Urheberrecht predigen und Piraterie praktizieren

Die meisten EU-Bürger schätzen geistiges Eigentum. Doch das hindert diese nicht daran, im Zweifel illegale Downloads gutzuheißen.
Nach einer EU-weiten Umfrage unter 26.500 Personen, in Auftrag gegeben u.a. von der Europäischen Beobachtungsstelle für Verletzungen von Rechten des geistigen Eigentums (einer Behörde der EU), sind 86% der Europäer der Meinung, dass der Schutz geistigen Eigentums zur Verbesserung der Qualität von Produkten und Dienstleistungen beitrage. 69% der Befragten schätzen außerdem geistiges Eigentum, weil es zur Schaffung von Arbeitsplätzen und zu wirtschaftlichem Wohlstand beitrage. – Und deshalb verurteilen sie Verletzungen der Rechte geistigen Eigentums, zumindest in der Theorie.
Doch die weit verbreitete Überzeugung vom Stellenwert von Urheberrechten scheint nicht besonders tief ins Bewusstsein der Bürger gedrungen zu sein, denn:
  • 34% der Europäer halten den Kauf gefälschter Waren für gerechtfertigt, wenn sie dadurch Geld sparen können. 
  • 38% sind der Meinung, dass der Kauf von Fälschungen als Protesthandlung gegen eine marktgesteuerte Wirtschaft gerechtfertigt ist. 
  • 22% der Europäer halten ein illegales Herunterladen z.B. von Medien-Dateien für zulässig, wenn es keine legale Alternative gibt, und 42%, wenn es für den persönlichen Gebrauch gedacht sei (in der Altersgruppe zwischen 15 und 24 Jahren liegt der Anteil bei 57%).
  • 9% der Europäer räumten ein, 2012 illegalerweise Dateien wie Filme oder Musik heruntergeladen zu haben (bei den 15- bis 24-Jährigen: 26%; 25 bis 34: 17%; 35 bis 44: 9%; 45 bis 54: 5%; Über 55: 2%)
„Der Umfrage zufolge erklärt sich der Unterschied zwischen den beiden Ansichten daraus, dass viele der Befragten denken, geistiges Eigentum bringe ihnen persönlich keinen Nutzen oder das System des geistigen Eigentums erfülle ihre Erwartungen an Preis, Verfügbarkeit, Vielfalt und Qualität nicht“, vermutet die Behörde.
António Campinos, Präsident des Harmonisierungsamtes für den Binnenmarkt (zu dem die Europäische Beobachtungsstelle gehört), erklärt: „Die europäischen Bürger sehen es nicht als ihre Verantwortung, geistiges Eigentum zu schützen, vor allem wenn andere nicht die gleichen Werte teilen und nicht sicherstellen, dass die Vorschriften eingehalten oder den Erwartungen der Menschen angepasst werden.“
Doch die Erklärung für die Haltung-Handeln-Divergenz scheint simpler gelagert zu sein: Nur 65% der Bürger ist laut Studie klar, dass es legale Angebote zum Download von Medien gibt, nur 56% wissen z.B., dass man (gegen Bezahlung) legal Filme online schauen kann. Und 80% der Europäer erklärten, dass sie legale Angebote bevorzugen würden, falls diese erschwinglich seien.

Foto: Pierre Antoine

Kommentare

2 Kommentare zu "Urheberrecht predigen und Piraterie praktizieren"

  1. Wie üblich fehlt leider der Link zur Quelle.

  2. Bitte einen Link zu der Umfrage. Danke.

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