Wissenschaftler boykottieren (erneut) Elsevier

Elsevier hat einmal mehr einen Streit um Open Access ausgelöst: Wissenschaftler sind empört, dass der Verlag die Open-Access-Plattform Academia.edu zur Auslistung von Fachartikeln aufgefordert hat.
Nach Angaben der Plattform hat Elsevier innerhalb weniger Wochen rund 2800 der vom Verlag redigierten Artikel auslisten lassen. Diese Größenordnung sei ungewöhnlich, erklärt der Gründer von Academia.edu, Richard Pricedem „Bookseller“: „Normalerweise erhalten wir ein oder zwei Take-Down-Aufrufe pro Woche.“
Elsevier-Manager Tom Reller entgegnet, dass man „von Zeit zu Zeit“ Take-Down-Aufforderungen versende, wenn statt der Rohfassungen die vom Verlag bearbeiteten und gesichteten Versionen der Wissenschaftsartikel verwendet würden – was „oft irrtümlich“ passiere. Autoren hätten viele gute Möglichkeiten, ihre Artikel mit Kollegen zu teilen und für die Lehre zu verwenden. Es sei auch im Interesse der Autoren, die Artikel von Open-Access-Plattformen zu entfernen, weil sie nur dann über die Zeitschrift leicht auffindbar und zitierfähig seien und damit das Ansehen für die Autoren maximierten und für die Qualität der Wissenschaftsdebatte garantierten.

Autoren scheinen dem aber nicht zuzustimmen: Ein Wissenschaftler, der seinen Artikel selbst auf die Plattform eingestellt hat, Guy Leonard aus London, erklärte in seinem Blog, dass er Elsevier künftig meiden wolle und darauf hoffe, dass seine Kollegen es im nachtun. Er gehe davon aus, dass die Autoren ohne den Großverlag besser dran seien.

Erst im Frühjahr 2012 hatten Wissenschaftler zum Boykott von Elsevier aufgerufen, um gegen die hohen Preise des Wissenschaftsverlags zu protestieren („Wir zahlen nicht für unsere Gedanken“). Im Zuge des aktuellen Streits ermutigt auch Academia.edu die Autoren dazu, die damals entstandene und inzwischen von 14.000 Wissenschaftlern unterzeichnete Petition gegen die Geschäftspraktiken von Elsevier zu unterzeichnen.
Auch hierzulande wird über das Thema Open Access öffentlich gestritten, seit der Diskussion über das Open-Access-Papier des Börsenvereins, in dem der Verleger-Ausschuss einen „Neuanfang“ im Dialog mit den Wissenschaftsorganisationen anregt. 

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