Die Branche muss Transparenz und Partnerschaft leben

Für Christian Damke war 2013 das Jahr der Veränderungen. Nach dem Wechsel von Skoobe zu Grin stehen viele neue Projekte auf seiner Agenda. Von der Branche wünscht er sich einen neuen Autoren-Service, der über „eine halbjährliche kryptische Abrechnung“ hinausgeht.
Das hat mich am meisten gefreut
2013 war ein Jahr vieler Veränderungen. Mich hat am meisten gefreut, wie gut der Übergang von Skoobe zu Grin geklappt hat und wie mich die Kolleginnen und Kollegen in beiden Firmen dabei unterstützt haben, ein ausgewogenes Maß an Kontinuität zu gewährleisten und trotzdem notwendige Änderungen umzusetzen.

Mich freut, wie mutig inzwischen viele Verleger die Chancen der Digitalisierung nutzen und dabei vieles, was noch vor ein paar Jahren undenkbar gewesen wäre, ausprobieren. Dazu gehört für mich spannende neue Vertriebswege wie Skoobe zu fördern, neue digitale Verlage zu bauen und dabei tolle Bücher als E-Books heraus zu bringen, wie Beate Kuckertz das bei Dotbooks wunderbar macht.

Mich freut die Bilanz der Tolino-Allianz, die zeigt dass Deutsche Marktteilnehmer aus eigener Kraft mehr als konkurrenzfähige Produkte und Services zusammen entwickeln und verkaufen können und so unser schnellst wachsender Vertriebspartner bei GRIN Solutions geworden ist.

Das hat mich am meisten geärgert
Mich ärgert die Ignoranz bzw. das Unverständnis der großen deutschen Tageszeitungen und Magazine zu erkennen, wie viele tolle Projekte wir in Deutschland auf den Weg gebracht haben. Dass die „Süddeutsche Zeitung“ aus München es trotz vieler Versuche nicht geschafft hat, einmal über den innovativen Ansatz von Skoobe zu berichten, dafür aber Unmengen an Papier zu Gesellschafter-Querelen bei einem Berliner Verlag verwendet, zeigt nur, wie wenig Relevanz gesehen wird. Wenn der Englische Guardian als erstes über ein Münchner Start-up schreibt, aber jede Nicht-Meldung zu Suhrkamp eine ganze Seite bei der „FAZ“ bekommt, dann ärgert mich das zwar, aber ich habe gelernt es zu akzeptieren und als Konsequenz meine Print-Abos einfach abbestellt.
Das habe ich 2013 am liebsten gelesen
Ich lese den buchreport, Spiegel Online und bekomme viele spannende Artikel von den Menschen, denen ich auf Twitter folge. Ich bin außerdem ein großer Fan von John Stewart und der Daily Show aus New York, die mich mit den wichtigsten Themen aus Übersee versorgt und lese sonst eher zur Entspannung. Besonders gefallen hat mir der neue Lee Child, „Leviathan erwacht“ von James Corey, „Little Brother“ ist ein Roman von Cory Doctorow der erschreckend nahe an der Realität und dem NSA-Skandal geschrieben ist. Ein Autor der mich immer wieder überrascht ist Nassim Taleb, dessen neuestes Werk „Antifragilität“ hat mich sehr erfrischt und gezeigt, warum ein gutes Buch immer noch die beste Möglichkeit ist, tief und nachhaltig die Gedanken eines anderen Menschen zu verstehen und nachzuvollziehen
Das steht auf meiner persönlichen Agenda 2014
  1. Wir haben uns  sehr viel vorgenommen in 2014, wir könnten zum Beispiel neben dem Ausbau des akademischen Self-Publishing mit dem Grin Verlag und seit neuestem mit E-fellows in 2014 nun auch nicht-akademische Texte akzeptieren, in welcher Form und mit welchem Partner ist allerdings noch offen
  2. Außerdem wollen wir digitalen Verlagen beim Ausbau des Katalogs und der Verbesserung der Auffindbarkeit ihrer Titel zusammen mit unserer Agentur Bilandia noch besser helfen und arbeiten hier intensiv an einem modularen Baukasten-System, bei dem sich jeder Verlag individuell bedienen kann.
  3. Zu guter Letzt wollen wir die zugrunde liegende Software, an der wir seit 13 Jahren entwickeln, weiter ausbauen und dabei besser bedienbar machen. Ich war selber überrascht wie einfach es ist, einen eigenen Verlag zu gründen und mithilfe unserer Kollegen diesen auch perfekt aufzustellen. Neben einem eigenen Shop, einer vollautomatisierten weltweiten Autorenabrechnung sind die Titelanlage und die Übermittlung der richtigen Daten an die richtigen Stelle wichtig, gerade um Preisaktionen buchpreisbindungsgerecht durchführen zu können.
Das muss sich in der Branche 2014 ändern
Die Branche ist viel zu divers als dass ich so eine Frage pauschal beantworten könnte, daher versuche ich es mal für den Bereich Self-Publishing und Digital First, da kann ich vielleicht eher eine Prognose wagen. Wir sehen an weiter entwickelten Märkten wie den USA, dass Autoren sich emanzipieren und zu unabhängigen Autoren werden, die ein Sachbuch bei einem traditionellen Verlag haben, aber eine Krimiserie rein digital selbst veröffentlichen. 
Der Service, den sich diese Autoren von allen Unternehmen, mit denen sie zusammenarbeiten, wünschen, ist bei weitem mehr als eine halbjährliche kryptische Abrechnung. Die Autorenportale der Verlagsgruppe Random House und der Bonnier-Gruppe sind daher ein richtiger Schritt, hier zeigt Amazon und hoffentlich bald Sebastian Posth mit seinem Reporting-Service, was hier technisch noch möglich ist. Die Änderung wäre also eine größere Transparenz und Partnerschaft mit den Autoren und Rechtegebern zu leben. 
Bei den Digitalprodukten glaube ich, werden wir noch viel mehr hybride Produkte rund um das klassische gedruckte Hardcover mit 1000 Seiten für 34,99 Euro sehen. Also Kurzgeschichten, Serien, Ausgliederungen, schnellere Zyklen und vieles mehr. 

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