texthaufen ist. Ob es liebevoll produziert oder lieblos auf den Markt geworfen wurde. Selbst Leseproben führen hier nicht unbedingt zur Erkenntnis. Also benötigen wir Leser an dieser Stelle Hilfe.

Dafür gab es doch bisher eigentlich die Verlage. Die Wahrheit ist aber, dass diese aufgrund von Konzernstrukturen und (vorgeschobenen) Kostengründen vielfach ihre eigentliche Aufgabe heute nicht mehr adäquat wahrnehmen, nämlich sorgfältig zu lektorieren, redigieren und korrigieren. Ein Beispiel: Ein großer Schulbuchverlag oder besser die entsprechende Verlagsgruppe kauft einen weiteren Verlag dazu und stellt fest, dass dieser seine Bücher erheblich günstiger im Ausland produziert. Also werden alle Herstellungsabteilungen in Deutschland aufgelöst, langjährige Mitarbeiter entlassen und die Produktion nach Indien verlagert. Jeder, der sich ein bisschen mit Off-Shore auskennt, weiß, dass das langfristig nicht funktioniert. Jedenfalls nicht in der bisherigen Qualität, die durch die langjährigen Mitarbeiter mit ihrer Erfahrung sichergestellt wurde. Außerdem geht der Preisvorteil durch aufwendige Abstimmungsprozesse und aufgrund von Reibungsverlusten durch Sprach- und Kulturunterschiede verloren. Ich weiß, wovon ich spreche, haben wir doch vor Jahren ein unseliges Softwareprojekt mit Russland versucht. Die Ergebnisse waren die Forderung der russischen Auftragnehmer nach immer mehr Geld, ein unbrauchbarer Code und sehr viel unnötige Verwaltungs- und Prüfarbeit. Von den E-Mail-Kaskaden mal ganz abgesehen…

Wenn sich dieser Trend fortsetzt, können wir uns sogar bei gedruckten Büchern aus Großverlagen nicht mehr auf die Qualität verlassen, da das gedruckte Buch immer noch das Hauptgeschäft ist und „reine“ E-Book-Projekte erst nach und nach realisiert werden.

Doch zurück: Wie sollen wir als Leser also herausfinden, ob ein E-Book sorgfältig erstellt wurde?

Nun ja, als erstes haben wir doch die sozialen Netzwerke, die einen Anhaltspunkt geben können. Damit wird zwar keine schlechte Qualität verhindert, aber zumindest bloßgestellt. Leicht kann sich die Schwarmintelligenz aber auch im großen Ozean verirren oder in die Fänge von Meinungshaien geraten. Besser wäre da eine unabhängige Stelle, die die sachliche Qualität der E-Books beurteilen kann. Selbstverständlich nicht inhaltlich, was einer Zensur gleichkäme, sondern rein nach Sorgfaltsgesichtspunkten in Form eines Qualitätssiegels eines unabhängigen Gremiums. Zu beurteilen wäre die Form (Cover, Inhaltsverzeichnis, Register), das sachliche Lektorat und selbstverständlich Rechtschreibung und Nutzbarkeit (Querverweise, Links etc.). Ein Buch, das als PDF angeboten wird, bekäme bei mir niemals ein Siegel, da es immer auf irgendeinem Gerät nicht wirklich lesbar ist.

Als Institution für die Prüfung wäre der Börsenverein des Deutschen Buchhandels zwar passend, aber er ist trotzdem nicht der richtige Ansprechpartner, da er den Interessen der Verlage verpflichtet und somit nicht neutral ist. Vielleicht findet sich hier ein neues Aufgabengebiet für die Deutsche Nationalbibliothek, die auf der Suche nach neuen Geschäftsmodellen sein dürfte, da ihr bisheriges nicht mehr vollumfänglich greift. Da müsste es doch hervorragende Leute geben, die die Qualität von Büchern und E-Books schnell und kompetent beurteilen können. Ein solches Gütesiegel muss ja nicht kostenfrei abgegeben werden, der Aufwand sollte schon vergütet werden. Die Leser sollten von jedem Verlag oder Self-Publisher einfordern, dass er seine digitalen Werke prüfen lässt, um sicherzustellen, dass bestimmte Qualitätsstandards eingehalten wurden.

Michael Stühr arbeitete von 1976 bis 1986 als Autor und Verleger. Seit 1986 beschäftigt er sich mit Software im Redaktions- und Publishing-Bereich, beobachtet und kommentiert die Entwicklung der Medienlandschaft. Weiterhin ist er an der Hochschule Darmstadt als Lehrbeauftragter tätig.

Der Text wurde mit freundlicher Genehmigung des Autors von der Webseite Tango Publishing übernommen.

Kommentare

15 Kommentare zu "Michael Stühr: Ein Gütesiegel für E-Books"

  1. Petra van Cronenburg | 24. Dezember 2013 um 13:35 | Antworten

    Wir leben im 21. Jahrhundert. Self Publisher seien der Horror etablierter Verlage???
    Keinesfalls! Etablierte Verlage arbeiten längst auch auf Augenhöhe und partnerschaftlich mit Autoren, die wiederum längst auf beiden Schienen veröffentlichen. Mein letztes Buch erschien z.B. im Print bei Suhrkamp und als E-Book im eigenen Verlag – kein Hahn kräht mehr danach, dass Autoren heutzutage ihre Rechte anders vergeben als früher! (Außer ein paar Gestrigen, die was eigentlich fürchten?) Im Gegenteil, etablierte Verlage beobachten die SP-Szene längst hochinteressiert und bieten den besten Verträge an – so lässt sich risikominimiert Frischfleisch finden. Und natürlich ist Self Publishing inzwischen ein derart geldschwerer Markt, dass so mancher Verlag inzwischen seine eigenen Labels und Plattformen dafür gründet.

    Aber Hut ab, diese Geschäftsidee, die mal wieder an den Ärmsten in der Nahrungskette Buchproduktion schmarotzen will, könnte glatt von Dagobert Duck stammen. Man könnte ja stattdessen mit Nonchalance über den ganz schlimmen Schrott hinwegsehen, den es auch schon in Zeiten hektographierter Fanzines der hier romantisch verklärten 1970er (und früher!) gab. Denn der verkauft sich schlicht nicht, den sortiert der mündige Leser selbst aus, dank Leseproben. Jedes E-Book ist *vor* dem Kauf einlesbar, bei Print kaufe ich öfter die Katze im Sack. Den Schrott sortieren auch immer mehr Anbieter aus – selbst Amazon verschickt inzwischen Mahnungen bei zu viel Fehlern.

    Aber nein, stattdessen Geldschneiden bei den ohnehin schon bemühten und professionelleren Autoren, denen man vorgaukelt, sie würden so besser gesehen. Geldschneiden, dass sich eines gewissen Gerüchleins verdächtig macht. Eines Gerüchleins, das man noch nicht Zensur nennen mag, dass aber vorstellbar macht, warum z.B. im 19. Jhdt. die ganz großen russischen Literaten in deutschen Landen drucken ließen, weil in deutschen Landen eben alles gedruckt wurde.

    Oh ja, lasst uns geldbringende Label erfinden, pflastern wir die ohnehin meist unsäglichen und austauschbaren Cover zu: „Verlagskorrektorat aus Indien“ / „von Tante Erna gegengelesen“ / „von einem echten Oberstudienrat als praktikabel angesehen“ / „irre viel Druckfühler, aber irre großer Verlag“ / „handmade books aus old TÜV-Germany“ / „ähnelt Bestseller XY aufs Haar“.

    Melden Sie sich bitte bei mir, wenn Sie ihr Super-Label etabliert haben, ich gründe dann die Firma, die alle Label dieser Buchwelt verwaltet, eine wöchentliche Bestenliste der Qualitätslabel generiert und mit dem Feuilleton vernetzt. Gegen Geld natürlich 😉 Und wer brav ist und mindestens zweimal im Jahr gelabelt hat, darf die geheime Bestsellerformel kaufen …

  2. Ja, ich musste nun auch ab und an wirklich schmunzeln! Ihr Qindiander, was habt Ihr denn gemacht das ganze Jahr über, dass es sich immer noch nicht rumgesprochen hat? Nein, im Ernst: Ich habe mich (samt Verlag) im vergangenen Jahr der Autoreninitiative http://www.qindie.de aus genau den Gründen angeschlossen, die im Artikel genannt werden. Es geht in der Tat nicht um Inhaltliches, sondern darum, ob ein Buch den Namen verdient oder nicht. Ich finde nicht, dass das kleine „e“ es rechtfertigt, lieblos zusammengeschusterte Texthaufen als Bücher zu deklarieren. Andererseits haben aber auch die etablierten Verlage – auch das wird schön im Artikel aufgezeigt – einen Gutteil Verantwortung abgegeben und sich, ebenso wie die Presse, längst von Qualitätsstandards verabschiedet. Man denke nur an die zahllosen Fehler, die einem das Studium der Tageszeitung schon vermiesen können. Und wenn ich dann sehe, dass heute kaum noch ein Verlag so einfache Gestaltungsregeln wie das Vermeiden von „Schusterjungen“ anwendet, dass sich in Büchern regelmäßig nicht nur Satz-, sondern auch Rechtschreibfehler finden – das macht keinen Freude! Allein schon aus Respekt vor dem mündigen Leser sollten sich „Bücherleute“ (die sie schreiben, die sie machen!) an die Regeln Ihrer Kunst erinnern und sie auch anwenden.
    Beste Grüße
    Nikola Hahn
    http://www.thoni-verlag.com
    (in dem es sogar ein eigenes Zimmer für eBooks gibt 😉

  3. Jürgen Edelmayer | 22. Dezember 2013 um 16:09 | Antworten

    Seit wann soll ein Cover Qualitätskriterium für ein Buch sein? Das ist meiner Meinung nach immer noch der Inhalt (Text).

  4. Qindie – von Q wie Qualität. Mehr als ein Gütesiegel: Eine Empfehlung…

  5. Sönke Schulz von tredition | 18. Dezember 2013 um 8:54 | Antworten

    Ich habe es nicht für möglich gehalten, dass es solche Beiträge heute noch gibt.

    „Eine unabhängige Stelle, die die sachliche Qualität von E-Books beurteilen kann“, hält Michael Stühr für die geeignete Lösung, um zwischen Qualität und „digitalen Texthaufen“ zu unterscheiden.

    Elegant umschifft der Autor die Klippe eines inhaltlichen Qualitätssiegels, denn dies käme nach seiner Ausführung einer Zensur gleich. Jedoch das Cover, das „sachliche Lektorat“ sowie die „Nutzbarkeit“ möchte der Autor begutachtet wissen. Ja, und das Dateiformat ist nach seiner Ansicht ein Entscheidungskriterium für die Einteilung in die Kategorien „gut“ und „schlecht“. Digitale Bücher im Format PDF fallen nach Stührs Ansicht von
    vornherein durch das Raster.

    Nun muss man nicht gleich so weit gehen, die unselige Reichsschrifttumskammer ins Spiel zu bringen, die produktions- und marktregelnde Vorschriften erlassen und soziale Reglements treffen konnte. Es reicht, die „Verordnung über die Entwicklung fortschrittlicher Literatur“ vom 16. August 1951 der DDR sich
    anzusehen, die festlegte, dass jedes Buch zur Begutachtung vorgelegt werden musste, um „die Qualität der Literatur zu heben“. Das wurde auch nicht als Zensur angesehen, sondern diente ausdrücklich dem hehren Ziel der Wahrung der Qualität der Literatur.

    Gern erwähne ich, dass wir von tredition – einem Self-Publishing-Anbieter – jedes bei uns eingereichte Werk inhaltlich, orthografisch und optisch prüfen und dann als Taschenbuch, Hardcover und eBook veröffentlichen.

  6. Schreiberlein 2.0 | 16. Dezember 2013 um 15:26 | Antworten

    Interessant ist vielleicht auch, dass eine Prüfung der eBooks wie im Artikel gewünscht bereits bei einem der diversen Online-Shops regelmäßig durchgeführt wird. Apple’s iBookstore rückt konsequent die Kundenzufriedenheit in den Fokus und testet angelieferte eBooks bevor sie überhaupt für den Verkauf freigegeben werden auf solche Dinge wie Verlinkungen, Inhaltsverzeichnis, Absätze, Überschriften usw. usw.

    EBooks, die diesen Test nicht bestehen, müssen korrigiert werden, sonst werden sie im Shop gar nicht erst auftauchen.
    – Braucht man da noch ein Gütesiegel?

  7. Und wem soll das Gütesiegel wirklich helfen? Sie schreiben ja selbst dass er eine Inhaltliche Qualitätskontrolle (aus gutem Grund) nicht leisten kann und soll. Eine rein standardisierter Test auf Nutzbarkeit/Rechtschreibung/Sorgfalt ist so wenig sinnvoll und notwendig wie er bisher für gedruckte Bücher sinnvoll und notwendig war. Auch hier gab es schon immer Produkte die einem optisch und von der Nutzerführung (durchaus nicht erst seit dem eBook ein relevantes Thema) das Gruseln lehren und die kein Siegel verhindert hätte.
    Auch werden sie keine standardisierten „Sorgfaltskriterien“ festlegen können und selbst wenn es »nur« um die reine Rechtschreibung geht: Welche Konsequenz soll der potentielle Leser daraus ziehen? Nicht kaufen um den Rechtschreibfehlern zu entgehen aber gleichzeitig auch auf die, womöglich doch durchaus relevanten und guten, Inhalte verzichten?
    Ich würde dafür keinen Cent zahlen, weder als Auftraggeber noch als Kunde.
    In ein gedrucktes Buch kann ich reinblättern ehe ich es kaufe, von einem ebook kann ich mir vorab in der Regel eine Leseprobe laden. Überlassen wir die Entscheidung ob das was man bekommt den persönlichen Qualitätskriterien entspricht doch dem Käufer und setzen wir die hervorragenden Leute die sie für die Qualitätskontrolle vorschlagen doch lieber für die durchdachte eBook-Produktion ein dort können sie sehr viel mehr Gutes tun.

  8. Als einer der viel zitierten und oft geschmähten SelfPublisher melde ich mich mal zu Wort. Der Literaturzirkus war schon immer ein
    Haifischbecken und die Behauptung, es ginge da vorrangig um Werte und Kultur, ist schlicht eine Lüge. Es ging in der Vergangenheit um Geld und das ist heute nicht anders. Der Unterschied ist nur, dass heute durch Leute wie mich den Großen etwas weggenommen wird, es wird anders verteilt.
    Solche Entwicklungen hat es viele in den letzten 50 Jahren gegeben, das war die Reisebranche, das ist generell der Einkauf im Internet und jetzt ist es das Buch.
    Die Verlagsbranche wehrt sich dagegen und das ist ihr gutes Recht. Ich und viele meiner Mitstreiter lassen sich davon nicht beeindrucken,
    und das ist unser gutes Recht.
    Der lachende Dritte aber, und das sollte man anerkennen, ist der Leser. Natürlich ist es so, dass er auch Schund vorgesetzt bekommt, aber der Schund kostet irgendwo von 1 bis 4, maximal 5 Euro. Das
    gedruckte, aber trotzdem schlechte, weil langweilige Buch kostet als
    TB 12 Euro, gebunden noch mehr.
    Dazu kommt, dass bis vor drei oder vier Jahren die Konzerne und Buchketten entschieden, was Leser so lesen durfte. Heute entscheidet er alleine, mit dem Nachteil, dass er eventuell für 2,99 ein schwer bis gar nicht lesbares Buch kauft. Hat er 12 Euro oder mehr ausgegeben, ist sein Ärger sicher größer.
    Und Prüfsiegel. Das ist nach meiner Ansicht überwiegend eine
    Möglichkeit, wieder einmal auf dem Rücken der Autoren Geld zu
    machen, mehr nicht.
    Der Leser soll entscheiden und wenn er von einem Autor Mist gekauft hat, dann tut er das bestimmt nicht noch einmal. Diese Erfahrung kostet ihn aber nur 2,99 oder 3,99 und nicht 12 Euro oder mehr.
    Oft höre ich auch den Vorwurf – ihr nehmt den Druckern Arbeit weg. Mag sein, aber das können die großen Verlage besser und dafür muss man nicht bis nach Indien. Da reicht der Weg nach Rumänien oder Bulgarien.
    Und abschließend – ich mache das für Geld und nicht weil ich ein
    Apfelbäumchen gepflanzt haben will. Meine Äpfel kaufe ich im
    Supermarkt und der kauft in Südamerika und der Fisch kommt aus
    Australien. Da hat sich auch kein Mensch aufgeregt, als der
    Apfelbauer am Niederrhein pleite ging und der Fischer in der Nordsee
    sein Boot verschrotten musste.

  9. GIYF: Seit fast einem Jahr ist sowas längst am Werk. Qindie – eine Initiative von Selfpublishern und ein Autorennetzwerk.
    http://www.qindie.de

    • Vito von Eichborn | 3. Januar 2014 um 14:32 | Antworten

      Auweia, Mister Stühr, wie wär’s mal mit einer Gremien-Korrektur von Arno Schmidts Spätwerk? Den Gedichten von Jandl? Und was haben Sie von einem ordentlich edierten Hausfrauenporno?
      Dummerweise haben nicht nur die Leser ein Recht darauf, blöd zu sein – auch beschränkte ebenso wie intelligente Autoren können schlicht machen, was sie wollen. Die Verbraucher kaufen Dornfelder und Hera Lind. Das Überangebot an Mist ist – wie bei Yoghurtsorten und Nachmittagsfernsehen – doch nicht das Problem. Die lektoratsfreien Selfpublishing-Drecksfluten machen es nur noch schwerer, die Rohdiamanten herauszuwaschen. Wie jetzt überall t-shirts, bietet bald jeder 3-D-produzierte Tassen und Teddies an. Richtig an der Stühr-Frage ist jedoch: Wer hilft im exponentiell wachsenden Verdrängungswettbewerb der Schreibenden uns quantitativ überforderten Lesern, die inhaltliche Qualität zu finden?
      Jenseits der hirnlosen Empfehlungs-Algorithmen, gibt es noch immer Leute, die „sortieren“, auch Sortiment, vulgo: Buchhandel, genannt. Und es werden sich – vorhandene oder neue – Verlage finden, deren Gütesiegel von Lesern akzeptiert werden.
      Postscriptum: Wie wär’s mit der Lektüre der tausend großartigen Bücher, die es schon gibt, anstelle der Suche nach neuneuneu?

  10. Gütesiegel – bitte nicht! Es würde ja genau das kaputt machen, was sich die Netzgemeinde, die vielen bei Verlagen abgeblitzen Autoren mühselig aufgebaut haben. Nämlich Demokratie. Der neue Veröffentlichungsprozess ist frei und so sind es auch die Leser und Käufer. Jeder hat die Freiheit, vorab per Leseprobe zu prüfen, ob das jeweilige E-Book zusagt, inhaltlich als auch von der Form her. Wenn er sich nicht einmal soviel Zeit nimmt – sorry.

    Ständig diese Anekdoten aus fernen Zeiten (Druckmaschine hier, Fotosatz da, Repro tralala) – keiner von damals hätte diese Dinge freiwillig getan, wären sie so einfach wie heute gewesen. Seien Sie doch ehrlich…

    Ich halte von Gütesiegeln gar nichts, aus drei Gründen:

    1. auf das erste Siegel folgt das zweite und schon bald haben wir zwanzig Siegel und der Leser hat nichts davon
    2. ich finde es eine Anmassung, dass sich jemand überhaupt das Recht herausnehmen würde, über gutes oder schlechtes Lektorat zu urteilen – das sollte jedem selbst überlassen bleiben
    3. es würde das am leben halten, das zerstörenswert ist: Gate-Keeping. Nein, danke!

    • Zu Punkt 1: Ich gebe Ihnen recht, das ist eine Gefahr – siehe “Bio”.

      Zu Punkt 2: Ich freue mich über jeden, der meine Texte kritisch redigiert.

      Zu Punkt 3: Das Gütesiegel wäre eine Option, aber kein Zwang. Insofern passt “Gate-Keeping” hier nicht.

      Zur “guten alten Zeit” und den Anekdoten: Der schnelle Klick gefährdet die Sorgfalt. Und früher war mehr Wissen.

  11. Qualtität?
    Ich arbeite im Buchhandel und sehe täglich Bücher, die hochgelobt und kaum verkauft werden. Bücher, die hochgelobt und von mir quergelesen und für ein Trauerspiel erachtet werden können. Kundenbestätigungen unterstreichen dies.

    So viele Bücher, die auf der Ramschpalette landen, im Buchhandel und überall wo sonst noch Bücher verramscht werden. Allesamt Bücher, die Verlag mal korrekturgelesen und für literatisch so wertvoll erachteten, dass sie gedruckt wurden und in den Verkauf kamen.

    Qualität ist relativ.

  12. „Gütesiegel“, „Stempel“, „Genehmigt“, „ein
    Stammtischfähnchen auf den Tisch“ – es war zu erwarten, dass früher oder später
    irgendjemand den „typisch-deutsche-Tugenden- Hammer“ aus dem verstaubten
    Gelsenkirchener-Literaturbarock-Eckschrank holt, und ein Gremium, eine zu schaffende
    Institution, oder einen Verein gründen will, der hochoffiziell und
    höchsderoselbst darüber entscheiden will (gegen Gebühren nehme ich an), ob ein
    eBook (Cover, Layout usw.) gut, oder schlecht ist. So etwas scheitert schon an
    der Definition, was „gut“ oder „schlecht“ ist. Das erinnert mich fatal an die
    FSK aus den 60ern, wo ernst und streng blickende Herren in Betonanzügen, und
    Damen in Faltenröcken urteilen und das unmündige Volk tyrannisieren durften.
    Aber es wird kommen. Es ist zu befürchten, dass sich die „für dumm verkauften“
    eBook-Autoren um ein Gütesiegel reißen werden, weil die Kleinhirne ihnen
    zuflüstern. „Du brauchst ein Gütesiegel, damit sich dein eBook verkauft.“

    • Hier werfen Sie wohl etwas unzulässig durcheinander. Ein Gütesiegel hat gar nichts mit „Genehmigt“ zu tun, denn er wäre ja optional und allenfalls verkaufsfördernd. Und die Kriterien müssten selbstverständlich offengelegt, transparent und nachvollziehbar sein. Also nichts mit FSK.

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