Trügerische Hoffnung

Über das Verhältnis von Online- und Offline-Buchhandel wird meist mit der Verdrängungshypothese diskutiert: Demnach machen Amazon und Co. besonders jene Händler platt, die kaum Profil und wenig Service bieten. Während die Internethändler selbst weitestgehend autonom schalten und walten können. Doch die Wechselwirkungen der Kanäle sind viel komplexer als oft gedacht. Davon profitiert der Buchhandel, vielleicht.

Auf die Agenda rückte dieses Thema kürzlich durch die Meldung zum Abschied von Amazon-Publishing-Verleger Larry Kirshbaum (hier mehr). Die ersten Kommentare, dass Kirshbaums Demission ein Zeichen für die Schwäche und den anstehenden Rückbau der Amazon-Verlagsaktivitäten sind, erscheinen primär einem Wunschdenken geschuldet zu sein. Gleichwohl trübt die Weigerung großer Teile des stationären Buchhandels in den USA, die gedruckten Ausgaben der Amazon-Titel zu verkaufen, tatsächlich die Bestellerbilanz des Onliners, wie ein Blick auf die „New York Times“-Listen zeigt. Die meisten Leser stoßen weiter offline (Buchhandel, Gespräch mit Freunden) auf neue Bücher, nicht auf den Webseiten der Shops.

Daraus jedoch, wie Dennis Johnson, zu schließen, dass die Dampfwalze Amazon ins Stocken geraten könnte, weil mit der Verdrängung der Händler auch „Showroom“ verloren geht und die verbliebenen Buchhändler am Ende also profitieren, ist trügerisch. Die gerade erfolgte Integration der weltgrößten Buch-Community Goodreads in die Kindle-Geräte zeigt, dass die Digitalos noch viel Potenzial beim Thema „Discoverability“ haben. Amazons unzureichende Algorithmen sind „Day One“ (Jeff Bezos). Der zweite Tag wird ungemütlicher.

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