Achtung Datenkraken!

Vor „skandalösen“ Machenschaften der Bibliotheken mit Google, AmazonFacebook und Apple warnt Roland Reuß (Foto) in einem Gastbeitrag für die „FAZ“. Es bestehe die Gefahr, dass Leser- und Recherchedaten massenhaft an die IT-Konzerne weitergegeben werden, so der streitlustige Germanist.

Der Heidelberger Germanist Roland Reuß ist kein Freund von Open Access (Stichwort „Heidelberger Appell“), warnte schon frühzeitig vor der Bücher-Digitalisierung durch Google und den Gefahren des E-Book-Geschäfts. Zuletzt kritisierte er die Praxis einiger Bibliotheken, in ihren Katalogen auf Amazon zu verlinken und erreichte schließlich, dass die Bibliotheken stattdessen zur MVB-Plattform buchhandel.de verlinken.

Viele Bibliotheken speicherten die Recherchevorgänge ihrer Nutzer und könnten diese, wenn ein Buch ausgeliehen wird, einer konkreten Person zuordnen, erklärt Reuß. Die Bibliotheken betrachteten dies als Service, unterschätzen aber die Gefahr eines Abgriffs dieser Daten durch Drittanbieter. Skandalös sei deshalb die vertraglich geregelte Zusammenarbeit mit Google, Amazon, Facebook, Apple und „dergleichen Kooperationen mit kolonialistischem Anspruch“. Auch die geplante cloudbasierte Infrastruktur für Bibliotheken sei eine „wahrhaft apokalyptische Errungenschaft“. Denn so ermögliche man es Drittanbietern, die zentral gespeicherten Leserdaten zu überwachen und auszuwerten. 
Seine Forderungen:
  1. Die Bibliotheken müssen ihr Selbstverständnis als dezentrale „Bollwerke europäischer Bildung“ wiedergewinnen und pflegen.
  2. Sie müssen ein „Bewusstsein von der Labilität der digitalen Infrastruktur entwickeln und notfalls auf analoge Back-ups zurückgreifen können.
  3. Die Kooperation mit internationalen IT-Konzernen muss auf ein Minimum heruntergefahren werden. Auf den Prüfstand gehöre die Verlinkung auf GoogleBooks, auf GoogleScholar, SciFinder und auf Facebook ebenso wie die App für iOS und die Bevorzugung von Computern mit Windows-Software.

Update: Der Deutsche Bibliotheksverband hat inzwischen reagiert und erklärt, in den Mitgliedsbibliotheken werde sensibel mit den Daten der Nutzer umgegangen. „Die Bibliotheken sind sich der Sensibilität der persönlichen Daten ihrer Benutzer sehr bewusst“, so der Verbandsvorsitzende Frank Simon-Ritz. Bibliotheken stimmten sich bei ihren personendatenbezogenen Verfahren mit den zuständigen Landesdatenschutzbeauftragten ab und prüften die Nutzung entsprechender Dienste laufend. 

Bei der Zurverfügungstellung von Metadaten aus Bibliothekskatalogen für Google würden ausschließlich bibliografische Daten geliefert, nicht aber personenbezogene Daten. „Es geht darum, dass Bibliotheksbestände auch in der Zukunft auf angemessene Weise sichtbar sind“, so Ritz. Hier die komplette Stellungnahme.

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